Als Schiedsrichterin Julia Boike die Play-off-Partie im altehrwürdigen Stadion Rote Erde am Dienstagabend abpfiff, kannte der schwarzgelbe Jubel keine Grenzen mehr. Mit einem leidenschaftlichen 3:1-Erfolg gegen den klassenhöheren Rivalen Borussia Mönchengladbach haben die Fußballerinnen von Borussia Dortmund ein weiteres Kapitel ihrer noch jungen Erfolgsgeschichte geschrieben – und sich eindrucksvoll in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals gespielt.

„Das fühlt sich gerade sehr gut an, was soll ich auch anderes sagen“, strahlte BVB-Stürmerin Dana Marquardt. „Klar, es war ultra anstrengend, aber grundsätzlich ist der Matchplan, den wir hatten am Ende super aufgegangen. Wir wollten uns nicht davon einschüchtern lassen, dass wir hier der Underdog sind, sondern das eher als Chance nutzen und beflügelnd wirken lassen. Wir hatten nichts zu verlieren, konnten alles reinwerfen und das hat super funktioniert. Ich glaube das sagt schon relativ viel aus, wenn man hier als Regionalliga-Aufsteiger einen Zweitligisten 3:1 besiegen kann.“

Auch interessant

Auch Markus Högner war nach seinem ersten Pflichtspiel als Dortmund-Coach zufrieden. „Ich freue mich total, direkt mit einem Erfolgserlebnis zu starten, auch wenn man es mir vielleicht nicht so ansieht“, sagte der 58-Jährige und erklärte: „Ich bin eher so der stille Genießer, bin ja jetzt auch schon etwas älter und habe schon viele Spiele auf dem Buckel.“ Allerdings: „Meine Nerven sind schon auch sehr strapaziert worden.“

BVB nutzt Chaos im Gladbacher Strafraum zur Führung

Die Dortmunderinnen, auf dem Papier der Underdog, dominierten die Anfangsphase. „Wir haben echt losgelegt wie die Feuerwehr, da war ich selber etwas überrascht“, gestand Marquardt. Nach etwa einer Viertelstunde, in der sich der BVB mehrere Torchancen erarbeiten konnte, fanden die Gäste langsam besser in die Partie. „Wir haben so ein bisschen den Zugriff verloren und hatten auch das Zentrum nicht mehr richtig unter Kontrolle“, analysierte die 27-Jährige.

Gladbach habe in dieser Phase gezeigt, dass „sie auch echt gut zocken können - die hatten eine gute Positionierung und mit Miray Cin auf der Zehn eine sehr gute Technikerin“, ergänzte Högner. Die Gäste schafften es in der Folge häufiger, offensive Akzente zu setzen, konnten die schwarzgelbe Hintermannschaft aber nie wirklich vor Probleme stellen. „Wir hatten Stabilität, wir waren kompakt und hatten eine sehr gute Viererkette“, lobte Högner.

Ronja Leubner jubelt über ihr Tor zum 1:0 für den BVB.
Ronja Leubner jubelt über ihr Tor zum 1:0 für den BVB.© Instagram @bvb09frauen | Borussia Dortmund

Unmittelbar nach der besten Gladbacher Chance durch Alina Abdii (30. Minute) übernahm Schwarz-Gelb wieder die Spielkontrolle. Angriff um Angriff rollte nun auf das Tor von Gladbach-Keeperin Jil Frehse, die sich in Minute 40 erstmals geschlagen geben musste: Nach einem Freistoß stimmte die Zuordnung in der neu-formierten Gladbacher Abwehr - Rechtsverteidigerin Yvonne Zielinksi war unmittelbar zuvor verletzt vom Platz getragen worden (39.) - nicht, sodass der Ball über Umwege bei Ronja Leubner landete, die aus sechs Metern wuchtig zur Dortmunder Führung traf.

Auch interessant

BVB-Stürmerin Enderle: Eine Frau für die wichtigen Tore

Kurz vor der Pause hatte Marquardt sogar noch die Chance, direkt das 2:0 nachzulegen. Dortmunds Nummer 9 war im Strafraum von der eingewechselten Elize Celissen zu Fall gebracht worden, scheiterte vom Punkt aber an Frehse, die die Ecke geahnt hatte (44.). „Jetzt ist das egal, direkt danach habe ich mich aber natürlich geärgert“, sagte Marquardt, „dann ist halt auch wichtig: Scheißegal, Mund abwischen und wieder alles geben, was einen für das Team wichtigmacht.“

Diese Mentalität brachte der BVB nach Wiederanpfiff durch mutigen Angriffsfußball auf den Rasen. „Wir haben in der Kabine vom Trainer nochmal Anweisungen bekommen, wie wir richtig zulaufen und dann hat es umso besser funktioniert“, erklärte Annika Enderle. Die ehemalige Essenerin hatte in der 55. Minute die wohl beste Möglichkeit, die Dortmunder Führung auszubauen, als sie nach einem gut getimten Steilpass frei vor Frehse auftauchte, sich von der herauseilenden Keeperin jedoch abdrängen liess.

Annika Enderle baute die Dortmunder Führung im zweiten Durchgang aus.
Annika Enderle baute die Dortmunder Führung im zweiten Durchgang aus. © BVB | Borussia Dortmund

Das 2:0 für den BVB sollte etwas später dennoch fallen: In der 69. Minute eroberte Leubner im Mittelfeld den Ball und spitzelte ihn im Fallen weiter auf Enderle. Dieses Mal entschied sich die 24-Jährige dagegen, Frehse auszudribbeln und beförderte den Ball stattdessen souverän über sie hinweg ins Tor. „Die erste Chance hätte ich eventuell schon machen können“, gestand Enderle, „aber ich bin froh, dass ich noch getroffen habe und der Mannschaft dadurch helfen konnte.“

Auch interessant

BVB gegen Borussia Mönchengladbach: Entscheidung kurz vor Spielende

Auch mit der Zwei-Tore-Führung spielten die Dortmunderinnen weiter munter nach vorne. Entgegen des Spielverlaufs fiel dann allerdings der Anschlusstreffer: Nach einer Flanke von der rechten Seite klärte Rechtsverteidigerin Jenske Steenwijk den Ball unglücklich genau in die Füße der aufgerückten Miriam Arici, die aus sieben Metern platziert einschob (76.).

Angetrieben von neuer Hoffnung drehten die Gladbacherinnen nochmal auf. Die eingewechselte Flaka Aslanaj versuchte in der 85. Minute die weit vor ihrem Kasten stehende BVB-Keeperin Laura van der Laan aus der Distanz zu überwinden, ihr Abschluss landete jedoch nur auf dem Tornetz. Quasi direkt im Gegenzug sorgte Marquardt dann auf der anderen Seite für die Entscheidung: Steenwijks präzise Flanke aus dem rechten Halbfeld nickte die Stürmerin aus elf Metern platziert ins rechte untere Eck ein - 3:1 für den BVB.

Da ist die Entscheidung: Dana Marquardt ballt nach ihrem Treffer zum 3:1 in der 89. Minute die Faust.
Da ist die Entscheidung: Dana Marquardt ballt nach ihrem Treffer zum 3:1 in der 89. Minute die Faust.© Instagram @bvb09frauen | Borussia Dortmund

Sie sei sehr froh, dass es für sie nach ihrem verschossenen Elfmeter doch noch mit einem Treffer geklappt habe, erklärte Marquardt erleichtert, befand aber: „Wir hätten eindeutig noch mehr Tore machen können.“ Auch ihr Trainer haderte etwas mit der Chancenverwertung seines Teams, war am Ende aber vor allem stolz: „Wir können das Spiel sicher früher entscheiden, das ist uns nicht gelungen, aber ich muss den Mädels trotzdem ein Riesenlob aussprechen. Die haben wirklich von der ersten bis zur letzten Minute total gefightet. Deswegen sind wir am Ende der verdiente Sieger!“