Die Krise der Moskitos Essen in dieser Sommerpause hat ihren Höhepunkt erreicht: Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hat den „Mücken“ die Oberliga-Zulassung für die neue Saison verweigert. Die Schock-Nachricht traf den Verein am Donnerstag - zumindest mit Blick auf den Zeitpunkt - aus dem Nichts. Erst eine halbe Stunde vor der Veröffentlichung der Meldung erfuhren die Essener Verantwortlichen von dem Oberliga-Aus.

Am Freitagabend äußerte sich der Moskitos-Vorsitzende Thomas Böttcher in einer ersten ausführlichen Stellungnahme zu dem Thema. Satte elf Minuten und acht Sekunden ist das Video lang, in dem der 60-Jährige die Verantwortung von sich weist und zum Rundumschlag ausholt – sogar gegen die eigenen Fans.

„Wir haben in den letzten Wochen alles versucht, um die geforderten Bedingungen zu erfüllen. Diese Entscheidung ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagt Böttcher zur Nichtzulassung. Man werde jetzt prüfen, wie aussichtsreich ein Einspruch sei und wie ein Alternativ-Szenario in der Regionalliga aussehen könnte.

Moskitos Essen: Thomas Böttcher zieht dramatisches Fazit

Böttchers dramatisches Fazit mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre: „Mit dem Wissen von heute hätten wir im Frühjahr 2020 einfach den Verein dichtmachen müssen“, erklärt Böttcher. „Das ist die Konsequenz aus den vergangenen fünf Jahren.“

Auch interessant

Immer wieder hätten die Verantwortlichen Altlasten tilgen, alte Löcher aus der Vergangenheit stopfen müssen. Schon Anfang des Jahres hatte Böttcher in einem Interview mit dieser Redaktion davon gesprochen, die Probleme seien „auf ihn zugerollt“ - ein klarer Schnitt wäre zu Beginn seiner Amtszeit im März 2020 die bessere Entscheidung gewesen.

Selbstkritik äußert er in dem Video nicht, für die schlechte wirtschaftliche Lage des Vereins seien andere verantwortlich. „Letztendlich trifft uns für den Zeitraum 2015 bis 2020 keinerlei Schuld.“ Böttcher holt zum Rundumschlag aus:

  • Gegen die ehemaligen Vorstände und Aufsichtsräte aus den Jahren 2015 bis 2020: „Hätten in diesem Zeitraum die Aufsichtsräte ordnungsgemäß und satzungskonform gearbeitet und die ganze Situation, die Zahlen und die Vorstände geprüft, wäre diese Situation in dieser Form nie entstanden. Diese ganzen Altlasten, wo jetzt noch die Sozialversicherungsbeiträge zukommen, haben tatsächlich die alten Aufsichtsräte und Vorstände zu verantworten.“
  • Gegen die kritischen Stimmen in den sozialen Netzwerken: „Ich habe immer transparent agiert, wir haben seit Monaten die gesamte Situation offen benannt. Wir sind seit Monaten im Austausch mit der Politik, um nach Lösungen zu suchen. (…) Deshalb kann ich viele Vorwürfe überhaupt nicht nachvollziehen. Vielleicht auch einfach nochmal drüber nachdenken, was ihr da schreibt und wie ihr kommentiert. Jeder kann mich für irgendwas verantwortlich machen, aber nicht für diese Dinge, die ausschließlich aus dem Zeitraum 2015 bis 2020 resultieren.“
  • Gegen die eigenen Mitglieder und Fans, obwohl sie in den vergangenen Monaten auf verschiedensten Wegen spendeten und den Verein in der finanziellen Notlage unterstützten: „Auch die Mitglieder hätten ja in der Zeit (2015 bis 2020, Anm. d. Red.) darauf aufmerksam machen können, dass es über Jahre hinweg überhaupt keine Mitgliederversammlung, Kassenprüfung, etc. gab. Da hätten die Vereinsmitglieder auch den Vorstand und den Aufsichtsrat uneingeschränkt in die Verantwortung nehmen müssen. Auch das ist von Seiten der Mitglieder nicht passiert.“

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Instagram, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Moskitos Essen: So lief die Lohnsteuernachzahlung an das Finanzamt

Dazu gibt Böttcher aber auch Einblicke, wie kritisch die Lage in den vergangenen Monaten und Jahren war: Insgesamt fast 800.000 Euro an Verbindlichkeiten stemmten Böttcher und Co. demnach seit 2020. Der Knackpunkt war dann die Nachzahlung im Rahmen der Lohnsteueraußenprüfung Mitte November des vergangenen Jahres. Rund 150.000 Euro mussten die Moskitos damals an das Finanzamt nachzahlen. „Hätten wir die Zahlungen damals nicht ordnungsgemäß und fristgerecht geleistet, hätte es die Moskitos einen Tag später nicht mehr gegeben“, betont Böttcher.

Lesen Sie auch

Priorität habe immer der Stammverein gehabt, weil er der Oberliga-Lizenznehmer ist – das hätten auch der DEB und dessen Justiziare den Moskitos damals deutlich gemacht. Doch wie sammelten die „Mücken“ im November die sechsstellige Summe ein? „Dann sind wir hingegangen und haben Verträge mit Sponsoren unter Berücksichtigung von Compliance auf den e.V. umgeschrieben, damit die kompletten Summen auf den e.V. übergegangen sind, um ausschließlich den eingetragenen Verein zu retten“, sagt Böttcher.  

Moskitos Essen - Bad Tölz
Eine Szene aus dem bislang letzten Oberliga-Heimspiel der Moskitos Essen am Westbahnhof: Ralf Rinke (vorne) bejubelt den Sieg im Playoff-Achtelfinale gegen die Tölzer Löwen.© FUNKE Foto Services | Jonas Richter

Durch die auf den Stammverein umgeschriebenen Sponsorenverträge fehlte der Spielbetriebsgesellschaft eine große Summe – die Hauptursache für den Insolvenzantrag im April dieses Jahres neben zusätzlichen Kosten für nachträgliche Spielerverpflichtungen, Eishallen-Reinigung, Brandwache und Sicherheitsdienst.

Der DEB sei vollumfänglich informiert gewesen. Böttcher weist die Verantwortung von sich, für die aktuelle Situation sei ausschließlich die Lohnsteuernachzahlung ursächlich. Korrekt sei allerdings, dass die Essener die Spielbetriebsgesellschaft nicht ordnungsgemäß beim Verband angemeldet haben.