Am Anfang hatten sie eigentlich keine hohen Ziele. Sie waren einfach ein paar Badminton-Begeisterte aus und in Bottrop, die am 8. März 1976 den Grundstein für ihre Badminton-Gemeinschaft legten. Alles begann in der schlichten kleinen Sporthalle am Bottroper Wildenhof und ganz familiär – im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn, neben einigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, bildete die Familie Fischedick den Gründungskern des Vereins. Mutter Marlies und Vater Hans schwangen ihre Schläger bereits in den 1950er Jahren – einer Zeit, in der Badminton in Deutschland allerhöchstens als „Federball“ bekannt war. Von dieser Begeisterung ließen sich dann auch die Söhne Hans-Georg, Christoph und Michael sowie Cousin Klaus im Jugendalter anstecken.

Badminton-Bundesliga: Bottropern gelingt historischer Aufstieg 1987

Sie alle wurden erfolgreiche Spieler mit Titel, Nominierungen für Jugendnationalmannschaften und 1. Bundesliga im Seniorenalter. Dass das alles aber bereits wenige Jahre nach Gründung der BG passieren sollte und Bottrop so zu den bekanntesten Badminton-Adressen Deutschlands gehören würde, ahnte 1976 noch niemand. „Unsere Motivation war erstmal nur, dass wir an sportlichen Wettbewerben teilnehmen und aus einem Individualsport auch ein Teamerlebnis machen können“, erinnert sich Michael Fischedick, der damals 11 Jahre alt war.

Michael Fischedick Bundesliga Bottroper Badminton BG
Michael Fischedick, einer der Söhne des Mitgründer-Ehepaars Marlies und Hans Fischedick, als junger erfolgreicher Spieler der Bottroper Badminton-Gemeinschaft. Heute ist er 1. Vorsitzender des Vereins.© Bottroper Badminton Gemeinschaft | Bottroper Badminton Gemeinschaft

50 Jahre später blickt der Verein auf eine sportlich erfolgreiche, aber auch bewegte Geschichte zurück. Wobei es zu Beginn direkt steil hochging. In ihren ersten sieben Jahren gelangen der BG aus Bottrop im Ligabetrieb sechs Aufstiege. Von der untersten Klasse C schaffte sie einen Durchmarsch in die Oberliga West, die heutige 2. Bundesliga.

1987 dann die kleine Sensation: das erste Mal 1. Bundesliga. Der heute 61-jährige Vereinsvorsitzende Michael Fischedick, der selber für die BBG in der 1. Bundesliga spielte, erklärt sich den schnellen Erfolg auch so: „Ähnlich wie Tennis wurde Badminton in den 80ern in Deutschland zu einem Trend. Das lockte Aufmerksamkeit, Zuschauer und somit Spieler auch zu uns.“

Geschichte der Bottroper Badminton-Gemeinschaft: Jugendarbeit war der Erfolgsgarant

Dass aber ausgerechnet Bottrop zu einem bedeutenden Standort in Badminton-Deutschland wurde, hatte bei der BBG wohl vielmehr mit ihrer akribischen Jugendarbeit zu tun. Von Tag eins an. Schon 1977 wurde Christoph Fischedick im U14-Einzel erster Deutscher Meister des Vereins, zahlreiche Titel folgten. „Die Jugendarbeit lag unseren Eltern besonders am Herzen, da haben sie ganz viel Engagement reingesteckt. Alleine bei uns in der Familie war es logistisch nicht einfach, drei Kinder zu allen unterschiedlichen Wettbewerben zu kutschieren“, so Michael Fischedick.

Von 1991 bis 2008 richtete die Bottroper BG die renommierten German Junior Open aus. Das Turnier lockte den internationalen Badminton-Nachwuchs in die Stadt.
Von 1991 bis 2008 richtete die Bottroper BG die renommierten German Junior Open aus. Das Turnier lockte den internationalen Badminton-Nachwuchs in die Stadt.© Bottroper Badminton Gemeinschaft | Bottroper Badminton Gemeinschaft

Das Alleinstellungsmerkmal, das den Namen BBG weit über Bottrop hinaus bekannt machte, hieß schließlich German Junior Open. Ab 1991 richtete der Verein das Turnier aus und verwandelte es über fast zwei Jahrzehnte in den bedeutendsten Badminton-Nachwuchswettbewerb Deutschlands.

Was ebenso wie die Vereinsgründung bescheiden begann, wuchs zu einem internationalen Showdown, zu dem sich Jahr für Jahr die besten Juniorinnen und Junioren der Badminton-Welt die Klinke in die Hand gaben. Auf den Siegerlisten stehen spätere Olympiasieger und Weltmeister, 2001 auch der junge Lin Dan. Der heute 42-jährige Chinese, der als bester Badmintonspieler aller Zeiten gilt, legte einen seiner ersten internationalen Auftritte in der Sporthalle der Berufsschule in Bottrop hin.

Bottroper Badminton-Gemeinschaft: Warum es bergab ging

„Dafür haben wir viel gearbeitet, 70 bis 80 Ehrenamtliche waren am Tag im Einsatz“, erzählt Michael Fischedick, „aber solche Veranstaltungen waren für uns auch eine wichtige Einnahmequelle.“ Geld fließt im Badminton in Deutschland bekanntlich nicht so üppig wie in anderen Sportarten, die BBG benötigte aber dann doch auch einiges, um auf dem Niveau zu spielen, das der Verein erreicht hatte.

Einer der besten Spieler in der Historie der Bottroper Badminton-Gemeinschaft: Marc Hannes, hier bei einem Triumph bei den Westdeutschen Meisterschaften in den 90er Jahren.
Einer der besten Spieler in der Historie der Bottroper Badminton-Gemeinschaft: Marc Hannes, hier bei einem Triumph bei den Westdeutschen Meisterschaften in den 90er Jahren.© Bottroper Badminton Gemeinschaft | Bottroper Badminton Gemeinschaft

Und die Anforderungen wurden sportlich und strukturell nicht einfacher. Die ersten beiden Gastspiele in der 1. Bundesliga – 1987/88 und 1989/90 – endeten ohne einen einzigen Sieg aus eigener Kraft und jeweils mit dem direkten Wiederabstieg. Der dritte Anlauf war da schon erfolgreicher. 1996 gelang der Aufstieg in die Erstklassigkeit erneut, diesmal sogar mit internationalen Top-Spielerinnen und -spielern im Kader. Drei Jahre in Folge hielten sich die Bottroper in der 1. Bundesliga.

Die Bottroper BG in der 2. Liga 2006. Seit 2008 spielt der Verein nicht mehr Badminton auf Bundesebene.
Die Bottroper BG in der 2. Liga 2006. Seit 2008 spielt der Verein nicht mehr Badminton auf Bundesebene. © Bottroper Badminton Gemeinschaft | Bottroper Badminton Gemeinschaft

Das Problem war nur: Jetzt kostete alles noch mehr Geld. Aus finanziellen Gründen zog sich die Bottroper BG 1999 aus der 1. Liga zurück, spielte bis 2008 noch eine Rolle in der 2. bis es auch dort nicht mehr ging. Der sportliche Abstieg seines Klubs tue Michael Fischedick „im Herzen weh“, er wisse aber, was die Gründe dafür waren: „Wir haben die Jugendarbeit vernachlässigt und so keine Eigengewächse mehr nachbekommen. Zum anderen haben sich dann auch meine Eltern aus der Vereinsarbeit zurückgezogen.“

Bottroper Badminton-Gemeinschaft: Neuanfang auch außerhalb der Halle

Die mittlerweile verstorbenen Marlies und Hans Fischedick hinterließen als Seele des Vereins die größte Lücke. Es gab immer weniger Mitglieder, die Aufgaben übernehmen wollten. Vor allem nicht in der Menge, wie es das Gründerpaar getan hatte. „Die Euphorie war verflogen“, resümiert Michael Fischedick nüchtern. In der Folge pendelte die BBG rund ein Jahrzehnt zwischen Regional- und Oberliga, ehe die Corona-Pandemie die Lage noch einmal verschärfte. Seit 2022 heißt die Realität: Landesliga.

Mehr Badminton in Bottrop

Aufgegeben hat die BBG jedoch nie. Seit der Fusion mit dem 1. BC Kirchhellen 2014 hat der Verein neue Mitglieder und Wege gefunden: Air Badminton auf dem Tetraeder, mehr Breitensport-Angebote und mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit durch Social-Media-Arbeit. Michael Fischedick möchte zudem an das Erbe seiner Eltern anknüpfen: „Die Jugendarbeit soll wieder im Fokus stehen. Und dafür brauchen wir möglichst viele Ehrenamtliche, Trainer wie Helfer, die wiederum die Unterstützung bekommen sollen, die sie brauchen.“