Sie zuppelten, sie zerrten, sie versuchten wirklich alles, um das Portrait von Max auszurollen. Die Fans des FC Augsburg gedachten zweier ehemaliger Ultras, doch das Bild der mammutgroßen Choreografie hing auf der Ulrich-Biesinger-Tribüne einfach fest. Und ging und ging nicht los. Nur mit ganz viel Krampf schafften sie es noch, da waren die Mannschaften allerdings schon auf dem Platz. Vielleicht war diese Szene ein Hinweis, dass dieser Abend für alle Beteiligten ein Kraftakt werden würde.

BVB gewinnt ohne Glanz, FC Augsburg stürzt ganz tief in der Krise

Borussia Dortmund siegte in einem schaurigen Fußballspiel beim Krisen-Klub von Sandro Wagner an Halloween mit 1:0 (1:0) durch ein Slapstick-Tor von Serhou Guirassy (37. Minute). Der BVB kletterte damit zumindest über Nacht auf den zweiten Tabellenplatz mit vier Punkten Rückstand auf den FC Bayern München. Das war es mit guten Nachrichten aus schwarzgelber Sicht. Denn spielerisch glänzte in der WWK-Arena an diesem Abend niemand.

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Niko Kovac hatte nach der denkwürdigen Pokal-Schlacht in Frankfurt (5:3 n.E.) die Rotationsmaschine angeworfen, auf sechs Positionen tauschte der Trainer seine Elf. Dem BVB fehlten Nico Schlotterbeck (krank) und Niklas Süle (dicker Zeh), dafür verteidigte Stürmer Maximilian Beier hinten links. Erstmals in dieser Saison überraschend im Kader stand Emre Can nach langwierigen Adduktorenbeschwerden, wurde aber nicht eingewechselt.

Die Blicke richteten sich zu Beginn des Spiels ohnehin in den Gästeblock. Die Fans von Borussia Dortmund protestierten gegen die Deutsche Fußball-Liga, warfen als Zeichen gegen Freitagsspiele zweimal Tennisbälle auf den Rasen. Spielfluss kam in der Fuggerstadt aber nicht nur deswegen nicht auf. Ohne Schlotterbeck fehlte von hinten heraus die BVB-Initialzündung, Tempo und so entwickelte sich ein Spiel, bei dem sich viele Zuschauer gedacht haben dürften: Hätte ich vielleicht doch lieber zur Halloween-Party zugesagt.

Serhou Guirassy nimmt Augsburger Torgeschenk an

Wer dazu noch Fakten brauchte: Die ersten 45 Minuten waren in der laufenden Saison über alle Spiele hinweg die Halbzeit mit den wenigsten Torschüssen. Die Tennisball-Unterbrechungen wären deshalb tatsächlich der einzige Hingucker geblieben. Doch die kriselnde Mannschaft von Sandro Wagner wollte offenbar unbedingt noch negativ auffallen.

Pure Emotionen beim BVB! Last-Minute-Sieg gegen Köln, Pokalkrimi in Frankfurt - in Dortmund entsteht ein neues Wir-Gefühl. Wo kann es für die Mannschaft hingehen, welchen Einfluss hat Trainer Niko Kovac und was muss noch besser werden? Darüber sprechen die Experten Christian Woop und Jonas Ortmann gemeinsam mit Moderatorin Linda Joy Sonnenberg in einer neuen Folge von "Echte Tiefe - den BVB verstehen".

Die 37. Minute: Waldemar Anton spielte einen mutigen Pass in die Spitze, den FCA-Verteidiger Matsima klären wollte. Doch er köpfte Massengo an und nach dieser Slapstick-Aktion stand Serhou Guirassy plötzlich alleine vor dem Tor. Der Stürmer versenkte den Ball sicher und beendete seine Torkrise nach fünf Spielen ohne Tor.

Was die gruselige erste Hälfte an Unschönheit unterbot, war der Wiederanpfiff. Aus dem BVB-Gästeblocken flogen Feuerwerkskörper, Raketen landeten dabei auf dem Rasen und trafen nur mit Glück keine Spieler. In Dortmund können sie mit der fußballerischen Darbietung jedoch zumindest leben. Wie oft hatten die Borussen solche Spiele in der Vergangenheit schon hingelegt und dabei zurückgelegen. So war der BVB wenigstens auf Kurs: Punkte ohne Schönheitspreis.

Genießt Sandro Wagner weiter das Vertrauen?

Kovac reagierte nach einer knappen Stunde und brachte Bellingham und Svensson für die schwachen Chukwuemeka und Nmecha. Jobe grätschte in der 70. Minute einmal stark dazwischen und Augsburg drückte kurz, ohne aber die entscheidende Chance zum Ausgleich zu haben.

Die Diskussion um FCA-Trainer Wagner bekommen damit weitere Schärfe. „Ich bin kein Typ, der den Kopf in den Sand steckt. Ich habe Bock auf Fußball. Ich habe Bock, eine Situation zu verändern“, sagte der 37 Jahre alte Trainer. Nach dem 0:6 gegen RB Leipzig und dem Pokal-Aus gegen den Zweitligisten VfL Bochum (0:1) wächst der Druck auf den jungen Coach, der zumindest vor den 90 Minuten die volle Rückendeckung der FCA-Verantwortlichen genoss. Für Dortmund geht es am Mittwoch erneut auswärts bei Manchester City in der Champions League weiter.