Glücklich schätzen darf sich im Sport, wer weiterentwickeln darf. Denn oftmals macht einem der Umstand einen Strich durch die Rechnung, dass der Kader ein Stück weit wegbricht, auf den man hätte aufbauen können und wollen. So auch beim Basketball-Zweitligisten (Pro B) ETB Miners, der nach Platz vier als Aufsteiger nun vor seiner zweiten Saison steht.

Aber schon jetzt ist klar: Es stehen vor allem einige Eckpfeiler nicht mehr zur Verfügung. So wird Center Dzemal Selimovic nach drei Jahren und dem Aufstieg in die Pro B nicht mehr für die Miners auflaufen. Eine bewusste Entscheidung gegen einen der stärksten Center der Liga, doch intern dürfte es geknarzt haben. Selimovic galt – auch aufgrund von beruflichen und familiären Verpflichtungen – nicht als Trainingsbester, fehlte (zu) oft. Das muss eine Kabine mittragen wollen. Der Verein hat sich nun aber dazu entschieden einen strikteren Weg zu gehen. Ebenfalls nicht mehr in Essen: Tim Schneider und Sam Mpacko.

Geht in die Pro A zu den Tigers Tübingen: Miners-Topspieler Isaiah Sanders.
Geht in die Pro A zu den Tigers Tübingen: Miners-Topspieler Isaiah Sanders.© FUNKE Foto Services | Vladimir Wegener

ETB Miners: In Isaiah Sanders geht der beste Mann

Besonders schmerzhaft – wenn auch nicht überraschend: die Abgänge von Brian Dawson, den es wohl zu einem Ligakonkurrenten zieht, und von Isaiah Sanders, der verdientermaßen in der Pro A anheuert (Tigers Tübingen). „Mir war klar, dass Isaiah die Pro B dominieren wird“, so Raphael Wilder, Sportlicher Leiter der Miners. „Ich habe ihm damals den Vorschlag gemacht einen Schritt zurück in die Pro B zu gehen (Sanders kam vom Pro A-Ligisten Nürnberg, Anmerkung der Redaktion), um dann durchzustarten. Und ich habe ihm versprochen, ihm auch nach der erfolgreichen Saison dabei zu helfen, seinen Weg zu gehen.“ Gesagt – getan.

Zwei Abgänge, die aber auch erneut dokumentieren, dass man in Essen mit Sportchef Raphael Wilder und Headcoach Lars Wendt Spieler entwickeln und vorbereiten kann auf neue Herausforderungen. Und weil dies – zusammen mit gehaltenen Versprechen – in Basketball-Deutschland durchaus die Runde macht, hat man bei anderen interessanten Spielern wieder eine Chance, sie für sich zu gewinnen.

ETB Miners: „Mein absoluter Wunschspieler“

Ein Beispiel: Marc William Friederici. Der 24-jährige Shooting Guard wechselt vom Pro A-Aufsteiger SBB Baskets Wolmirstedt in die Ruhrgebietsmetropole und soll in Essen den nächsten Schritt seiner Karriere gehen. Friederici überzeugte in der vergangenen Spielzeit insbesondere in den Play-offs: Nach durchschnittlich 6,5 Punkten in der regulären Saison legte er in der entscheidenden Phase 8,7 Zähler pro Partie auf – mit ein Grund, warum Raphael Wilder, Sportlicher Leiter der Miners, ihn unbedingt ins Hallo holen wollte. „Marc war mein absoluter Wunschspieler für die Guard-Position. Ich habe bereits seinen Bruder Leon auf Schalke trainiert, bevor dieser kurzfristig den Sprung in die Bundesliga geschafft hat – da bestand also bereits eine Verbindung.“ Und: „Ich habe ihm klar gesagt, dass er bei uns ein Projekt ist. Er hat hohe Ziele, was mir sehr gefällt. Ich werde alles daransetzen, ihn auf seinem Weg in Richtung ProA zu unterstützen.“

Die zweite sehr interessante Personalie: Mychael Paulo. Der 1,93 Meter große Kanadier mit (seit Mai) portugiesischem Pass kommt vom Regionalligisten BG Hagen, wo er mit starken Quoten überzeugen konnte: 59 Prozent aus Nah- und Mitteldistanz, 36,6 Prozent von Downtown – bei durchschnittlich 34 Minuten Spielzeit pro Partie. Raphael Wilder. „Ich hatte Mychael schon seit zwei Jahren auf dem Schirm und die Tatsache, dass er seit Mai nun den portugiesischen Pass hat, hat ihn dann nochmal interessanter für uns gemacht. Wir haben somit einen Flügel, der sowohl die 1, 2 und die 3 spielen kann und bereits sehr erfolgreich in Deutschland gespielt hat.“ Nun also für ihn der Sprung in die Pro B.

bastelt mit am neuen kader: Miners-Trainer Lars Wendt.
bastelt mit am neuen kader: Miners-Trainer Lars Wendt.© FUNKE Foto Services | Uwe Möller

ETB Miners: Auch der Trainer hat noch viel zu lernen

Die Arbeit fortsetzen kann Headcoach Lars Wendt mit Niclas Sperber, Ben Uzoma und Raik Gäbler. Und man kann ja auch immer an sich selbst arbeiten. Wendt ist jedenfalls nicht so vermessen zu behaupten, ein junger Trainer hätte nach seinem ersten Jahr in der Pro B keine Luft mehr nach oben. Er musste feststellen: „Die Professionalität ist in der Pro B viel, viel höher. Es wird auch seitens der Spieler, die sich auf diesem Level ja zum Teil auch jede Minute mit Basketball beschäftigen können, viel mehr erwartet, was das Training und die Vorbereitung auf die Spiele angeht.“

Wendt spricht von einem ersten Lernprozess, den er durchlaufen habe – zumal er sich nach seinem abgeschlossenen Studium auch zum ersten Mal mit der Doppelbelastung aus Beruf (Stadt Düsseldorf) und Basketball konfrontiert gesehen hatte. „Das war auch noch mal eine Umstellung für mich. Aber ich glaube, ich kann für das Team in Zukunft noch mehr geben. Ich weiß, was auf mich zukommt und kann mich entsprechend organisieren.“ Insgesamt sei seine berufliche Situation kein Hindernis, „aber natürlich ist so ein Limit gesetzt.“ Sein Dank geht da auch an Raphael Wilder, der Einheiten unter der Woche leitet: „Durch Raffi ist es für mich überhaupt nur möglich, das zu tun, was mir so großen Spaß macht. Und durch ihn wird für das Team auch noch mal viel mehr möglich.“