Dem Rausch folgte die Ernüchterung: Nach einer furiosen Anfangsphase und einer 4:0-Führung unterlag der Herner EV beim Oberliga-Auftakt am Freitag dem Topfavoriten Hannover Scorpions mit 5:9 (5:2, 0:6, 0:1). Die zahlreichen Ausfälle in der Defensive konnten die Miners auf Dauer nicht kompensieren.

Dabei hatte der HEV am Vortag personell noch einmal nachgelegt und Verteidiger Vincent Grunewald fest verpflichtet. Der 21-Jährige vom EC Bad Nauheim hatte mit einer Förderlizenz bereits alle Testspiele der Miners bestritten und bekam bei den Gysenbergern nun einen Vertrag bis zum Saisonende.

Herne überrascht schläfrige Hannover Scorpions in der Anfangsphase

„Vincent hat sich in der Vorbereitung gut präsentiert und passt auch charakterlich super in die Mannschaft. Auch bei ihm darf man nicht vergessen, dass er in der letzten Saison lange verletzt war. Wenn er ordentlich in den Spielrhythmus kommt, wird er uns extrem weiterhelfen“, so Dirk Schmitz. Dennoch musste der HEV-Trainer nach den Ausfällen von Justus Meyl, Raik Rennert und Julian Herbold mit dem gelernten Stürmer Leon Tettenborn und Förderlizenzspieler Dennis Mensch in der Verteidigung ordentlich improvisieren.

Herner EV - Hannover Scorpions
Nach sieben Minuten führte der Herner EV mit 4:0 gegen die Hannover Scorpions.© Maximilian Lazar | Maximilian Lazar

Doch die ersten Akzente setzten die Gastgeber. 1406 Zuschauer trauten ihren Augen kaum, als der HEV wie im Rausch aus der Kabine kam und den Titelfavoriten in der Anfangsphase überfuhr. Mit ihrem ersten Angriff gingen die Gün-Weiß-Roten schon nach 30 Sekunden in Führung und konterten den schläfrig wirkenden Gast immer wieder aus. Nach dem 3:0 zog Scorpions-Coach Kevin Gaudet die frühe Auszeit, doch nur wenige Sekunden später traf der HEV erneut – die Herner Fans waren aus dem Häuschen.

Wenig später deutete sich allerdings bereits an, dass die Partie so nicht weiterlaufen würde. Hannover kam schnell auf 4:2 heran, doch das letzte Wort in diesem denkwürdigen Drittel hatte der HEV. Dennis Palka traf in Überzahl zum 5:2 – glänzend in Szene gesetzt von Nick Ford und Tommy Munichiello, die damit an allen Herner Toren beteiligt waren.

Scorpions-Trainer weckt seine Mannschaft in der Drittelpause auf

Dann war Pause und in der Hannoveraner Kabine wurde Tacheles geredet. „Es war laut. Ich bin lange im Geschäft und kann mich nicht erinnern, nach sieben Minuten 0:4 zurückgelegen zu haben. Wir waren einfach nicht bereit“, erklärte Kevin Gaudet hinterher. Mit einer geharnischten Gardinenpredigt brachte er sein Team jedoch endgültig in die Spur. Die Scorpions holten Tor um Tor auf, weil der HEV in der Abwehr nicht mehr hinterherkam und zu viele Fehler produzierte.

Herner EV - Hannover Scorpions
Nach 60 Minuten durften die Hannover Scorpions den Auftaktsieg in Herne feiern.© Maximilian Lazar | Maximilian Lazar

„Wir hatten einen Plan, aber der hat leider nur 20 Minuten lang funktioniert. Wir wollten gut in der Defensive stehen und müssen daran arbeiten, dass wir das über die ganze Spielzeit hinbekommen“, meinte Dirk Schmitz. Sein Team hatte im zweiten Drittel völlig den Faden verloren und kassierte allein in diesem Abschnitt sechs Treffer – zu viele, um noch einmal heranzukommen. Am Ende verwalteten die Scorpions ihre Führung ohne große Mühe.

So haben sie gespielt

Herner EV - Hannover Scorpions 5:9
Tore: 1:0 (0:30) Munichiello (Ford/Snetsinger), 2:0 (2:57) Snetsinger (Munichiello/Ford), 3:0 (5:25) Ford (Munichiello), 4:0 (7:27) Munichiello (Snetsinger/Ford), 4:1 (8:20), 4:2 (11:44), 5:2 (19:30, 5-4) Palka (Ford/Munichiello), 5:3 (24:11), 5:4 (25:22, 5-4), 5:5 (32:54), 5:6 (35:05, 5-4), 5: 7 (38:55), 5:8 (39:45), 5:9 (50:46).
Strafminuten: Herne 10 – Hannover 8.