Es war in vielerlei Hinsicht ein sonderbarer Samstagnachmittag in Dortmund, der mit der ersten Bundesliga-Niederlage gegen ein anderes Team als den FC Bayern München seit einem Jahr endete. Der BVB verlor das über viele Strecken tempoarme Topspiel des 29. Spieltags gegen Bayer Leverkusen mit 0:1 (0:1). Den entscheidenden Treffer erzielte Robert Andrich in der 42. Minute per Distanzschuss.

Mit einem Sieg hätte Borussia die früheste Champions-League-Qualifikation der Vereinsgeschichte perfekt machen können. Die nächste Chance bietet sich nun in einer Woche bei der TSG Hoffenheim. Tabellarisch ist die Pleite aufgrund des hohen Vorsprungs verkraftbar. Überschattet wurde die zweite Halbzeit jedoch von einem medizinischen Notfall: Beide Fanlager verzichteten auf jeglichen Support, weil eine Reanimation durchgeführt wurde. Die gespenstische Stimmung übertrug sich spürbar auf den Rasen. Die zweite Halbzeit war voller Fehler und Unkonzentriertheiten. In der Nachspielzeit stimmten die Fans „You‘ll never walk alone“ an.

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Das alles geschah einen Tag nach der sagenhaften Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck. Der 26 Jahre alte Innenverteidiger hatte seinen Kontrakt nach langem Zögern am Freitag nun doch – nach weiteren Gesprächen mit Neu-Sportdirektor Ole Book und Geschäftsführer Lars Ricken – bis 2031 verlängert. Allerdings ließ sich der Innenverteidiger eine Spezialklausel im Vertrag verankern, die es ihm theoretisch möglich macht, schon in diesem Sommer zu ausgewählten Klubs zu wechseln. Die festgelegte Ablösesumme soll zwischen 50 und 60 Millionen Euro liegen.

Bittere Pfiffe gegen Nico Schlotterbeck

„Es ist ganz wichtig, dass Nico dieses Zeichen gesetzt hat“, kommentierte der 40-jährige Nachfolger von Sebastian Kehl im Gespräch mit Sky. „Wir hatten starke inhaltliche Gespräche. Ich bin mir ganz sicher, dass Nico lange bei uns bleiben möchte.“ Da sind sich allerdings die Anhänger offensichtlich nicht so sicher.

Als Stadionsprecher Norbert Dickel vor dem Anpfiff seinen Namen bei der Aufstellung verkündete, wurde Schlotterbeck von einem Pfeifkonzert der Dortmunder Fans empfangen. Ein lautstarker Ausdruck ihres Unmuts über das aus ihrer Sicht fehlende ultimative Commitment zum Verein. Selbst während des Spiels waren vereinzelt noch Pfiffe zu hören. Damit musste der 26-Jährige umgehen. Mit selbstbewusstem Auftreten, später einigen Grätschen und öffnenden Pässen leitete er direkt zu Beginn eine erste Chance ein. Auch die restliche Mannschaft von Niko Kovac, der im Angriff auf Serhou Guirassy und Fabio Silva setzte, begann druckvoll.

Dass eigentlich Bayer der Klub war, der im Kampf um die Plätze in der Königsklasse unter großem Druck stand, war am Anfang nicht unbedingt zu erkennen. Loic Bade rettete auf der Linie und verhinderte so den Einschuss von Daniel Svensson (17.) – die beste Gelegenheit für den BVB zur Führung. Auf der anderen Seite machte sich Dortmund das Leben selbst schwer, als Gregor Kobel ein Abspiel missglückte und er anschließend Glück hatte, dass ihm Stürmer Montrell Kofane den Ball genau in die Arme schoss (32.). Das Spiel verlor zunehmend an Intensität und neutralisierte sich, bis Robert Andrich kurz vor der Halbzeitpause plötzlich eine zündende Idee hatte.

Jubel über das 1:0: Robert Andrich (r.) klatscht mit Ibrahim Maza ab.
Jubel über das 1:0: Robert Andrich (r.) klatscht mit Ibrahim Maza ab.© Getty Images | Christof Koepsel

Ramy Bensebaini und Silva waren sich uneinig und der angefangene Pass landete 25 Meter vor Kobels Kasten beim EM-Teilnehmer von 2024. Andrich zog ohne zu zögern ab und staunte selbst, als der Ball exakt in der linken Ecke einschlug. Kobel schaute nur hinterher. Es war bereits der zweite Leverkusener Torjubel in dieser Saison im Signal-Iduna-Park. Denn schon im Dezember hatte Bayer den BVB aus dem DFB-Pokal geworfen und damit die größte Titelchance der Dortmunder mit einem dreckigen 1:0-Sieg zunichtegemacht.

Nach dem Wiederanpfiff herrschte dann plötzlich Stille im Signal-Iduna-Park: Beide Fangruppen verzichteten auf jegliche Unterstützung, nachdem eine im Stadion begonnene Reanimation in einem Krankenwagen auf dem Weg ins Krankenhaus fortgesetzt werden musste. Diese Ereignisse nahmen sowohl das Tempo als auch die Emotionen aus dem Spiel. Kovac reagierte zwar und brachte Beier in der 59. Minute ins Spiel, später auch Talent Samuele Inacio. Doch die Fehler häuften sich, und unglückliche Aktionen wie jene von Guirassy sorgten dafür, dass die Stimmung bei den Anhängern zunehmend in Frust umschlug. Der Guineer scheiterte mit einem weiteren Versuch später noch an der Latte.