Zusammenfassung
- Die Crossfit Open 2026 haben begonnen. Das erste Workout (26.1) wurde am Donnerstagabend deutscher Zeit in Kalifornien bekanntgegeben.
- In drei Wochen werden drei standardisierte Workouts veröffentlicht, an denen Sportler aus allen Crossfit-Boxen weltweit teilnehmen können - und so einen globalen Vergleich haben.
- Die Crossfitter aus dem Kettwiger Thommys Gym gehören zu den teilnehmerstärksten Open-Athleten in Deutschland. Hier ein Rückblick auf die Crossfit Open 2025 mit einem starken Mutter-Sohn-Duo.
- Das ist das Workout 26.1
20 wall-ball shots
18 box jump-overs
30 wall-ball shots
18 box jump-overs
40 wall-ball shots
18 medicine ball box step-overs
66 wall-ball shots
18 medicine ball box step-overs
40 wall-ball shots
18 box jump-overs
30 wall-ball shots
18 box jump-overs
20 wall-ball shots
Gewicht Medizinball: Männer 20 lb / Frauen 14 lb - Hier zum Einstimmen ein Bericht über die Open 2025
An diesem Tag fühlen sich 15 Minuten an wie eine Ewigkeit. Einige werden später von der härtesten Viertelstunde überhaupt sprechen – und trotzdem glücklich sein. Doch noch sind Martina Gottfried und ihr Sohn Mailo voll konzentriert. Der Countdown läuft. 3, 2, 1 – unter lautem Jubel beginnen ihre 15 Minuten.
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Die Crossfit Open haben begonnen. Ein Wettbewerb, zu dem Athleten aus der ganzen Welt in ihren jeweiligen Trainingsstätten antreten. Sie alle absolvieren in drei Wochen drei identische Übungseinheiten, um am Ende den ultimativen Vergleich zu haben: Wie haben sie sich geschlagen gegen Sportler aus den USA, Südkorea, den Philippinen oder Italien? Auch im sonst eher ruhigen Kettwiger Gewerbegebiet ist an diesem Tag einiges los, die Crossfit Open sind ein Jahres-Höhepunkt: In Essen geht es gegen den Rest der Welt!
Crossfit: Verwandte und Freunde feuern die Athleten an
Als die 15 Minuten anbrechen, ist die große, weite Welt jedoch weit weg. Die Welt von Martina Gottfried besteht nur noch aus den schwarzen Gummimatten vor ihr und einer 5-Kilogramm-Hantel. Neben dieser muss sie dreimal einen Burpee absolvieren – eine Mischung aus Liegestütz und Strecksprung – und anschließend seitlich über die Hantel springen. Danach drückt sie das Gewicht dreimal über den Kopf, bevor sie sich neun Meter im Ausfallschritt vorwärtskämpft. In jeder Runde kommen dann jeweils drei weitere Liegestütz-Sprünge und drei Hantelschwünge hinzu. Und das über 15 Minuten.
Verwandte und Freunde sind an diesem Tag in Thommy’s Gym gekommen. Seit fünf Jahren wird dort im Essener Süden die Sportart Crossfit gelehrt, die sich in den vergangenen Jahren zu einem der weltweit größten Fitness-Trends entwickelt hat. Funktionelle Kraft- sowie Ausdauerübungen werden in hoher Intensität kombiniert.

Es wird gelaufen, gesprungen, gehoben und sehr viel geschwitzt, wenn eine fixe Anzahl Wiederholungen in möglichst kurzer Zeit oder so viele Wiederholungen wie möglich in einer vorgegebenen Zeitspanne ausgeführt werden müssen. Klimmzug-Stange, Rudergerät, Hanteln, Airbike, Ski-Ergometer, Medizinbälle, Sandsäcke – sie alle kommen regelmäßig zum Einsatz.
Laufschuhe sollten in der Sporttasche eines Crossfitters ebenso wenig fehlen wie das Springseil. Jede Übungseinheit ist eine Herausforderung, der innere Schweinehund steter Gegner – und die Euphorie nach überstandenem Training dafür umso größer.
Crossfit: Sofort in den Sport verliebt
Jenes Glücksgefühl hat auch Martina Gottfried und Sohn Mailo schon früh erfüllt. Sehr früh sogar im Fall des heute Zwölfjährigen. Als Mutter Martina vor sieben Jahren nach einer Alternative zum Fitnessstudio suchte und sich schon beim ersten Crossfit-Probe-Training in den Sport verliebte, war der fünfjährige Mailo immer dabei.
Er tat, was viele andere Kinder in diesem Alter auch tun: spielte mit den Medizinbällen herum, schaukelte an den Ringen, versuchte sich auf dem Laufband. Schließlich nahmen sich die Trainer Thomas Lohley und Marcel Kozlowski dem Jungen an, ließen ihn altersgerecht mittrainieren. „Fußball und Basketball habe ich auch gespielt. Aber schnell war klar: Crossfit ist meine Nummer eins“, sagt der Schüler der International School Ruhr in Essen. Seitdem sind Mutter und Sohn mehrmals pro Woche gemeinsam in der Box, wie die Trainingsstätte im Crossfit genannt wird.
Hier wird gelaufen und gesprintet, werden Sit-Ups auf dem Boden abgerissen, wird auf dem Rudergerät gezogen oder sich an Ringen hängend in die Höhe gedrückt. „Ich war anfangs so unsportlich. Ich wollte einfach beweglicher werden und meine Ausdauer verbessern. Dann muss man dranbleiben – und der Rest kommt dann schon“, sagt die 57-Jährige.
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Der Rest – das sind neben Kraft, Kondition und Technik auch Wille und Mut, an Wettbewerben wie den Crossfit Open teilzunehmen. Die Uhr an der Wand zählt die Minuten herunter, Martina Gottfried ist in der Runde angekommen, in der 18 Wiederholungen getätigt werden. Es ist der Punkt, an dem Kraft und Ausdauer nachlassen, an dem jeder Liegestütz-Strecksprung eine Qual ist. Der Augenblick, an dem klar wird, dass Fitness keine Frage des Alters ist – sondern der Einstellung. Wie weit lässt sich der innere Schweinehund noch schieben?
An der Seite feuern die Kettwiger Athleten und die Zuschauer sie an, sie schafft die 21er-Runde und noch drei Sprünge der 24er, als die Uhr laut zur Erlösung piepst. Geschafft! In ihrer Altersklasse und mit ihrem Hantelgewicht wird Martina Gottfried nach diesem ersten von drei Wettbewerbstagen an 66. Stelle liegen – weltweit.
Ganz vorne liegt die 57-jährige Amerikanerin Janine Sherman, die die 24er-Runde beendet und drei weitere Sprünge geschafft hat. Und Sohn Mailo? Der macht seinem Ruf als deutsches Crossfit-Riesentalent alle Ehre, beendet die 24er-Runde und liegt auf Platz elf der 14-bis 15-Jährigen. „Wenn er so weitermacht, sehen wir ihn bald bei den Weltmeisterschaften“, ist sich Trainer Lohley sicher.

Doch das ist Zukunftsmusik. Im Moment ist die Welt in Kettwig wieder klein, reduziert auf Gummimatten und keuchende Athleten, die sich nach dem Workout lachend in die Arme fallen. Martina Gottfried sieht ihren Sohn an. „Er macht das mit Leichtigkeit – und ich feiere jede Wiederholung als meinen persönlichen Sieg.“ Doch schon in wenigen Tagen geht es weiter, das zweite Workout der Open steht an. Zeit, die eigenen Grenzen erneut auszutesten.
Faszination Crossfit
Mit seinen über 60 Disziplinen und den zahlreichen Variations- und Kombinationsmöglichkeiten ist Crossfit das Lego unter den Fitness-Sportarten.
Die pure Masse an Übungen mag zunächst abschreckend wirken, doch „Crossfit bedeutet nicht, sich zu quälen – sondern an den eigenen Grenzen zu wachsen, Bewegung zu erleben und Freude an neuen Herausforderungen zu spüren“, erklärt Thomas Lohley von Thommy‘s Gym in Kettwig. „Jeder startet auf seinem Niveau, die Übungen sind anpassbar.“ Anfänger können sich also Schritt für Schritt einarbeiten und die Übungen/Gewichte nach und nach steigern.
Auch der Community-Gedanke trägt zur zunehmenden Beliebtheit des Sports bei. Crossfit mag ein Einzelsport sein, trainiert wird aber in der Gruppe, und auch Team-Übungen werden regelmäßig eingebaut. Lohley: „So entsteht ein Gemeinschaftsgefühl und durch weitere gemeinsame Aktionen auch Verbindungen weit über das eigentliche Training hinaus.“




