Um 9.22 Uhr stieg Timo Becker am Montagvormittag vor dem Gelsenkirchener Gesundheitszentrum Medicos aus seinem Auto, nachdem er einen Weg zurückgelegt hatte, für den er kein Navigationsgerät bemühen musste. Nur der Medizincheck trennte den 28-Jährigen von einer emotionalen Rückkehr zu seinem Herzensklub FC Schalke 04. Am Nachmittag machten die Königsblauen offiziell, was für niemanden mehr ein Geheimnis war: Timo Becker kehrt ablösefrei von Holstein Kiel zurück.

Schalke-Sportchef Mulder: „Er hat sich sehr gut entwickelt“

Becker erhält einen bis Juni 2029 gültigen Vierjahresvertrag. „Als einer der Mannschaftskapitäne kämpft Timo aktuell mit Holstein Kiel um den Klassenerhalt in der Bundesliga. Darauf liegt sein Fokus. Mit auslaufendem Vertrag galt es für ihn eine Entscheidung zu treffen, wie es für ihn ab Sommer weitergeht. Wir freuen uns, dass er nach der Saison wieder für Schalke spielen wird“, sagte Schalkes Sportchef Youri Mulder und ergänzte: „Timo hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt und ist in Kiel zu einem Führungsspieler in der Bundesliga gereift. Das wird er auch in den kommenden Wochen zeigen. Seine Spielweise ist von Tempo, Intensität und Leidenschaft geprägt. Wir alle wissen, was es Timo bedeutet, künftig wieder das S04-Trikot zu tragen und eine wichtige Rolle in unserer Mannschaft einzunehmen.“

Becker selbst war es wichtig zu betonen, dass sein Fokus erst einmal darauf liegt, mit Bundesliga-Schlusslicht Kiel den Klassenerhalt in der Bundesliga zu schaffen. „Dass mein Vertrag in Kiel ausläuft und ich eine besondere Verbindung zu Schalke habe, ist in den vergangenen Wochen mehrfach thematisiert worden. Ich halte es deshalb für wichtig, meine Entscheidung einmal für alle offenzulegen“, sagte er. „Ab Sommer dann wieder auf Schalke zu spielen, ist etwas Besonderes. Die Verantwortlichen haben mir sehr gut aufgezeigt, wie unser gemeinsamer Weg in den kommenden Jahren aussieht.“

Es hat lange gedauert, aber nun steht fest, wer die vakante Position des Sportvorstandes auf Schalke übernimmt. Es ist Frank Baumann. Keine Zukunft auf Schalke dagegen hat Matchwinner Kaminski. Dass sein Vertrag nicht verlängert werden soll, trifft ihn. Darüber und viele weitere Themen sprechen unsere Reporter Andreas Ernst, Robin Haack und Sinan Sat.

Becker war in Gelsenkirchen groß geworden, wohnte selbst als Profi noch im Haus seiner Eltern. Nachdem er bei Erle 08 und dem SSV Buer Fußball lernte, wechselte er im Alter von zehn Jahren in die Knappenschmiede des FC Schalke 04. Mit dem Fahrrad sei er in zwei Minuten beim Training gewesen, sagte er einmal. Er wurde großer Schalke-Fan, zum Kind der Nordkurve. Zur U17 aber verließ er Schalke, wechselte zu Rot-Weiss Essen, sammelte von 2016 bis 2019 erste Erfahrung im Seniorenbereich als Abwehrspieler in der Regionalliga West (72 Spiele, 5 Tore).

Schalke-Legende Asamoah holte Becker im Sommer 2019 aus Essen

Im Sommer 2019 ging es für Becker bei RWE nicht weiter. Schalke-Legende Gerald Asamoah, damals Manager der U23, holte Becker zurück nach Gelsenkirchen. Zunächst war Becker nur für die Regionalliga-Mannschaft eingeplant, aber der Sprung zu den Profis wurde ihm damals zugetraut. Die Chance kam für ihn schneller als gedacht. In der Saison 2019/2020 feierte er unter David Wagner (10 Spiele) sein Bundesligadebüt, war im Abstiegsjahr 2020/2021 eine feste Größe (20 Spele). Für seine Tränen am Tag des Abstiegs in Bielefeld wurde er über Schalke hinaus bekannt. Schnell stand fest, dass er mit in die 2. Liga geht.

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Dort bestritt er fünf Spiele, kam aber nicht mit Trainer Dimitrios Grammozis klar, der ihn erst aussortierte und dann zum Verkauf freigab. In der Rückrunde 2021/22 spielte er auf Leihbasis für Hansa Rostock sogar gegen Schalke, gewann in der Arena mit 4:3. Mit Rostock feierte er den Klassenerhalt, mit Schalke den Aufstieg. Auf dem Teambus sang er lautstark Schalke-Lieder. So lautstark, dass die damaligen S04-Bosse Peter Knäbel und Rouven Schröder gar nicht begeistert waren.

Schalke traute Becker im Sommer 2022 die Bundesliga nicht zu

Den Sprung in die Bundesliga trauten sie Becker nicht zu. Für 250.000 Euro Ablöse wechselte er zum Zweitligisten Holstein Kiel, unterschrieb einen Dreijahresvertrag. In Kiel wurde er sofort Stammspieler und Leistungsträger, trug teilweise sogar die Kapitänsbinde. In zwei Zweitligajahren erzielte er zehn Tore in 52 Spielen, hatte einen großen Anteil am Bundesliga-Aufstieg. Schalke blieb er treu, verfolgte weiter Spiele der Profis und Jugend.

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Auch in der Bundesliga ist er Stammspieler, bestritt 24 der ersten 28 Spiele. Auf einen neuen Vertrag konnte er sich mit Holstein Kiel nicht verständigen. Das nutzt Schalke.