Dienstagabend, 21:17 Uhr an der Seitenlinie im Stadion Roten Erde: Annika Enderle ist gerade dabei, nach dem historischen 3:1-Erfolg der BVB-Frauen gegen Borussia Mönchengladbach in den Play-offs des DFB-Pokals die Fragen der Reporter zu beantworten, da wird es auf einmal laut. Durch die noch verbliebenen Fans auf den Rängen geht ein Raunen, gespannt richten sich alle Blicke auf die Loskugel, die Maren Meinert im Rahmen der Auslosung zur ersten Pokal-Hauptrunde soeben geöffnet hat und in die Kamera hält.
„Ähm wurden wir gerade gezogen?“, deutet Enderle die Reaktionen, die das Prozedere nur wenige Meter entfernt hervorgerufen hat, sofort richtig. „Kann ich kurz rüber?“ - und schon läuft die 24-Jährige schnell in Richtung ihrer Teamkolleginnen, die sich mittlerweile alle hinter den Fernsehkameras versammelt haben und gebannt beobachten, was als nächstes passiert: Losfee Turid Knaak greift in die Lostrommel, mischt noch einmal durch, nimmt dann eine Kugel heraus und reicht sie Meinert. Die Co-Trainerin der deutschen Nationalmannschaft dreht die Kugel auf, muss kurz schmunzeln und sorgt dann für Ekstase bei allen Beteiligten - niemand geringeres als der FC Bayern München wird Ende September für die erste Hauptrunde nach Dortmund kommen.
BVB-Coach Högner: „Hatte gehofft, Bayern erst in der Runde danach zu bekommen“
„Das ist natürlich aktuell der beste Verein in Deutschland und wir wollen uns immer mit den Besten messen“, freut sich Enderle noch leicht ungläubig und ergänzt schmunzelnd: „Ich würde sagen, es ist eine coole Aufgabe und die Fans haben auf jeden Fall schon Bock.“ Man kann kaum das eigene Wort verstehen, so laut hallt der Klassiker „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ in diesem Moment von den Rängen.

„Ja, Bayern – was soll man dazu sagen“, reagiert wenig später auch ein lachender Markus Högner auf die anstehende Aufgabe seines Teams im DFB-Pokal. „Ich habe schon gehofft, dass wir eine Mannschaft aus der Bundesliga bekommen, die eher im unteren Mittelfeld anzutreffen ist und erst danach dann die Bayern - aber wir nehmen es jetzt natürlich so, wie es ausgelost ist. Man hat ja auch an der Reaktion der Zuschauerinnen und Zuschauer gesehen, dass das ein riesiges Highlight ist und ich freue mich jetzt schon.“
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Das Duell mit dem FC Bayern wird die bislang größte Herausforderung in der noch jungen Geschichte der BVB-Frauen. In der vergangenen Saison feierten die Münchenerinnen den Gewinn des dritten Meistertitels in Serie und sicherten sich zudem, nach zehnjähriger Dominanz des VfL Wolfsburg, zum zweiten Mal den DFB-Pokal. Erstmals gehen die Fußballerinnen des FC Bayern somit als amtierende Double-Siegerinnen in eine neue Spielzeit.
BVB-Frauen im Westfalenstadion? Fans fordern Pokalkracher auf großer Bühne
„Als wir den FC Bayern als Gegner gezogen haben, waren Freude und Respekt gleichermaßen groß“, beschreibt BVB-Kapitänin Paula Reimann den Moment der Auslosung später. „Für uns ist es ein Traum, gegen eine der besten Mannschaften Europas antreten zu dürfen.“ Auch wenn das Duell mit den Münchenerinnen erst zwischen dem 27. und 29. September - die zeitgenaue Ansetzung folgt in Kürze - stattfindet: „Die Vorfreude ist schon jetzt riesig“, erklärt Stürmerin Dana Marquardt, die die Dortmunder Hauptrunden-Teilnahme mit ihrem späten Treffer gegen Gladbach gesichert hatte.

„DFB-Pokal ist immer einfach ultrageil finde ich, dieses Alles oder Nichts“, begründet die 27-Jährige die vorherrschende Euphorie und sieht durchaus auch Vorteile für den BVB: „Als unterklassiges Team hat man nie was zu verlieren und kann eigentlich nur gewinnen. Und dass wir zuhause spielen, kann schon sehr viel ausmachen. Ich glaube jeder, der heute, beim Spiel gegen Juve oder Schalke hier war, weiß, was das für uns bedeutet und auch bewirken kann.“
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Um die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Sensation noch zu erhöhen, fordern viele Fans in den sozialen Medien, den Pokalkracher ins Westfalenstadion zu verlegen. „Wir machen die Hütte voll“, sind sich einige sicher und wollen, dass der Verein diese Chance nutzt, um eine neue Rekordkulisse auf Vereinsebene im deutschen Frauenfußball aufzustellen. Unabhängig davon, in welchem Stadion das Spiel Ende September gespielt wird, Spielführerin Reimann verspricht: „Wir werden alles geben, um dieses historische Spiel zu genießen - und vielleicht für eine Überraschung zu sorgen.“




