Eigentlich war der Boden für einen schönen Handball-Sonntag in der Sporthalle an der Eyller Straße bereitet. Die Zweitliga-Frauen des TuS Lintfort hatten sich über die Weihnachtstage zwei Neuzugänge für den Rückraum geangelt, durften sich über 725 Zuschauer freuen und sich gegen den Tabellenletzten Bayer 04 Leverkusen in der Favoritenrolle fühlen. Doch die sportlichen 60 Minuten führten in „ein Desaster“, wie TuS-Trainerin Bettina Grenz-Klein hörbar enttäuscht zugab. Trotz des 22:33 (8:18) bleibt Lintfort zwar haarscharf in der Tabelle über dem Abstiegsstrich. Doch mit der gezeigten Leistung dürfte es verdammt schwer werden, den Zwei-Punkte-Vorsprung vor Leverkusen, Kirchhof und dem neuen Schlusslicht Buchholz-Rosengarten dauerhaft zu verteidigen.
TuS Lintfort setzt litauischen Nationalspielerin ein
Eine letztlich wirkungslose Überraschung hatten die Gastgeberinnen für die Werkselfen vor dem Anwurf im Ärmel. Die litauische Nationalspielerin Vakare Damuleviciute war kurzfristig vom Ligakonkurrenten Bergischer HC losgeeist worden. Nach nur einer Trainingseinheit kam die Rückraumspielerin am Sonntagnachmittag zwar nur punktuell zum Zug, deutete aber ihren Mehrwert fürs Team schon an. Die 21-Jährige spielte vor ihrem Sommer-Wechsel zum BHC immerhin für die HC Bad Wildungen Vipers in der ersten und zweiten Liga.

In Femke Kleijkers hat sich der TuS ein zweites Talent geangelt. Die 19-Jährige, immerhin U20-Nationalspielerin der Niederlande, kommt vom Erstliga-Zehnten Vlug en Lenig Geleen aus dem grenznahen Sittard. „Femke ist sehr gut ausgebildet und hat auch ein gutes Auge für Spielsituationen“, befindet Trainerin Bettina Grenz-Klein. Auf Dauer soll Kleijkers in der Rückraummitte Torjägerin Svenja Rottwinkel entlasten.
So haben sie gespielt
TuS Lintfort: Anita Polackova (ab 31. Min. Senanur Gün, ab 55. Min. Neele Brandt) – Alea Mattig, Sidney Lupisella (2), Vakare Damuleviciute (2), Nathalie Corsten (2), Jana Willing (2), Svenja Rottwinkel (6/3), Eva Manthei (3), Leonie Udaw (4), Insa Weisz (1), Rieke Rosner.
So geht es weiter: Am kommenden Samstag (18.30 Uhr, Dechbettener Brücke) geht es für den TuS Lintfort zum ESV Regensburg, der aktuell mit positivem Punktekonto den achten Tabellenplatz belegt.
TuS Lintfort wartet noch auf Freigabe für Femke Kleijkers
Gegen Leverkusen gab es dazu freilich noch keine Gelegenheit. Eine internationale Spielfreigabe war über die Feiertage nicht mehr zu besorgen, so dass eventuell am 3. Januar beim ESV Regensburg der erste Einsatz für die Niederländerin bevorsteht. Viel hätte ein Start des zweiten Neuzugangs am Sonntagnachmittag wohl nicht bewirkt. Von der ersten bis zur letzten Minute lieferten die Gastgeberinnen gegen ein vor allem in der Deckung bissiges Schlusslicht eine enttäuschende Partie ab.

Bis zur Mitte der ersten Halbzeit lag Lintfort schon mit 2:8 hinten. Besser wurde es danach nicht, auch wenn Trainerin Grenz-Klein zwei Auszeiten und diverse Wechsel einstreute. Klar: Der TuS stand unter Druck und wirkte nervös. „Das Grundproblem war allerdings, dass wir in vielen Eins-gegen-eins-Situationen viel zu passiv waren“, hob die TuS-Trainerin hervor. Und zählte damit vor allem die eigene Defensive an.
Zweite Halbzeit plätschert nur noch vor sich hin
Bei 8:18-Pausenrückstand war in der Kabine guter Rat natürlich teuer. „Zusammenscheißen ist nur begrenzt einsetzbar und wirksam. Wir haben nach neuen Akzenten gesucht“, erklärte Bettina Grenz-Klein hinterher. Nun könnte man vorrechnen, dass der zweite Durchgang immerhin nur mit 14:15 verloren wurde. Doch in Wahrheit hatten die Werkselfen gegen einen wenig dynamischen TuS-Angriff kaum noch etwas zur befürchten.

Die Gäste hatten sich vor allem gut auf Svenja Rottwinkel eingestellt, die als Zweitliga-Toptorschützin kaum richtig ins Spiel fand und auch einige Fehler produzierte. Rechtsaußen Alea Mattig, bislang zweitbeste Lintforterin Schützin, hatte bei fünf Fahrkarten überhaupt keinen Treffer zu verzeichnen. Auch Insa Weisz stand über weite Strecken vorn wie hinten auf dem Schlauch. Spannung kam freilich nicht mehr auf.
TuS Lintfort: Trainerin vermisst auch den Kampfgeist
„Bei zehn Toren Rückstand müsste man eigentlich das Herz mal in die Hand nehmen. So wirklich gesehen habe ich das heute aber auch nicht“, bemängelte Trainerin Bettina Grenz-Klein. Eine gewisse Dynamik versprühte Neuzugang Vakare Damuleviciute im ersten Durchgang schon. Da gelangen der Litauerin immerhin zwei Treffer. Danach wurde es bei drei Fehlwürfen aber ziemlich dünn. Bettina Grenz-Klein: „Sie hat durchaus Zug zum Tor und kann uns auf Strecke sicher helfen.“


