Die Triathlon-Welt schaute am Wochenende gebannt einmal mehr aufs kleine fränkische Städtchen Roth - über 300.000 Fans entlang der Strecke bei der „Challenge“ über die Langdistanz (3,86 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen) sorgten am Sonntag für einen Zuschauer-Rekord. Vor allem für die deutschen Aktiven war es ein enorm erfolgreicher Wettkampf - bei den Männern landeten mit dem früheren Wittener Bundesliga-Starter Jonas Schomburg (2.), der sehr lange vorn gelegen hatte, und dem Hattinger Jan Stratmann (PV Triathlon TG Witten) als Drittplatziertem gleich zwei deutsche Profis auf dem Siegerpodest.

„Das war insgesamt ein großartiger Wettkampf, die Stimmung war überwältigend - und natürlich bin ich mit meinem Ergebnis erstmal zufrieden“, gab Jan Stratmann zu Protokoll. Im vergangenen Jahr war er als Vierter noch recht knapp am Podium gescheitert, diesmal konnte er sein Vorhaben beim am Ende klaren Sieg des Franzosen Sam Laidlow (7:29,35 Stunden) in die Tat umsetzen. Nach 7:37,59 Stunden lief der 30-Jährige unter dem stürmischen Jubel der Triathlon-Fans durchs Ziel, kassierte kurz darauf gleich die obligatorische Bierdusche. Auf dem Podium gab‘s später dann auch noch eine satte Sektdusche. „Die Klamotten haben dann echt übel gerochen, die konnte ich wegschmeißen“, flachste der Triathlet.

Auch interessant

Durch einen Rad-Defekt nach einem Sturz verliert Hattinger rund zwei Minuten

Früh am Morgen (um 6.30 Uhr) erfolgte der Startschuss für die Triathlon-Profis. „Das Schwimmen ist richtig gut für mich gelaufen“, so Stratmann über die erste der drei Teildisziplinen. Dabei fand sich im Main-Donau-Kanal eine Vielzahl von Hochkarätern und Spezialisten wieder - „zusammen zu schwimmen mit Vincent Luis, der früher mein Idol war, oder Henri Schoeman, das war schon besonders. Das sind die Besten der Szene“, erklärte Jan Stratmann, der inzwischen in Hennef lebt und den bei der Challenge in Roth nicht nur seine Frau Lea, sondern auch viele weitere Freunde und Verwandte anfeuerten.

Als sich nach einem brutal schnellen Wechsel der bisherige Kurzdistanz-Spezialist Jonas Schomburg zu Beginn der 180 Rad-Kilometer gleich mal merklich absetzte, wollte Stratmann die Verfolgung aufnehmen. „Aber irgendwie hat niemand sonst mitgearbeitet.“ So wurde es dann für den baumlangen Modell-Athleten „ein ziemlicher Kampf“ auf seinem Rad.

Mehr zum Sport in Hattingen & Sprockhövel

Triathlon Challenge Roth
Erschöpftes, aber erfolgreiches Trio: Nach der Challenge in Roth über die Langdistanz durften sich die beiden Deutschen Jonas Schomburg (li.) und Jan Stratmann (re.) mit Gewinner Sam Laidlow aus Frankreich feiern lassen.© Daniel Karmann/dpa | Daniel Karmann

Natürlich muss man es auch mal schaffen, zufrieden zu sein. Aber bei diesem Rennen ist trotz Platz drei so viel schiefgegangen, das war schon verrückt.

Jan Stratmann (30),, Triathlon-Profi aus Hattingen, nach der Challenge in Roth

Bald schon kristallisierte sich heraus, wer an diesem Tag für die Entscheidung infrage kam. Hinter Schomburg platzierten sich Sam Laidlow und dessen Landsmann Vincent Luis, nicht weit dahinter folgte schon Jan Stratmann. Der aber musste erstmal ein ärgerliches Malheur wegstecken. „Am Solarer Berg bin ich beim Durchfahren des Zuschauer-Pulks irgendwie hängengeblieben und dann gestürzt.“ Resultat war ein glücklicherweise reparabler Defekt am Hinterrad des Hattingers, „die Kette steckte regelrecht fest im Rahmen“, berichtete Stratmann. Bis er das wieder ohne fremde Hilfe gerichtet hatte, gingen ihm rund zwei Minuten verloren. „Man fragt sich ja nach so einem Rennen immer, was gewesen wäre, wenn“, sinnierte der 30-Jährige. Möglich, dass ihn dieses Problem später Rang zwei kostete.

Mit seinem abschließenden Marathon (2:40,52 std.) konnte er jedenfalls vollauf zufrieden sein. Zwischenzeitlich sah es schon mal so aus, als würde er den drittplatzierten Vincent Luis einholen, „aber er fing sich dann noch mal und setzte sich wieder ab.“ Das war bei Kilometer 35. Allerdings bekam der Franzose, zweimaliger Kurzdistanz-Weltmeister, zunehmend Probleme - und die nutzte Jan Stratmann. „Mein Trainer Björn Geesmann hat mich von draußen irgendwann dermaßen angeschrien, da habe ich noch mal Gas gegeben, das hat mich gepusht.“ Bei Kilometer 40 schließlich stellte er den 36-jährigen Luis, sprintete leicht an ihm vorbei und sicherte sich damit Rang drei und seinen ersten Podiumsplatz bei der Challenge in Roth.

Triathlon Challenge Roth
Da wurde es ganz schön eng: Am Solarer Berg werden die Triathlon-Asse (vorne Jan Stratmann; hier in der ersten Rad-Runde) zwischen zahllosen Fans in Sachen Gleichgewicht auf die Probe gestellt.© Daniel Karmann/dpa | Daniel Karmann

Mehr Artikel, Fotos, Videos

Alles zum Sport in Hattingen & Sprockhövel lesen Sie hier

Zur Facebook-Gruppe zum Fußball in Hattingen und Sprockhövel geht es hier

Unsere Instagram Seite @waz_amateurfussball finden Sie hier

Mehr zum Sport

Weitere Berichte aus dem Lokalsport in Witten lesen Sie hier

Vorbereitung auf Weltmeisterschaft am 14. September in Nizza

„Natürlich muss man es auch mal schaffen, zufrieden zu sein“, wurde Stratmann trotz des Glücksgefühls in Bayern ein wenig nachdenklich. „Bei diesem Rennen ist so viel schiefgegangen, das war schon verrückt.“ Jetzt aber gilt es für ihn, den Fokus voll und ganz auf die Weltmeisterschaft am 14. September in Nizza zu richten. Einen Jan Stratmann wird die internationale Konkurrenz nach dem jüngsten Auftritt dort gewiss im Blick haben.