Die Szene könnte ohne weiteres für einen Bierwerbespot übernommen werden: Um 23:07 Uhr fliegt die Tür zum VIP-Container auf. Schalke-Stürmerin Mandy Islacker schleppt zusammen mit einer Teamkollegin eine Kiste Veltins herein, pustet einmal kurz durch - und setzt die Kiste dann deutlich hörbar auf dem Boden ab. Die Flaschen klirren. Kurz darauf richten sich die Blicke nicht auf das hochgeschleppte Bier, sondern auf den Laptop von Boris Liebing. Der Mann, der bei Schalke für den Fußball der Frauen zuständig ist, schaut sich eine Stunde nach Spielschluss zusammen mit Mandy Islacker, Jolina Opladen & Co. die Highlights des Pokalspiels gegen Borussia Dortmund an.
Ex-Nationalspielerin Islacker schlüpfte bei den Königsblauen wieder einmal in die Rolle der absoluten Leistungsträgerin. Islacker bereitete beim 2:1 (2:1) im Zweitrunden-Westfalenpokalspiel gegen den BVB das Führungstor durch Jolina Opladen (23.) vor und erzielte kurz vor der Halbzeit das 2:1 (45.). Islacker wollte sich den Erfolg aber nicht ans eigene Revers heften, sondern zeigte sich erneut als absolute Teamplayerin. „Es war“, stellte die Olympiasiegerin fest, „eine extreme Mannschaftsleistung von uns.“

Schalke verteidigt Führung trotz Verletzungen und Dortmunder Druck
In den Schlussminuten schmissen sich die Schalker Spielerinnen in sämtliche Bälle, die Regionalligist Borussia Dortmund in den Strafraum feuerte. Das vermeintliche Dortmunder 2:2 fand kurz vor Schluss wegen einer Abseitsstellung keine Anerkennung. Schalke holte die letzten Reserven aus dem Tank und konnte auch die verletzungsbedingten Auswechslungen von Islacker, Nele Schmidt (beide Oberschenkel-Probleme) und Pauline Dallmann (Schwindel) kompensieren.
Schalke-Frauen besiegen BVB im vierten Derby erstmals
Stefan Colmsee, Trainer von Westfalenliga-Spitzenreiter Schalke 04, stellte nach dem vierten Vergleich mit der ersten BVB-Frauen-Mannschaft fest: „Das war jetzt das 04. Derby gegen Borussia Dortmund - und wir haben den ersten Sieg geholt. Das passt. Allerdings hätte ich auch die drei Spiele davor gerne gewonnen.“
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Colmsee hatte in den letzten Minuten fast keine Stimme mehr. Immer wieder brüllte er seinen Spielerinnen „Kommt, Schalke“ und „Verteidigen, Schalke“ entgegen. Nach dem Schlusspfiff spurtete der S04-Coach mit seinem Staff freudestrahlend über den mit Reif überzogenen Rasen des Parkstadions. „Derbysieger, Derbysieger“, schallte es vom Spielfeld auf die Ränge - und zurück.
Colmsee lobt Teamgeist und Einsatz seiner Spielerinnen
„Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft. Das war eine Topleistung. Alle waren fokussiert und voll da. Die Spielerinnen haben genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Gerade in der Schlussphase hat man gesehen, dass die Mädels ihr Herz und ihre gesamte Energie auf dem Platz gelassen haben. Aber ehrlich gesagt: Ich bin auch einfach durch nach dem Spiel“, meinte Stefan Colmsee sichtlich platt, aber auch überglücklich.

Emotionen pur: Colmsee feiert Derbysieg mit Team und Fans
Der ehemalige Resser jubelte gemeinsam mit dem Team vor der begeisterten Fans, die immer wieder „Derbysieger“-Rufe anstimmten. Colmsee: „Das war einfach Gänsehaut, diese Emotionen zu erleben. Ich habe selbst früher für Schalke gespielt. Das ist etwas ganz Besonderes, hier arbeiten zu dürfen. Es war einfach schön, dass wir unsere Fans begeistern konnten.“


