Es fällt gerade extrem schwer, positive Stimmungsbilder beim TuS Lintfort auszumachen. Und mit der neuerlichen, allerdings zu erwartenden 25:36 (10:22)-Heimniederlage gegen den HC Rödertal hat die Gefühlslage einen weiteren Dämpfer erhalten. Das Glas ist dennoch eher halbvoll, als halbleer: Denn die Zweitliga-Handballerinnen von linken Niederrhein haben mit einer intakten Moral und viel Leidenschaft das sich zur Halbzeit anbahnende Debakel noch abgewendet und den Gästen aus Sachsen zumindest in den zweiten 30 Minuten die Stirn geboten.
Der TuS Lintfort liefert nach dem Seitenwechsel eine ansprechende Leistung ab
Doch die Rödertal-Bienen hatten von Beginn an für klare Verhältnisse gesorgt. Die Mannschaft war umgehend wach und bis in die Haarspitzen motiviert. Selbst die zehnstünde Anreise wegen des winterlichen Wetters hinterließ keine Spuren. Die Gäste nahmen das Heft des Handelns in die Hand – und dies mit einer durchaus beeindruckenden Art und Weise. Der TuS Lintfort hingegen fand den Einstieg ins Spiel nicht. Der Deckungsauftritt erwies sich als brüchig, hinzu kam, dass die Torhüterinnen keinen Ball an die Hand bekamen.

Auch der Lintforter Auftritt in der Offensive gestaltete sich nicht viel besser. Es fehlte die Struktur. Die Spielerinnen aus dem Rückraum rannten sich in der kompromisslos zupackenden HC-Defensive immer wieder fest. Die Gastgeberinnen bekamen klipp und klar ihre Grenzen aufgezeigt, auch weil mit Leonie Udaw die zuletzt durchsetzungsstärkste TuS-Spielerin wegen einer Sprunggelenksverletzung fehlte. Alea Mattig (verletzt) und Eva Manthei (Grippe) standen zudem nicht im Aufgebot, ebenso wie Torhüterin Anita Polackova (Gehirnerschütterung).
So haben sie gespielt
TuS Lintfort: Senanur Gün, Neele Brandt – Nathalie Corsten, Insa Weisz 3, Lynn Broders 1, Jana Willing 3, Rieke Rosner 3, Sydney Lupisella, Vakare Damuleviciute 1, Femke Kleijkers 5, Yara Vlaswinkel, Svenja Rottwinkel 9/5.
So geht es weiter: Der TuS Lintfort tritt in der 2. Handball-Bundesliga am kommenden Sonntag, den 18. Januar, um 16 Uhr beim bislang souveränen Tabellenführer HC Leipzig an.
TuS Lintfort muss gleich vier Stammspielerinnen ersetzen
Dafür ließ aber eine andere Spielerin ihre Qualitäten aufblitzen. Femke Kleijkers brachte nach ihrer Einwechslung in der elften Minute neuen Schwung in die zuvor viel zu leicht berechenbare TuS-Offensive. Die junge Niederländerin zeigte Präsenz, sorgte für die dringend benötigte Gefahr aus dem Rückraum. Sie war es auch, der dann der einzige Distanztreffer in Halbzeit eins gelang. Gleichwohl: Die Messe war mit dem Pausenpfiff bereits gelesen.

Aber mit dem Startschuss des zweiten Abschnitts ging ein sichtbarer Ruck durch die TuS-Mannschaft. Man konnte förmlich spüren, dass die Truppe mehr wollte, sich endlich besser und erfolgreicher den offiziell 332 Zuschauern zu präsentieren. Die Spielerinnen waren nun bereit, den erforderlichen „Mehraufwand“ zu leisten, kämpften in der Deckung aufopferungsvoll. Die durchaus positive Körpersprache sorgte letztendlich auch dafür, dass Rödertal für seine Torerfolge mehr leisten musste. Und auch in der Offensive war nach dem Seitenwechsel deutlich mehr Zug zum Tor zu sehen.
TuS Lintfort entwickelt nach dem Seitenwechsel endlich mehr Zug zum Tor
Die Mannschaft brachte insgesamt gesehen eine gute Energie auf die „Platte“, mit einer weiterhin prima aufgelegten Femke Kleijkers, die mutig voranging. Ebenso wie Svenja Rottwinkel, die in Hälfte zwei eine unermüdliche Antreiberin war. Auch Rieke Rosner hatte sich ein Sonderlob verdient. Sie kam als Kreisläuferin auf der ungewohnten Rechtsaußenposition zum Einsatz und erzielte drei Tore. Erfreulich war dann auch das Comeback von Kreisläuferin Lynn Broders, die nach einer monatelangen Verletzung an der Schulter wieder dem Aufgebot angehörte.

„Die Niederlage geht natürlich in Ordnung. Man muss auch mal die Klasse des Gegners anerkennen. Rödertal ist nicht unsere Kragenweite“, betonte TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein nach Spielschluss: „Aber unser Auftritt in Halbzeit eins war auch nicht gut. Ich bin jedoch mit der Reaktion nach dem Seitenwechsel zufrieden. Das gesamte Team hat sich in die Partie reingekämpft. Ein Lob an Femke und Rieke.“


