Es ist mittlerweile eine schwer verdauliche Kost und auch nicht mehr schön anzuschauen. Das, was die Handballerinnen des TuS Lintfort schon seit Wochen auf die „Platte“ zaubern, ist ganz schwaches Zweitliganiveau. Mühsam, ohne Entwicklung, erfolglos. Doch der krasse sportliche Absturz rückt immer weiter in den Hintergrund. Denn: Die Rettung des Tabellenletzten ist trotz aller anhaltender Widrigkeiten zum Greifen nahe. Fakt ist: Drittligist Bad Wildungen ist als einer von nur zwei möglichen Lizenznehmern für einen Aufstieg zwei Spieltage vor Meisterschaftsende raus aus dem Aufstiegsrennen. Und auch die TSG Leihgestern hat mittlerweile einen Vier-Punkte-Rückstand auf den Tabellenzweiten 1. FC Köln und den schlechteren direkten Vergleich.
Der Klassenerhalt ist greifbar nahe, es bedarf aber noch der offiziellen Bestätigung der HBF
Die Entscheidung scheint damit gefallen. Gleichwohl ist noch ein wenig Geduld gefragt. Denn es bedarf der offiziellen Bestätigung der HBF (Handball Bundesliga der Frauen), ehe der kleine Verein vom linken Niederrhein den „geschenkten Klassenerhalt“ feiern kann. Und obwohl sich die aktuellen Ereignisse zur Zeit überschlagen: Das Team von Trainerin Bettina Grenz-Klein enttäuschte beim Krisengipfel zweier zuletzt arg schwächelnder Vereine bei den gastgebenden „Rostock Dolphins“ mal wieder auf ganzer Linie, unterlag in Rostock mit 25:37 (13:19) und geriet somit unter die „Ostsee-Wellen“. Aber trotz des neuerlichen Debakels: Leonie Udaw hatte am Samstag an ihrem 19. Geburtstag richtig Spaß und warf satte neun Tore.

Der TuS Lintfort bekommt einfach keine Stabilität in seine Leistungen. Selbst nicht gegen Mannschaften wie zuletzt Freiburg und jetzt gegen Rostock, die den unteren Bereichen der Tabelle angehören. Ja, die Einstellung der TuS-Spielerinnen war in den ersten 20 Minuten ganz in Ordnung, die Partie bis zum 13:12 (23.) auch hart umkämpft. Aber die Gäste offenbarten zu große Defizite in der Defensive. Die Mannschaft bekam die Lücken einfach nicht geschlossen – ob im Zentrum oder auf den Halbpositionen. Das Zweitkampfverhalten stimmte nicht. Selbst die Laufbereitschaft war zu wenig ausgeprägt.
So haben sie gespielt
TuS Lintfort: Anita Polackova, Neele Brandt – Alea Mattig 2, Nathalie Corsten 1, Insa Weisz 1, Lynn Broders, Jana Willing 2, Rieke Rosner, Sydney Lupisella 1, Yara Vlaswinkel 3, Svenja Rottwinkel 5/4, Vakare Damuleviciute 1, Eva Manthei, Leonie Udaw 9.
So geht es weiter: Der TuS Lintfort empfängt am kommenden Ostersonntag den SV Werder Bremen. Der Anwurf in der Eyller Sporthalle ertönt dann um 16 Uhr.
Rostock hatte es dementsprechend relativ einfach, kam regelmäßig mit Durchbrüchen entweder zum Torerfolg oder zum Siebenmeter. Ganz krass wurden dann die letzten sieben Minuten vor dem Halbzeitpfiff. Die TuS-Spielerinnen verloren komplett die Kontrolle. „Wir haben das Spiel viel zu schnell und leichtfertig aus der Hand gegeben“, ärgerte sich TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein. „Das darf uns einfach nicht passieren.“
Bettina Grenz-Klein: „Wir haben das Spiel viel zu schnell und leichtfertig aus der Hand gegeben.“
Das Aufbäumen nach dem Seitenwechsel (21:24/43.) war nur von kurzer Dauer und verpuffte auch schnell wieder. Leonie Udaw war die einzige Spieler im TuS-Dress die Schwung in die Offensive brachte. Die zuletzt stark aufspielende Femke Kleijkers fehlte diesmal in Rostock aufgrund einer Verletzung am Ellenbogen, die sich die junge Niederländerin im Training zugezogen hatte. Was ab der 45. Minute dann folgte, war ein krasser Absturz: Die Deckung, inklusive der schwach haltenden Stammtorhüterin Anita Polackva, wirkte lustlos und überfordert und „winkte“ die HCR-Spielerinnen scheinbar nur noch durch.

Und auch in der Offensive brachen nun alle Dämme. Es gab keinen Plan. Spielerinnen nahmen sich schlecht vorbereitete Würfe, die das Ziel nicht fanden. Oder es gab Patzer im technischen Bereich. Rostock legte einen 7:0-Lauf zum 31:24 (52.) hin und konnte die Schlussphase gegen total überforderte Gäste in vollen Zügen genießen. „Diese krassen Einbrüche sind schwer zu erklären“, betonte eine enttäuschte Bettina Grenz-Klein nach dem Abpfiff: „Wir gewinnen in der Deckung keinen einzigen Zweikampf und bekommen somit keine Stabilität in das System. Die Herangehensweise war zu lasch und zu passiv.“


