Am Ende eines kriminell spannenden Volleyballabends im Enni-Sportpark wurde es sogar hitzig. Beim Stande von 6:9 im fünften Satz verwehrten die Referees dem Moerser SC gegen Tabellenführer FC Schüttorf 09 einen klar gewonnen Punkt. MSC-Leistungsträger Jakub Petras beschwerte sich so eindringlich, dass er die Rote Karte (gleich Zusatzpunkt für den Gegner) zu sehen bekam. Wegen des zweiten geschenkten Punktes stand es nun vorentscheidend 6:11 statt 7:9. „Das hat natürlich am Ende beeinflusst. Aber lamentieren bringt ja jetzt nichts mehr“, erklärte MSC-Cheftrainer Martin Schattenberg. Die beste Saisonleistung der Adler war beim 2:3 (20:25, 21:25, 25:16, 25:20, 11:15) eine Menge wert. Da wollte Schattenberg richtigerweise kein Fass wegen der Unparteiischen aufmachen.
Zwei ehemalige Moerser überzeugen beim FC Schüttorf 09
Vor allem eine gute Portion Selbstvertrauen bei noch sechs ausstehenden Partien haben sich die Moerser Adler erspielt. Und vor allem erarbeitet. „In dieser Form können wir noch eine Menge Punkte holen. Und vielleicht doch noch die Rettung schaffen“, bekräftigt Coach Schattenberg. Zugegeben, zwei Sätze lang sah es am Samstagabend vor offiziell 405 Zuschauern gegen einen stark aufspielenden Tabellenersten nicht danach aus. Zuspieler Marin Kapusniak, Diagonalangreifer Felix Orthmann, beide einst beim MSC in der 2. Bundesliga unbestrittene Leistungsträger, sowie der portugiesische Außenangreifer Jose Carlos Vieira da Vinha schienen offensiv kaum zu bremsen.

„Danach haben wir uns das Leben selber schwer gemacht, Moers hat aber auch sehr stark verteidigt“, lobte Ex-Adler Orthmann. Nach 2:0-Satzführung und Zehnminutenpause leistete sich Schüttorf plötzlich Fehler. Der MSC wurde immer sicherer, immer kampfstärker, immer enthusiastischer. Am unerwarteten Umschwung beteiligte sich die komplette Mannschaft. Zur Begeisterung des Publikums mit Erfolg. Zuspieler Nico Haug, der erstmals eine Zweitligapartie komplett bestritt, erntete später ein Sonderlob von Coach Schattenberg.
Trotzdem gehen alle mit einem guten Gefühl vom Feld. Ich habe versucht, alle einzusetzen und mitzunehmen und das Team auch gut zu pushen.
Nico Haug, 18-jähriger Zuspieler beim Moerser SC nach der 2:3-Heimniederlage gegen Schüttorf
Beim Moerser SC ist auch der Italiener Enrico Scarpi gut in Fahrt
Aber auch der Italiener Enrico Scarpi kam ziemlich gut in Fahrt, Diagonalspieler Jakub Petras mit seiner zündenden Präsenz ohnehin. Lukas Schattenberg punktete zuverlässig, die Mittelblocker Tim Broshog und Luis Bartsch hatten plötzlich gute Aktionen. Am Ende bekam Libero und Feldabwehrass Andre Illmer die Silbermedaille als bester MSC-Spieler des Abend. Die hätte der Kapitän ganz sicher sofort in einen durchaus verdienten zweiten Pluspunkt umgetauscht.
Die eingangs erwähnte Fehlentscheidung, zwei oder drei Netzangaben zu viel und die Schüttorfer Cleverness verhinderten letztlich den Coups des Tabellenletzten gegen den Ligaprimus. „Trotzdem gehen alle mit einem guten Gefühl vom Feld. Ich habe versucht, alle einzusetzen und mitzunehmen und das Team auch gut zu pushen“, erklärte Zuspieler Nico Haug leicht krächzend. Der Youngster, der in wenigen Tagen seinen 19. Geburtstag feiert, hatte das Herz und auch die Stimme auf dem Parkett gelassen.
Für den Moerser SC ist Rettungsplatz zehn im Optimalfall noch drin
Während sich die Schüttorfer mit ihren Fans bei den Trommeln der Vechte Ultras zum Siegerfoto postierten, blickte MSC-Coach Martin Schattenberg mit Zuversicht auf das anstehende Finish. Auch wenn den Moerser Volleyballern bei üppigem Punkterückstand nicht allzu viel Hoffnung bleibt. Schattenberg: „Wir haben jetzt die Mannschaften von unten vor der Flinte. Im Optimalfall ist Rettungsplatz zehn immer noch drin.“

Am kommenden Samstag (17 Uhr, Georg-Büchner-Gymnasium) steht bei Mitaufsteiger MLK Volleys Köln vermutlich schon das Schlüsselspiel auf dem Programm, um noch einmal heranzukommen. Klubchef Guido Lohmann setzt zumindest darauf, noch den Tabellenvorletzten Münster Volleys einzuholen, um bei einer möglichen Lizenzvergabe mit Blick auf vielleicht nicht aufstiegswillige Drittligisten bessere Karten zu haben. Doch vor dieser außersportlichen Diskussion, alljährlich von den VBL-Gremien geführt und entschieden, stehen noch sechs Punktmöglichkeiten.
MSC-Start-Sechs: Scarpi, Haug, L. Schattenberg, Petras, Bartsch, Broshog; Libero: Illmer – eingewechselt: niemand.


