Eine Sache hatten sich die Hannover Scorpions offenbar vorgenommen: Sie wollten sich nicht noch einmal derart überrennen lassen wie beim letzten Mal, als die Wedemärker an der Wedau zu Gast waren. Tatsächlich wird immer öfter Play-off-Hockey gespielt – auch wenn die Niedersachsen seit dem Derbysieg am Freitag gegen die Hannover Indians bereits als Meister der Eishockey-Oberliga Nord feststehen. Die Füchse jedoch ließen sich davon nicht beeindrucken und hielten voll dagegen. Bitter wurde es in den Schlusssekunden: Als ein Fan kollabierte und die Stimmung entsprechend nicht mehr vorhanden war, schien auch die Konzentration der Spieler nicht mehr da gewesen zu sein. So glichen die Gäste praktisch mit der Sirene aus. Der EVD punktete schließlich bei einer 3:4 (1:1, 1:0, 1:2, 0:1)-Niederlage nach Verlängerung.
„Wir alle lieben Eishockey, an solchen Tagen hassen wir es aber. Ich bin nur wegen des Ergebnisses enttäuscht. Wir haben heute gezeigt, wie gut wir sind“, sagte EVD-Trainer Frank Petrozza.
Wir haben heute gezeigt, wie gut wir sind.
Frank Petrozza, Trainer der Füchse Duisburg
Auf der Bank nahm diesmal übrigens Torhüter Maximilian Schulz platz. Der 16-Jährige stammt aus Essen, ist inzwischen aber Wahl-Duisburger. Denn der talentierte Goalie spielt nicht nur in der 2. Division für die U17-Mannschaft der Jungfüchse, sondern auch Skaterhockey für die Duisburg Ducks und kam bei den Enten noch als 15-Jähriger zu seinen ersten Einsätzen in der Herren-Bundesliga. Nach der Vertragsverlängerung von Sandis Zolmanis konnten die Füchse im Spiel gegen die Scorpions die nächste Personalie verkünden: Auch Stürmer Edwin Schitz wird weiterhin für den EVD auflaufen. „Edwin ist ein mannschaftsdienlicher Spieler, der gerade im Unterzahlspiel seine Qualitäten hat“, betont Füchse-Geschäftsführer Tom Södler. „Er stellt sich nie über die Mannschaft, hat eine absolute Team-First-Mentalität.“ Außerdem überzeugt der 25-Jährige durch seine starke Präsenz in Zweikämpfen und ist Teil der „wohl besten dritten Reihe der Liga“, wie es Trainer Frank Petrozza schon einmal betont hat.
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Körperlich ging die Partie von Beginn an in die Vollen. Beide Teams erspielten sich Chancen. EVD-Torhüter Leon Willerscheid stand das erste Mal so richtig im Fokus, als er gegen den freistehenden Hannoveraner Lukas Kopietz parierte. Auf der Gegenseite war dann aber Hannovers Torwart-Neuzugang Patrick Berger, der von den insolventen Heilbronner Falken gekommen ist, geschlagen, als Pascal Grosse den Konter einleitete und nach einem Doppelpass mit Martin Schymainski selbst zum 1:0 vollstreckte. Dann wurde es zweimal „intensiv“, nett formuliert. In der 15. Minute jubelte Philippe Sanche bereits, doch Berger verschob das Tor in der Aktion. Wäre der Puck dort eingeschlagen, wo „normalerweise“ das Tor stünde, hätte der Treffer gezählt. Doch die Schiedsrichter kamen nach Videostudium zu dem Schluss, dass dies nicht so war. Kurze Zeit später standen sie wieder vor dem Monitor. Diesmal hieß die Konsequenz: fünf Strafminuten und eine Spieldauerstrafe gegen Scorpions-Spieler Michael Knaub, der nach einem üblen Einsteigen gegen Füchse-Topscorer Sandis Zolmanis unter die Dusche musste. Bitter für den EVD: Nach einem Puckverlust glich Nick Milgio in Unterzahl für den Meister aus.
Im Mittelabschnitt drängten die Gäste auf die Führung. Doch die Füchse verteidigten mit viel Leidenschaft und dem gewohnt guten Leon Willerscheid im Tor. Ein Konter auf der anderen Seite saß dann: Die vierte Reihe zeichnete für die erneute Duisburger Führung verantwortlich: Daniel Geiger und Bence Farkas spielten den Treffer schön heraus, Adam Zoweil brachte den Puck zum 2:1 im Netz unter. Kurz darauf zeigte Füchse-Verteidiger Erek Virch Torhüterqualitäten. In Unterzahl war „Willi“ Willerscheid bereits geschlagen, doch der Abwehrspieler blockte den Schuss von Christoph Kabitzky auf der Linie. Sekunden später vergaben Martin Schymainski und Sandis Zolmanis bei einem schnell vorgetragenen Angriff in Unterzahl knapp den dritten Treffer für die Hausherren. Weil die Füchse-Defensive tüchtig arbeitete, hatte sie das Glück, das diese Tugend verspricht: Denn Marc-Oliver Vallerand traf fünf Minuten vor der zweiten Pause nur die Duisburger Latte.

Die Scorpions glichen zwar nur 69 Sekunden nach Wiederbeginn erneut durch Nick Miglio aus, doch die Füchse haben sich ein bemerkenswertes Zutrauen in dieser Saison erspielt. Sie spielten ruhig und geduldig weiter, warteten auf den richtigen Moment für Pass und Schuss, sodass Philip Kuschel den EVD in der 44. Minute mit dem zweiten Verteidigertreffer des Abends abermals in Führung brachte. Nardo Nagtzaam hatte schließlich das vierte Tor auf dem Schläger, konnte dem Puck unter viel Bedrängnis nicht mehr den letzten, nötigen Schubs geben (52.). Tragisch wurde es in den Schlusssekunden. Zunächst gab es einen medizinischen Notfall auf der Sitzplatztribüne. Während die Fans verständlicherweise ruhig wurden, glichen die Gäste 1,3 Sekunden vor Ende aus.
In dieser Situation zeigten die Unparteiischen eine anständige Reaktion. Sie warteten die Behandlung ab, ehe sie die Overtime spielen ließen. Der weibliche Fan wurde gestützt zur weiteren Untersuchung von der Tribüne geführt. Während der Verlängerung verzichteten die Füchse-Anhänger auf weiteren Support. Nach gut zwei Minuten entschied Arturs Kruminsch das Spiel für die Gäste.
Die Statistik:
Tore: 1:0 (11:54) Grosse (Schymainski), 1:1 (15:28) Miglio (Aquin/4-5), 2:1 (27:59) Zoweil (Geiger, Farkas), 2:2 (41:09) Miglio (Fricke, Hauner), 3:2 (43:47) Kuschel (Zolmanis), 3:3 (59:59) Aquin (Kruminsch), 3:4 (62:08) Kruminsch (Aquin, McMillan).
Strafen: Duisburg 16, Wedemark 10 + 5 + Spieldauer (Knaub).
Zuschauer: 1180.



