Fast 5000 Zuschauer waren an die Hafenstraße gekommen, um die SGS Essen gegen den alten und wohl auch neuen Meister der Frauenfußball-Bundesliga zu sehen. Es war eine neue Bestmarke, die der Verein damit gegen den FC Bayern setzte.
Über allzu viel Spannung durften sich die Fans allerdings nicht freuen. Denn die Gäste machten vom Anstoß an ernst: Nach neun Minuten führte der FCB bereits mit 2:0 und spielte in Überzahl, weil Essens Kapitänin Jacqueline Meißner nach einer Notbremse Rot sah. Für die Essenerinnen musste es sich wie ein Horrorfilm angefühlt haben. Und nicht nur sie wird im nächsten Spiel fehlen.
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Immerhin stemmten sich die Essenerinnen auch in Unterzahl gegen die unvermeidbare Niederlage, die mit 0:5 letztlich klar ausfiel. „Wann war die Rote Karte?“, wollte SGS-Trainerin Heleen Jaques wissen, bevor sie nach Spielende vor die Presse trat. Der Grund lag auf der Hand: „Da war das Spiel entschieden.“
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Allerdings ließ sich ihre Mannschaft das auf dem Rasen nicht anmerken. Denn es gab durchaus schon Spiele in dieser Saison, in denen sich die SGS angesichts einer sich anbahnenden Niederlage aufgab. Dazu gehört das 0:8 in der Hinrunde gegen den VfL Wolfsburg. Doch diesmal wehrten sich die Gastgeberinnen nach Kräften. Schließlich könnte das Torverhältnis im Abstiegskampf noch eine wichtige Rolle spielen.
„Ich bin stolz auf die Mädels“, lobte deshalb auch Jaques. „Sie sind 80 Minuten gegen den Ball gelaufen, haben die Wege füreinander gemacht und alles auf dem Platz gelassen, was sie hatten.“ Gegen den FC Bayern in dieser Form reicht das aber nicht aus. Denn schon in den Anfangsminuten machten die Gäste deutlich, dass sie in Essen nichts anbrennen lassen wollten. Mit der gesamten Mannschaft drückten sie die SGS tief in die eigene Hälfte. Schönebeck konzentrierte sich darauf, dass Zentrum zu schließen, wodurch Gwinn auf rechts etwas Raum bekam. Ihre maßgenaue Hereingabe verarbeitete Harder mit einem Kontakt zur frühen Führung (4.).
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Der nächste Rückschlag für die SGS folgte prompt: Nach acht Minuten waren die Essenerinnen in Unterzahl. Nach einem Steckpass von Stanway kam Kapitänin Jacqueline Meißner gegen Kett zu spät. Es war eine klare Notbremse. Doch es kam noch schlimmer für die Gastgeberinnen: Meißner war gerade vom Platz, da flog der Freistoß herein. Gilles bediente Dallmann, und die Ex-Essenerin nickte ein zum 0:2 (9.). „Dann war es schwierig, aber die Mädels haben gut durchgezogen, um zumindest ein gutes Ergebnis zu erreichen“, erklärte Jaques. Mit anderen Worten: Es ging um Schadensbegrenzung.
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Dafür beorderte sie Laura Pucks aus dem Sturmzentrum in die Innenverteidigung. Und tatsächlich gelang es der SGS, das eigene Tor zu verteidigen. Ein Schuss von Stanway (18.) sowie eine Bogenlampe von Dallmann, die sich tückisch auf das Tornetz senkte (45.), waren die einzigen beiden Möglichkeiten, die sich der FCB noch im ersten Durchgang erspielte. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das: Denn der FCB ging jetzt aktiver auf das dritte Tor. Nach einer präzisen Flanke von Simon auf Caruso fehlte nicht viel, doch SGS-Torfrau Luisa Palmen lenkte den Ball noch mit den Fingerspitzen über die Latte (57.).
Kurz darauf war es Dallmann, die sich an der Strafraumkante durchsetzte und mit links abschloss. Der Pfosten rettete für die bereit geschlagene Palmen (62.). Mittlerweile spielte die SGS eine Stunde in Unterzahl und hielt weiterhin das 0:2. Allerdings merkte man, wie anstrengend dieses Spiel für Kopf und Beine war. Und so gelang es in den letzten 20 Minuten nicht mehr so gut, die Räume zuzulaufen. Und das nutzte der FC Bayern eiskalt aus. Zunächst in Person von Harder, die von Maike Berentzen im Strafraum gefoult wurde und den anschließenden Elfmeter selbst verwandelte (67.).

Drei Minuten später war es Simon, die auf dem linken Flügel zu viel Platz hatte. Den nutzte sie für eine präzise Hereingabe, die Padilla-Bidas zum 0:4 verwertete (71.). Es war die spiegelverkehrte Kopie vom ersten Treffer. Einmal legten die Gäste noch nach – und zeigten dabei ihre ganze Klasse. München kombinierte sich über den gesamten Platz und ließ den Essenerinnen durch das Direktspiel gar keine Chance, überhaupt in den Zweikampf zu kommen. Die Flanke auf den zweiten Pfosten leitete Ballisager perfekt weiter auf Imade. Mit einem unhaltbaren Aufsetzer sorgte sie für den Schlusspunkt der Partie (89.).
Jaques aber wollte den Blick gleich wieder nach vorn richten. Denn der FC war für die SGS kein Gradmesser. Am kommenden Wochenende geht es nach Bremen. Und dort muss die Trainerin vor allem defensiv umbauen. Neben Meißner wird auch Paula Flach nach ihrer fünften gelben Karte gesperrt fehlen.


