Es war ein Anruf, der Florian Zeutschler überraschte. Positiv. Denn vor zwei Jahren war der Manager beim Versuch, Jana Feldkamp von einer Rückkehr zur SGS Essen zu bewegen, noch abgeblitzt. Diesmal war ihr Berater am anderen Ende und hinterlegte das Interesse seiner Klientin, in der Frauenfußball-Bundesliga künftig wieder in Lila-Weiß aufzulaufen.

Wenig später war der Transfercoup perfekt: In Feldkamp haben die Essenerinnen eine Spielerin mit der Erfahrung von fast 200 Erstligapartien, 15 Länderspielen und zehn Einsätzen in der Champions League verpflichtet. Und mittlerweile hat die 27-Jährige eine erste, aufregende Trainingswoche hinter sich.

Schlüssel eingeschlossen: Jana Feldkamp leistet sich gleich den ersten Fauxpas

„Es ist schön, zurück zu sein“, sagt die Mittelfeldspielerin, die von 2011 bis 2021 bereits für die SGS spielte, ehe sie zur TSG Hoffenheim in den Kraichgau wechselte. Die Anspannung vor dem ersten Aufeinandertreffen mit der Mannschaft und dem Trainerstab war dennoch gewaltig. „Vieles ist vertraut, vieles aber auch neu.“

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Aus dem aktuellen Kader kennt sie nur noch eine Handvoll Spielerinnen. Torfrau Kim Sindermann gehört dazu - und die rief sie vor der ersten Einheit auch gleich an. „Damit wir uns auf dem Parkplatz treffen konnten, um gemeinsam in die Kabine zu gehen“, lacht sie. „Da habe ich mich dann erstmal allen vorgestellt und war froh, als es auf den Platz ging.“

Bewusste Entscheidung für die SGS Essen und die Region

Dort lief es reibungslos. Und doch stand Feldkamp kurz darauf bei Zeutschler im Büro. „Dass jede Spielerin einen eigenen Spind hat, ist neu“, flachst sie gut gelaunt. Blöd nur, dass sie sich auch verriegeln lassen, wenn der Schlüssel drinnen liegt. Spätestens jetzt war klar: Feldkamp ist bei der SGS angekommen.

Dass für Schönebeck eine so hochkarätige Verpflichtung möglich war, lag vor allem an der Mittelfeldspielerin selbst. Denn es war eine bewusste Entscheidung für die Region und für die SGS. „Ich bin ein Familienmensch und habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern“, sagt sie. In das Elternhaus in Hünxe ist sie vorübergehend auch wieder eingezogen.

Bayern München - TSG 1899 Hoffenheim
März 2025: Jana Feldkamp (r.) im Zweikampf mit Bayern Münchens Sarah Zadrazil.© DPA Images | Ulrich Wagner

Aber auch ihr sechsjähriges Patenkind Ole spielte eine Rolle. „Wenn er mich jetzt fragt, wann wir uns wiedersehen, muss ich nicht mehr mit Ostern oder Weihnachten antworten. Außerdem muss ich mit meinem Freund, der in Emmerich wohnt, keine Fernbeziehung mehr führen. Deshalb hatte ich den Wunsch in die Heimat zurückzukehren.“

Der Kontakt nach Essen sei zudem nie abgerissen. Die Zeit, um die Spiele der SGS im Fernsehen zu verfolgen, hat sie sich immer freigeblockt. „Hier wird sich auch um den Menschen gekümmert, nicht nur um die Fußballerin.“ Dazu kann sie sich mit der Philosophie, junge Spielerinnen auszubilden, voll identifizieren.

Besonders die Talente sollen von Jana Feldkamp profitieren

„Ich habe ja hier selbst diese Erfahrung gemacht und weiß, wie wichtig es ist, dass man die Ruhe hat, auch mal Fehler machen zu dürfen.“ Mit 13 Jahren kam Feldkamp erstmals nach Essen, durchlief die vereinseigene Talentschmiede und alle Jugend-Nationalmannschaften. Mit 16 debütierte sie in der Eliteliga, mit 23 im DFB-Team.

Und damit ist Feldkamps neue Rolle im Team klar: „Ich möchte führen und lenken. Aber nicht alleine. Wir können das auf mehrere Schultern verteilen.“ Talente wie Kassandra Potsi und Julie Terlinden können von ihrer Erfahrung enorm profitieren. Gerade, weil Feldkamp im zentralen Mittelfeld eine prägende Rolle einnehmen soll.

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Aber auch neben dem Platz können sich die jungen Spielerinnen an ihr orientieren. Obwohl sie für die DFB-Auswahl und in der Champions League kickte, war ihr die Bedeutung einer soliden Ausbildung abseits des Rasens immer klar. Auch wenn es durchaus eine Herausforderung darstellte. Feldkamp macht aktuell ihren Master in Wirtschaftsingenieurwesen.

Als Fernstudium, denn in Präsenz wäre es mit dem Fußball und allen Terminen drumherum nicht möglich gewesen. „Ich finde es wichtig, etwas anzufangen, worauf man später aufbauen kann.“ Vom Fußball zu leben und damit auch für die Zukunft auszusorgen, bliebe nur sehr wenigen Nationalspielerinnen vorbehalten.

FC Carl Zeiss Jena Frauen 2025
Jana Feldkamp (l.) im Spiel gegen den FC Carl Zeiss Jena.© Funke Medien Thüringen | Nico Leistner

„Und ob es einen dann erfüllt, ist eine andere Frage. Ich habe auch ein halbes Jahr nur Fußball gespielt und festgestellt, dass es gut ist, seinen Kopf auch noch woanders reinzustecken.“ Letztlich zeigt ihre Karriere auch, wie kurzlebig das Fußballgeschäft ist. Denn seit sie vor der EM 2023 aus dem DFB-Kader gestrichen wurde, gab es keine weitere Berufung mehr.

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„Damals hatte ich keine gute Vorbereitung auf das Turnier. Die Saison war lang und wir sind in der Champions League viel gereist. Ich war nach der Saison richtig kaputt“, erinnert sie sich, auch wenn es damals ein schwieriger Moment war und die Verarbeitung Zeit benötigte.

Jana Feldkamp: Fußball ist mehr zu einem Job geworden

Eben jener Leistungsdruck war für sie in den vergangenen Jahren ein ständiger Begleiter. „Fußball ist mehr zu einem Job geworden. Aber das war ja, was ich wollte und warum ich diesen Schritt nach Hoffenheim gemacht habe. Jetzt ist für mich wichtig, dass ich wieder mehr Spaß habe, an dem, was ich mache.“

Wobei sie keinen Widerspruch darin sieht, dass man in Essen für den Erfolg ebenfalls hart arbeiten muss. „Der wird dir nicht in den Schoß gelegt. Aber ich mag diese Malocher-Mentalität, die die Mannschaft auf jeden Fall verkörpert.“ Neben dem Ablageort eines Ersatzschlüssels für ihren Spind ist das wohl die wichtigste Erkenntnis aus der ersten Trainingswoche.