Am Morgen nach dem Spiel war Alexander Kalniņš völlig verblüfft. „Selbst Fox News hat darüber berichtet“, staunte der Duisburger. „Natürlich mit einer anderen Tendenz als alle anderen.“ Auch in der Washington Post ist der Artikel von Associated Press gelandet. Und in etlichen anderen US-amerikanischen Medien. „Manchmal stand dabei, dass wir lettische Curling-Fans wären“, lacht der Eishockey-Fan der Füchse Duisburg. Alexander Kalniņš ist oft mit seiner Ehefrau Vita Kalniņa in einem Camper unterwegs. So auch jetzt bei den Olympischen Winterspielen. Am Samstag saßen die beiden in der Milano Santagiulia Ice Hockey Arena und schauten sich das Spiel zwischen den USA und Dänemark an. Als sie dann plötzlich eine Grönland-Flagge schwenkten, sorgten sie für Aufsehen – bekamen aber auch für viel Zustimmung.

Vielleicht hat man bemerkt, dass ich ein Anti-Trump-Posting geteilt hatte.

Alexander Kalniņš, über die verweigerte Einreise in die USA

Mit den USA unter Donald Trump hat das Ehepaar bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt. Im vergangenen Sommer hatten die beiden eine Reise in den Norden Kanadas unternommen. „Geplant waren dabei auch zwei Wochen in Alaska“, so Kalniņš. Wie es bei Reisen in die Vereinigten Staaten üblich und notwendig ist, hatte das Duisburger Ehepaar einen ESTA-Antrag zur visumsfreien Einreise gestellt. „Rund viereinhalb Tage bevor wir einreisen wollten, bekam ich eine E-Mail, dass sich unser Status zur Einreise verändert hat“, berichtet er. Von „approved“, also bestätigt, zu „pending“, also ausstehend. Als sie in Whitehorse, der Hauptstadt des kanadischen Yukon-Territoriums, waren, „habe ich das Department of Homeland Security angerufen, wo mir ein freundlicher Mitarbeiter gesagt hat, ich solle einfach noch zwei Tage warten“. Weil Internet und Mobilfunk im Yukon nicht flächendeckend vorhanden sind, „sind wir immer wieder zu Funkmasten gefahren. Kurz vor unserer geplanten Einreise erklärte mir eine dann unfreundliche Mitarbeiterin am Telefon, dass ich nun einmal warten müsste. Auf meine Frage, ob das nicht an der Grenze zu klären wäre, wurde mir gesagt, dass das als illegaler Grenzübertritt bewertet würde und dass ich verhaftet werden könnte.“ Also entschloss sich das Ehepaar auf den Alaska-Teil der Reise zu verzichten und in Kanada zu bleiben. „Man wurde auch damals schon nach Socia-Media-Profilen gefragt. Da habe ich zwar nichts angegeben, aber vielleicht hat man es dennoch gefunden und bemerkt, dass ich ein Anti-Trump-Posting geteilt hatte.“

Auch interessant

Nun, bei den Olympischen Spielen, hatte Alexander Kalniņš zwar eine Grönland-Flagge zum Spiel der USA gegen Dänemark mitgenommen, die er zuvor mit seiner Ehefrau Vita gekauft hatte. „Uns war natürlich klar, dass das Spiel aufgrund der Grönland-Thematik brisant ist. „Ich war mir aber nicht sicher, ob ich sie herausholen sollte.“ Diese Meinung änderte sich, als amerikanische Fans die dänische Mannschaft ausgepfiffen hatten. Kalniņš wollte ein Zeichen setzen. „Die Trump-Politik mit seiner Hinwendung zu Diktatoren ist bedrohlich. Die Grönland-Frage stellte die Existenz der NATO und die Sicherheit Europas und der Welt infrage. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass er Grönland nicht aus Sicherheitsinteressen haben will, sondern weil er in die Geschichte eingehen will, als jemand der ein neues Territorium für die USA eingenommen hat. Das ist absurd. Als würden wir im 19. Jahrhundert leben.“

Eishockey
Alexander Kalniņš und Vita Kalniņa vor der Milano Santagiulia Ice Hockey Arena.© privat

Nachdem er die Grönland-Flagge mehrfach gezeigt hatte und auch im TV-Bild zu sehen war, kam ein Security-Mitarbeiter auf ihn zu und bat ihn, die Flagge einzupacken. Doch andere Eishockey-Fans aus Schweden und Italien zeigten Solidarität. „Und sogar ein amerikanischer Eishockey-Fan sagte zu mir: Schwenk die Fahne weiter!“ Ein Schwede sagte dem Security-Mitarbeiter dann, dass das doch ein Supervisor entscheiden solle. Der kam dann wirklich und sagte Kalniņš, er müsse die Fahne aus Sicherheitsgründen einpacken. „Er gab mir aber zu verstehen, dass er mir in der Sache zustimmt.“ Der Duisburger betont: „Das ist keine Regel der International Icehockey Federation. Das geht vom IOC aus.“ In den Geschäftsbedingungen für den Ticketverkauf steht zwar, dass nicht an den Spielen beteiligten Flaggen nicht geschwenkt werden dürfen, „aber Grönland gehört nun einmal zu Dänemark“. Da stellt sich die Frage, ob deutsche Fans beispielsweise keine NRW-Flagge schwenken dürfen.

Mehr zum Thema

„Dennoch hatten wir eine gute Zeit und wir haben tolle Eishockeyspiele gesehen“, berichtet Alexander Kalniņš, der selbst lettischer Abstammung ist. „Meine Großeltern sind damals vor Stalin aus der Sowjetunion geflohen. Mein Vater ist Deutscher, meine Mutter ist Lettin.“ Daher feuert er nach Möglichkeit beide Nationalmannschaften an. Sein Herz schlägt aber Lettisch. Unter Eishockeyfans ist das aber kein Problem. Warum auch?

Nebenbei: Aus Duisburg waren noch einige andere Fans vor Ort. Allerdings dürfte aktuell nur Alexander Kalniņš für schlechte Laune beim US-Präsidenten während der Zeitungslektüre gesorgt haben.