Es klingt ein wenig nach Chaos, so wie sich der europäische Football gerade präsentiert. Christoph Lörcks hat mitten in diesem Sturm eine Aufgabe: Zusammen mit Rohat Dagdelen für Ruhe und ein erfolgreiches Team bei Rhein Fire zu sorgen. „Wir sind mit den Kaderplanungen tatsächlich schon sehr weit“, sagt der General Manager des zweifachen Meisters der European League of Football, der dieser Liga im Streit um mangelnde Transparenz und finanzielle Verpflichtungen längst den Rücken gekehrt hat.

Wir werden wie verkündet sechs Heim- und sechs Auswärtsspiele in der regulären Saison der American Football League Europe bestreiten.

Christoph Lörcks, General Manager von Rhein Fire

Dass das nun auch die Teams der Clubvereinigung European Football Alliance gemacht haben, nachdem sie erst die Rückkehr in die ELF verkündet hatten, muss Lörcks dabei nur am Rande interessierten. Bei einer Sache ist er sich ganz sicher: „Wir werden wie verkündet sechs Heim- und sechs Auswärtsspiele in der regulären Saison der American Football League Europe bestreiten. Ob zu dieser Liga dann acht, zehn oder zwölf Teams gehören werden, spielt dabei keine Rolle.“ Außerdem sei es, so sagt er, nicht seine Aufgabe Dinge zu verkünden oder zu verhandeln, die nicht Rhein Fire betreffen. Damit hat der Mann sicherlich Recht. Gut zu wissen, wäre es natürlich dennoch, da in rund viereinhalb Monaten die Saison beginnt.

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Die EFA-Teams, die nun doch wieder eine eigene Liga gründen wollen, haben die zunächst geschlossene Vereinbarung mit der ELF wieder aufgekündigt. Angeblich wollen sie aber nicht der AFLE beitreten, da sie im Modell dieser neuen Liga eine ähnliche Struktur wie in der ELF vermuten. „Die Kritik an der ELF und am früheren Ligachef Zeljko Karajica kann ich sehr gut nachvollziehen. Die Kritik an der AFLE allerdings nicht“, sagt Lörcks. Vom erfolgreichen Start der neuen Liga ist der „GM“ von Rhein Fire überzeugt, „weil ich weiß, wie im Hintergrund gearbeitet wird“, blickt er auch auf die übrigen Teams von „The League Europe“, wie sich die AFLE gerne phrasiert.

Alles zu Rhein Fire:

Ist es nun wirklich ausgeschlossen, dass sich die EFA-Teams in Gänze oder teilweise der AFLE anschließen? „Ich sehe in den Aussagen der EFA eine Verhandlungsposition“, sagt Lörcks und meint damit, dass er aus seiner Sicht eine Möglichkeit für eine Zusammenarbeit sieht. Wie sich das Ganze am Ende darstellen wird, dürften die nächsten gut zwei Wochen zeigen.

Kenji Bahar ist der neue Quarterback

Derweil gehen Lörcks und Dagdelen ihrer Hauptaufgabe nach – für eine schlagkräftiges Team zu sorgen. Das scheinen sie mit dem Quarterback geschafft zu haben. Denn bislang galt es als nahezu ausgeschlossen, Spieler aus dem Dunstkreis eines NFL-Teams zu bekommen. „Kenji Bahar ist mehr als nur Dunstkreis“, sagt Lörcks nicht ohne Stolz über den neuen Quarterback der Duisburger Footballer. Denn bei den Baltimore Ravens gehörte er nicht einfach nur dem Trainingskader an, der heute 28-Jährige kam 2021 in einem Vorbereitungsspiel gegen die Carolina Panthers zum Einsatz und wurde schließlich sogar Teil des aktiven Kaders, weil er im Ligaspiel bei den Cincinnati Bengals als Backup-Quarterback in der Aufstellung stand. „Dass man in dieser Situation nicht kurzfristig einen Free Agent unter Vertrag genommen, sondern ihm das Vertrauen geschenkt hat, sagt eine Menge aus“, so Lörcks.

European League of Football in Duisburg
Die Fans von Rhein Fire werden sechs Heimspiele in Duisburg sehen.© FUNKE Foto Services | Christoph Wojtyczka

Am College überzeugte Bahar mit mehreren Passrekorden, unter anderem für die meisten Touchdowns, vollständigen Pässe, Spiele mit mindestens 300 Yards Raumgewinn sowie Passversuche. Zwischen 2022 und 2024 spielte er in der USFL beziehungsweise UFL bei den Houston Gamblers und Houston Roughnecks. 2023 stand Bahar in allen neun Saisonspielen als Starter auf dem Feld und erzielte mit seinen Pässen 1712 Yards Raumgewinn. Vor seinem Sprung nach Europa spielte Bahar 2025 in der Indoor Football League für die Massachusetts Pirates.

Außerdem hat Rhein Fire mit Running Back Jonathan Scott verlängert und mit Desean Scott einen weiteren Offensivspieler aus Panama unter Vertrag genommen.