Selbst an Ostern wurden keine Geschenke verteilt: Bei den Zweitliga-Handballerinnen des TuS Lintfort blieben deshalb wieder einmal nur enttäuschte Gesichter zurück und die Gewissheit, dass die krasse Negativserie einfach nicht zu stoppen ist. Auch die neue Begebenheit des „geschenkten Klassenerhaltes“ konnte beim Tabellenschlusslicht vom linken Niederrhein nur in Phasen frische Kräfte freisetzen. Für die Mannschaft von Trainerin Bettina Grenz-Klein ist die fehlende Konstanz weiterhin das große Dauerthema. Gleichwohl heißt es nun, eine total spannungsbefreite Saison 2025/26 ohne auch nur einen sportlichen Absteiger irgendwie ordentlich über die Bühne zu schaukeln. Der TuS Lintfort präsentierte sich im Heimspiel vor immerhin 270 Zuschauern gegen den SV Werder Bremen trotz der 32:37 (15:20)-Niederlage in einer insgesamt gesehen besseren Verfassung als noch in den vergangenen Wochen, war dem Kontrahenten von der Weser sogar bis in die Schlussphase ein ebenbürtiger Gegner.
TuS Lintfort präsentiert sich in einer besseren Verfassung als noch in den vergangenen Wochen
Einstellungs- oder Motivationsprobleme hatte der TuS Lintfort zu Beginn eines Spiels eigentlich nie. So auch diesmal. Die Mannschaft zeigte sich engagiert, mit ausgeprägten kämpferischen Tugenden. Doch schneller als gedacht schlichen sich in der Offensive Nachlässigkeiten in der Ballbehandlung und auch bei der Chancenverwertung ein. Ballverluste waren die Folge, auf die Werder Bremen gezielt lauerte. Das Gäste aus dem Tabellenmittelfeld brillierten mit einem schnellen Umschaltspiel. Und dazu brauchte es noch nicht mal den Gegenstoß aus der ersten Welle – ein, zwei Pässe reichten aus, um die sich viel zu langsam formierende TuS-Defensive auszuhebeln. Lintfort hatte immer wieder das Nachsehen – Bremen setzte sich mit klugem Tempohandball gekonnt ab (13:7/17.).

Aber der TuS Lintfort kam mit neuer Energie aus der Halbzeitpause zurück und startete eine sehenswerte Aufholjagd. In der Deckung herrschte fortan eine aggressivere Gangart. Die Gegenspielerinnen wurden „angegangen“, der gegnerische Spielfluss somit unterbunden. Bremen fand nur noch wenige konstruktive Lösungen, verlor seine Souveränität, befand sich auch irgendwie schon im „Schonmodus“. Beim TuS Lintfort hingegen war nun richtig Feuer in den Aktionen. Die Gastgeberinnen in Persona von Haupttorschützin Svenja Rottwinkel und der litauischen Nationalspielerin Vakare Damuleviciute zogen das Spielgeschehen immer mehr auf ihre Seite.
So haben sie gespielt
TuS Lintfort: Senanur Gün, Anita Polackova, Neele Brandt – Alea Mattig 3, Nathalie Corsten 2, Insa Weisz, Lynn Broders 3, Jana Willing, Rieke Rosner, Sydney Lupisella, Yara Vlaswinkel 3, Femke Kleijkers 1, Svenja Rottwinkel 9/1, Vakare Damuleviciute 8/3, Eva Manthei, Leonie Udaw 3.
So geht es weiter: Der TuS Lintfort ist am kommenden Wochenende wegen Terminen der Nationalmannschaft spielfrei. Für die Grenz-Klein-Schützlinge geht es damit erst am 18. April um 18 Uhr mit dem Auswärtsspiel beim VfL Waiblingen weiter.
Svenja Rottwinkel und Vakare Damuleviciute waren die treibenden Kräfte in der Offensive
Svenja Rottwinkel suchte aufgrund ihrer ausgeprägten Individualität unermüdlich den Zweikampf und kam mit Entschlossenheit zum Torerfolg. Aber auch Vakare Damuleviciute zeigte ihr wohl bestes Spiel im TuS-Dress. Die Rückraumspielerin entwickelte auf dem Feld eine starke Präsenz, traf etliche gute Entscheidungen und „hämmerte“ einige Bälle mit purer Wurfkraft in die Werder-Maschen. Und nicht zu vergessen: Auch Lynn Broders hinterließ einen hervorragenden Eindruck. Die junge Kreisläuferin war auf ihrer Position ein ständiger Unruheherd, schaffte Freiräume für den Rückraum und traf selbst dreimal ins gegnerische Tor.

Als Svenja Rottwinkel in der 39. Minute zur eigenen 23:22-Führung einnetzte, war die Stimmung in der Eyller Sporthalle auf dem Höhepunkt. In der Folgezeit entwickelte sich ein total offener Schlagabtausch. Beim Spielstand von 29:29 (52.) war noch alles möglich. Doch den TuS-Spielerinnen unterliefen ausgerechnet in der heißen Crunchtime einige technische Patzer. Auch die Trefferquote stimmte nicht mehr. Bremen hingegen blieb abgezockt, besaß in Leni Ruwe (11 Tore) und Anna-Lena Bergmann (8) zwei coole Spielerinnen, die ihre Farben nun endgültig auf die Siegerstraße warfen.
„Ich bin natürlich enttäuscht“, sagte TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein nach Spielschluss: „Aber ich denke auch, wir haben uns insgesamt gesehen gut präsentiert, mit vielen sehenswerten Aktionen. Toll war vor allem, wie meine Mannschaft nach dem deutlichen Pausenrückstand ins Spiel zurück gekommen ist.“


