Niederlagen allein schmerzen schon genug. Was allerdings richtig nervt, ist, wenn aus schwachen Auftritten obendrein noch gesalzene Abreibungen werden. Die Zweitliga-Handballerinnen des TuS Lintfort waren zuletzt gleich dreimal chancenlos. Und dies nicht nur wegen der Stärken der Gegnerinnen, sondern auch zum Großteil, weil die erbrachten Leistungen den eigenen Ansprüchen nicht genügten. Die Mannschaft muss nun eine Reaktion zeigen – kurzfristig gesehen zumindest erst einmal in kämpferischer und läuferischer Hinsicht.

TuS-Mannschaft muss eine Reaktion zeigen – in kämpferischer und läuferischer Hinsicht

Gleichwohl bleiben die Aussichten auf eine Trendwende eher düster. Es sind noch drei Spieltage in der Hinrunde zu absolvieren. Auf das Team von Trainerin Bettina Grenz-Klein warten noch drei absolute Hammergegner: Los geht es an diesem Samstag. Dann empfangen die Klosterstädterinnen um 17.30 Uhr in der Eyller Sporthalle den Tabellenvierten HC Rödertal, eine Woche später geht es zum bislang verlustpunktfreien Spitzenreiter HC Leipzig (18. Januar) und zum Abschluss gastiert der Zweitplatzierte, die TG Nürtingen (24. Januar), am Niederrhein.

2. Handball-Bundesliga, Frauen: TuS Lintfort - Bayer Leverkusen
Der TuS Lintfort muss sich am Samstag gegen Rödertal als eine eingeschworene Einheit verkaufen.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Lintfort muss insbesondere in der Abwehr mehrere Gänge hochschalten. Es bedarf einfach mehr an Zusammenhalt, mehr an Aggressivität und Biss. Auf der einen Seite werden sicherlich zu viele individuelle Duelle verloren, aber auf der anderen Seite bekommt die jeweilige Spielerin auch zu wenig Unterstützung ihrer Mitspielerinnen. Es wird zu wenig verschoben, verdichtet oder ausgeholfen – die großen Freiräume sind dann kaum zu schließen. „Wir benötigen unbedingt mehr Struktur in der Defensive als noch am vergangenen Wochenende. Der Auftritt in Regensburg mit den 44 Gegentoren war nicht zweitligatauglich“, betont TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein.

Bettina Grenz-Klein: „Der Auftritt in Regensburg mit den 44 Gegentoren war nicht zweitligatauglich.“

Und ist die aktuelle Situation nicht schon unbefriedigend genug: Lintfort hat momentan zahlreiche personelle Probleme. Insbesondere der Ausfall von Leonie Udaw schmerzt sehr. Die 18-Jährige war zuletzt die einzige TuS-Rückraumspielerin, die mit Mut und Entschlossenheit wirklich überzeugt hat. Leonie Udaw ist in Regensburg, wo ihr elf Treffer gelangen, in einer Spielaktion ihrer Gegenspielerin unglücklich auf den Fuß getreten und dabei selbst mit dem Sprunggelenk umgeknickt.

Wir haben die Fehler gezielt angesprochen und müssen uns nun in den kommenden Wochen Stück für Stück verbessern.

Bettina Grenz-Klein, Cheftrainerin des Handball-Zweitligisten TuS Lintfort

Auch Anita Polackova ist nicht dabei. Die tschechische Torhüterin hat im jüngsten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen einen „Kopftreffer“ abbekommen, hat die daraufhin in den folgenden Tagen aufgetretenen Symptome zunächst unterschätzt, ist aktuell nicht fit genug, um gegen Rödertal zwischen den Pfosten zu stehen. Zudem sind zwei weitere Einsätze fraglich: Alea Mattig ist in Regensburg ebenfalls mit dem Sprunggelenk umgeknickt. Die Rechtsaußen hat deshalb unter der Woche nicht trainiert. Ob die 20-Jährige dabei ist, wie übrigens wie bei ihrer Mitspielerin Eva Manthei, die „grippal“ angeschlagen ist, entscheidet sich kurzfristig.

2. Handball-Bundesliga, Frauen: TuS Lintfort - Bayer Leverkusen
Über ihren Einsatz wird kurz vor dem Anpfiff entschieden: TuS-Rechtsaußen Alea Mattig.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

So oder so. Dadurch rücken vor allem die beiden Dezember-Neuzugänge mehr in den Mittelpunkt. Ob die Litauerin Vakare Damuleviciute oder die Niederländerin Femke Kleijkers – beide werden ihre Spielanteile bekommen. „Wir sind klarer Außenseiter“, so Bettina Grenz-Klein abschließend: „Ich erwarte aber dennoch von meiner Mannschaft, dass sie ein besseres Spiel als zuletzt in Regensburg abliefert. Und dies unabhängig vom Ergebnis. Natürlich lastet der Druck auf uns. Aber wir haben die Fehler gezielt angesprochen und müssen uns nun in den kommenden Wochen Stück für Stück verbessern.“ Denn beim TuS Lintfort weiß man nur zu gut: Es wartet noch eine harte und fordernde Rückrunde.

2. Handball-Bundesliga Frauen: TuS Lintfort - Rostocker HC
Auch ihr Einsatz ist wegen eines grippalen Infektes offen: Eva Manthei (rechts).© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Aber auch Rödertal steht gewissermaßen unter Druck. Die Gäste aus Sachsen kämpfen bekanntlich am anderen Ende der Tabelle. Und auch wenn der direkte Auftritt derzeit wohl in weite Ferne ist. Ab dieser Saison gibt es eine Relegation, und der Tabellenzweite kann somit noch unter Umständen durch das Hintertürchen in die 1. Bundesliga schlüpfen. Von daher darf sich Rödertal beim TuS Lintfort keinen Ausrutscher erlauben. Das HC-Team ist gespickt mit vielen guten Spielerinnen, die sich vor allem in der Defensive zum einer kampfstarken Einheit zusammenschließen. Rödertal stellt derzeit die zweitbeste Verteidigung der Liga.