Sieben Jahre musste die Fußball-Bundesliga der Männer ohne den einstigen „Dino“ auskommen, bei den Frauen dauerte es gar 13 Jahre, nachdem das Team einst aus Spargründen aus Deutschlands Beletage zurückgezogen wurde. Nun ist der Hamburger SV zurück in beiden Bundesligen, und es kam im Stadion an der Hafenstraße zum Wiedersehen: Die SGS Essen empfing die HSV-Frauen zum ersten Heimspiel der neuen Saison, das mit einem Gefühl der Ernüchterung endete. 0:0 hieß es am Ende der intensiven und von vielen Verletzungs-Pausen geprägten Partie. Da war mehr drin für die SGS - doch es hätte auch böse enden können.
Als eine Mischung aus „schade“ und „den Punkt nehmen wir“, beschrieb Trainer Thomas Gerstner seine Gefühlslage. Schließlich war am Samstagmittag alles bereit für einen fulminanten Heimauftauftakt im Essener Stadion: Die Sonne schien, knapp 2000 Zuschauer waren vor Ort und schwenkten lila-weiße Fahnen, die Mannschaft und das neue Leoparden-Maskottchen Lia wurden mit Applaus empfangen. Nur mir dem ersten Saisonsieg sollte es nichts werden. Nicht einmal das erste Tor wollte fallen. Letztmals stand die SGS vor 20 Jahren nach zwei Spieltagen ohne eigenen Treffer da. Die Essenerinnen stehen im unteren Tabellendrittel der auf 14 Teams aufgestockten Bundesliga. Ein ernüchternder Start.

SGS Essen gegen Hamburger SV: Viele Verletzungsunterbrechungen
Einen besseren Spielaufbau, mehr Pässe und mehr Strafraumszenen hatte Essens Teamchef Robert Augustin gesehen, doch auch der letztjährige Co-Trainer musste zugeben: „Leider reichte auch das nur für ein Unentschieden.“ Dabei hatte es an Chancen nicht gemangelt: Bei zwei vielversprechenden Freistößen in der ersten Halbzeit wurden falsche Entscheidungen getroffen, weitere Strafraumszenen scheiterten an mangelnder Pass- und Schussgenauigkeit. „Dominant“ wäre das falsche Wort, aber die SGS war in den ersten 45 Minuten zumindest spielbestimmend und hatte die besseren Chancen gegen den Aufsteiger. Doch richtig zwingend war das alles nicht.
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„Hamburg hat auch nicht gespielt wie ein Aufsteiger“, befand SGS-Trainer Gerstner und der 58-Jährige hatte recht: Die HSV-Frauen waren athletisch, physisch und spielten mit zunehmender Spieldauer immer selbstbewusster. In der Vorwoche hatten sie so dem großen VfL Wolfsburg ein Remis abgeknöpft. Zu Beginn der zweiten Halbzeit geriet die SGS dann auch prompt ins Schwimmen und wären die Norddeutschen bei ihren zwei Großchancen binnen zwei Minuten kaltschnäutziger gewesen, hätte der Tag da bereits ein böses Ende nehmen können. Sicher, es fehlte eine Beke Sterner bei der SGS. Die Abwehrspielerin hatte sich in der Vorwoche in ihrem 100. Bundesligaspiel in Frankfurt nach wenigen Sekunden einen Bänderriss zugezogen. Es fehlte insgesamt aber auch an Spritzig- und Kaltschäutzigkeit. Nicht alle Essenerinnen überzeugten mit einem solchen Kampfgeist wie Kapitänin Jacqueline Meißner, die selbst nach drei Behandlungspausen am Spielfeldrand überall zu finden war - in der angestammten Abwehrposition und bei Kontern ganz vorne. Und wahrhafte Großchancen wie der Latten-Kopfball von Paulina Platner (71.) waren Mangelware.
Kommenden Samstag geht es zu Union Berlin. Wieder ein Aufsteiger, erneut ein Traditionsverein, zumal einer, der zu den meistbesuchten Frauenklubs in Europa gehört. Es wird laut werden in der Hauptstadt - und der Druck für die SGS sicher nicht geringer.


