Die SGS Essen kassiert zum Saisonauftakt in der Frauenfußball-Bundesliga einen herben Stimmungsdämpfer: Nach einer vielversprechenden Vorbereitung und einer spürbaren Aufbruchsstimmung bekommt die Elf von Neu-Teamchef Robert Augustin bei Eintracht Frankfurt die Grenzen aufgezeigt und verliert auch in der Höhe verdient mit 0:5 (0:3).
Der Dritte der Vorsaison war für die SGS sicher nicht der Gradmesser. Doch die Partie zeigt, dass die Essenerinnen noch viel zu tun haben. Insbesondere in der Defensive deckte die Eintracht schonungslos Schwächen auf.
Erster SGS-Schock schon nach wenigen Sekunden
Den ersten Nackenschlag musste die SGS bereits nach wenigen Sekunden verkraften: Beke Sterner verletzte sich im Zweikampf mit Lührßen. Sie wurde lange behandelt, letztlich ging es aber nicht mehr weiter. „Das war ein maximal unglücklicher Start. Es hat uns den Schwung geraubt, weil wir uns nach der Unterzahl erst finden mussten“, monierte Augustin. Frankfurt hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Essener Hälfte eingenistet. Nach einer Ecke kam Senß im Rückraum zum Abschluss, der zur Vorlage für Anyomi geriet. Ihr Abschluss brachte aber noch keine Gefahr (11.).

Die SGS war fast nur mit Abwehrarbeit beschäftigt. Und Teamchef Augustin dürfte sich bestätigt gefühlt haben, anstelle von Natasha Kowalski auf die defensivere Vanessa Fürst im Zentrum gesetzt zu haben. Sie war es auch, die nach einem Zuspiel von Leonie Köpp umschaltete und auf der Höhe des Elfmeterpunkts auf Laureta Elmazi querlegte. Doch die Angreiferin wagte nicht den direkten Torschuss und verlor den Ball beim Versuch, ihn sich auf den stärkeren rechten Fuß zu legen (22.). „Da hat der Mut gefehlt“, bemerkte Augustin.
Gebrauchter Abend für Essens Laura Pucks
Praktisch im Gegenzug gerieten die Gäste auf die Verliererstraße: Reuteler spielte einen langen Ball auf Anyomi, von der Essens Laura Pucks nur die Rücklichter sah. Die Nationalspielerin umkurvte SGS-Torfrau Kim Sindermann und schob zur 1:0-Führung ein (24.). Speziell für Pucks war es ein Abend zum Vergessen: Nach einem Ballverlust im Aufbau war Anyomi auf dem Flügel durch und bediente Freigang im Rückraum. Doch die Frankfurterin setzte den Ball aus sechs Metern über den Querbalken. Das hätte das 2:0 sein müssen (29.).
Als Vorbereiterin machte sie es besser: Wieder war es Pucks, die mit einem kapitalen Fehlpass Frankfurt ins Spiel brachte. Freigang bediente Reuteler, die SGS-Torfrau Sindermann umkurvte und das überfällige 2:0 erzielte (34.). Sindermann, die im Essener Kasten den Vorzug vor Luisa Palmen erhielt, war chancenlos. Beim Schuss von Riesen konnte sie sich zwar auszeichnen (39.), musste aber vor der Pause noch ein drittes Mal hinter sich greifen. Ilestedt traf nach einer Ecke zum 3:0 (45.). Mit 10:0-Torschüssen für die Gastgeberinnen waren es zu diesem Zeitpunkt.
SGS Essen findet nach der Pause besser ins Spiel
„Frankfurt hat unsere Fehler im Stile einer Spitzenmannschaft ausgenutzt“, haderte der Teamchef, der nach der Pause eine Steigerung seiner Elf sah: „Da waren wir mehr oder weniger auf Augenhöhe.“ Nach Zuspiel von Köpp kam Elmazi auch zum ersten Abschluss der SGS. Allerdings konnte Eintracht-Torfrau Altenburg ihren Versuch aus spitzem Winkel entschärfen (59.). Frankfurt erhöhte die Schlagzahl in der Folge wieder, war aber nicht mehr so zwingend wie vor dem Seitenwechsel.
Zumindest bis zu einem Geistesblitz von Senß: Ihren Schnittstellenpass nutzte Reuteler zu ihrem zweiten Treffer (69.). Die Eintracht hatte noch nicht genug: Gräwe bediente Chiba, die von Essens Pucks mit beiden Armen bearbeitet wurde. Den fälligen Elfmeter verwandelte sie selbst (81.). Es war der Schlusspunkt einer Partie, die offenbarte, dass die SGS vor den Duellen gegen die direkte Konkurrenz einen neuen Schwerpunkt hat: die Fehler in der Defensive abzustellen.
So haben sie gespielt
Eintracht Frankfurt - SGS Essen 5:0 (3:0)
Tore: 1:0 Anyomi (22.), 2:0 Reuteler (34.), 3:0 Ilestedt (45.), 4:0 Reuteler (69.), 5:0 Chiba (81.).
SGS: Sindermann – Flach, Pucks, Meißner (52. Kowalski), Ostermeier – Fürst, van Belle (77. Debitzki), Feldkamp (77. Bäcker) – Maier (77. Berentzen), Elmazi, Sterner (14. Köpp).
SGS Essen bei Eintracht Frankfurt: der Live-Ticker

SGS Essen: Die Infos vor dem Spiel
Die Vorfreude ist schon lange da, nun wird es ernst: Die Fußballerinnen der SGS Essen starten an diesem Freitag in die neue Saison der Frauen-Bundesliga. Größere Liga, neuer Trainer, einige neue Spielerinnen - es wird spannend, wenn der erste Anpfiff der neuen Spielzeit um 18.30 Uhr im Stadion Am Brentanobad bei Eintracht Frankfurt erfolgt.
Erstmals spielen in der Frauen-Bundesliga 14 statt zuvor 12 Teams um Punkte. Nach dem Abstieg des früheren Serienmeisters Turbine Potsdam ist die SGS Essen als einziger reiner Frauenfußball-Verein mit dabei. Für die Aufsteiger Hamburger SV und den 1. FC Nürnberg geht es primär um den Klassenverbleib, während Union Berlin bei seiner Bundesliga-Premiere deutlich mehr zugetraut wird.
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Unter dem neuen Gespann mit Teamchef Robert Augustin, dem Sportlichen Leiter Thomas Gerstner und der ganz frisch zum Team gestoßenen Co-Trainerin Jessica Wissmann scheinen die Essenerinnen bereits gefestigt zu sein. Acht Siege in acht Spielen gelangen in der Vorbereitung. Und der von Augustin versprochene Offensivfußball ist bei 29 Treffern bereits erkennbar. Als Abstiegskandidat geht die SGS jedenfalls nicht in ihr 22. Erstliga-Jahr.


