Es ist das Jahr eins nach Jürgen Schubert und das Jahr nach dem erstmaligen Verpassen der Playoffs in der Oberliga Nord für den Herner EV. An diesem Freitag beginnt am Gysenberg endgültig eine neue Zeitrechnung und die hat für die Miners ein knüppelhartes Auftaktprogramm parat.

Während an den im Frühjahr verstorbenen Geschäftsführer der Gysenberghallen GmbH vor der Partie gegen die Hannover Scorpions (Fr. 20 Uhr, Hannibal-Arena) noch einmal erinnert werden soll, will der HEV die unguten sportlichen Erinnerungen aus der Vorsaison mit Leistung auf dem Eis vergessen lassen. An der Außenseiterrolle der Miners gegen den Nord-Vizemeister ändert das aber erstmal nichts. Auch am Sonntag um 19 Uhr bei den Hannover Indians sind die Rollen klar verteilt.

Herner EV schon vor dem Start von Verletzungen geplagt

Zumal das Verletzungspech die Miners auch in diesem Jahr bereits vor dem Saisonstart ereilt hat. Kapitän Justus Meyl, der schon das letzte Spieljahr fast komplett verpasste, fällt für etwa sechs Wochen aus, Raik Rennert wird circa zehn Tage aussetzen müssen und Torwart Rodion Schumacher fehlt nach Vereinsangaben „bis auf Weiteres.“

Zuletzt „schaffte“ es noch Marc Hofmann auf die Verletztenliste und auch Julian Herbold wird das Auftaktwochenende verpassen. Der HEV-Verteidiger wurde nach seiner Matchstrafe im Test gegen Limburg für drei Partien gesperrt – ein weiteres Spiel wurde zur Bewährung ausgesetzt. „Das war gar nichts“, ärgerte sich Hernes Sportlicher Leiter Björn Muthmann über die Schiedsrichterentscheidung und ein Einspruch gegen DEB-Urteile bringe außer zusätzlichen Kosten meist wenig.

Herner hat auf dem Transfermarkt noch einmal nachgelegt

Aufgrund der Ausfälle ist der HEV noch einmal auf dem Transfermarkt tätig geworden und hat mit Mike Mieszkowski einen erfahrenen Außenstürmer nachverpflichtet. Der 32-Jährige absolvierte über 300 Einsätze in den beiden höchsten deutschen Spielklassen und spielte unter anderem in der DEL für Krefeld und Nürnberg. Zuletzt war er in der Oberliga für die Rostock Piranhas aktiv.

Mike Mieszkowski, Neuzugang Herner EV
Kurz vor dem Saisonstart hat der Herner EV noch Angreifer Mike Mieszkowski verpflichtet.© Bastian Horn | Bastian Horn

„Big Mike“, wie der 1,97 Meter große Stürmer auch genannt wird, wird den HEV sowohl mit seinem Scoring als auch im Körperspiel verstärken. „Mike ist ein großer und wuchtiger Spieler mit einem gewissen Scoringtouch. Ich bin froh, dass wir ihn verpflichten konnten. Er ist ein super Typ und hat sowohl auf als auch neben dem Eis eine starke Präsenz“, freut sich Björn Muthmann über den Transfer. Auch Mieszkowskis Bruder Darren und Vater Tomasz trugen in der Vergangenheit bereits die Herner Farben.

HEV sieht sich weiter als Ausbildungsverein

Die Kooperationspartner können dagegen derzeit nur begrenzt unterstützen. „Die haben selbst Verletzungsprobleme“, so HEV-Trainer Dirk Schmitz, wobei zu viele Förderlizenzspieler irgendwann auch nicht mehr hilfreich seien.

Nichtsdestotrotz versteht sich der HEV weiterhin als Ausbildungsverein und wird auch in der Szene als solcher wahrgenommen und geachtet. „Ich bekomme ständig Anrufe von Agenten, die ihre jungen Spieler bei uns unterbringen wollen“, sagt Dirk Schmitz.

An der Herner Finanzpolitik soll sich nichts ändern

Was vielleicht auch an der Finanzpolitik der Miners liegt. An der Devise aus der Schubert-Ära, nicht mehr auszugeben als eingenommen wird, wird sich laut Björn Muthmann nichts ändern und er formuliert es so: „Ich zahle lieber das letzte Gehalt als das erste.“

Das gibt uns mit unseren Verletzten etwas Zeit, bis es gegen die Vereine auf Augenhöhe geht. Was nicht heißt, dass wir die Spiele am Wochenende abschenken werden.

Dirk Schmitz, Trainer des Herner EV, mit Blick auf das Auftaktprogramm

Dass der HEV als Eishallen-Betreiber nicht jeden Euro in den Oberligakader stecken kann, liegt seit Jahren auf der Hand – auch in dieser Saison dürften die Miners das geringste Budget aller Oberligisten haben. „Allein die Kosten für die Verdichterwartung liegen im hohen fünfstelligen Bereich“, nennt Björn Muthmann nur einen wiederkehrenden Posten, den andere Vereine als Mieter ihrer Spielstätte nicht einpreisen müssen.

Herner EV kommt das schwere Auftaktprogramm sogar entgegen

Das schwere Auftaktprogramm empfindet Dirk Schmitz nicht unbedingt als Nachteil. „Das gibt uns mit unseren Verletzten etwas Zeit, bis es gegen die Vereine auf Augenhöhe geht. Was nicht heißt, dass wir die Spiele am Wochenende abschenken werden“, verspricht er den Hannoveraner Clubs zwei heiße Tänze.

Während es am Sonntag am Pferdeturm wie immer auch gegen über 3000 Heimfans gehen wird, setzt der Freitagsgegner des HEV nach dem erneut verpassten Aufstieg ganz auf Routine. Nur vier Spieler aus dem 20-köpfigen Aufgebot sind jünger als 30 Jahre – insgesamt liegt der Altersdurchschnitt der Wedemarker bei 32,15 Jahren.