Am Ende brauchte Katharina Filter einen Schubs. Als ihr Name durch die Lautsprecher schallte, schoben ihre Kolleginnen die 26-Jährige mit anerkennenden Schulterklopfern nach vorne, damit sich die Torhüterin die Auszeichnung zur Spielerin des Spiels abholen konnte. Die 9049 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Dortmunder Westfalenhalle brachen in Jubel aus, feierten die gebürtige Hamburgerin, die sie zuvor selbst von den Sitzen gerissen hatte.

Mit einer 36:18 (16:6)-Machtdemonstration gegen Montenegro haben die deutschen Handballerinnen am Donnerstagabend den fünften Sieg in ihrem fünften Spiel bei der Heim-WM gefeiert. Dadurch stehen sie schon vor ihrem abschließenden Hauptrundenspiel am Samstag (18 Uhr/sporteurope.tv) als Gruppensiegerinnen fest und treten am Dienstag (17.15 Uhr/ZDF) ebenfalls in der Westfalenhalle im Viertelfinale an.
Filter: „Fehler muss man heute nicht suchen“
Dass sich das Team von Bundestrainer Markus Gaugisch nun schon vorzeitig auf diese Aufgabe einstimmen kann, hat viel mit Frohnatur Katharina Filter zu tun. Mit elf Paraden brachte die Torhüterin des dänischen Topklubs Team Esbjerg ihre Gegenspielerinnen zur Verzweiflung und die Halle zum Toben. Nicht nur das: Sie erzielte selbst drei Treffer quer übers Feld – lag damit zwischenzeitig sogar nur knapp hinter den besten Feldwerferinnen. Sie hält für Deutschland, sie trifft für Deutschland.
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Wie im Rausch verliefen die nahezu perfekten ersten 15 Minuten. So lange dauerte es, bis Montenegro – durchaus keine Hobby-Truppe, sondern gespickt mit Champions-League-Spielerinnen – erstmals einen Ball in Filters Tor unterbringen konnte: zum 1:9. „Die Anfangsphase war krass“, attestierte Gaugisch. Es passte alles: die erneut starke Abwehrleistung, die gut ausgespielten Gegenstöße. „Fehler muss man heute nicht suchen“, sagte Filter. „Diesen Schwung müssen wir jetzt einfach mitnehmen.“
Katharina Filter zeigt erst vier Paraden und wirft dann ein Tor
Nach vier Paraden am Stück machte Filter den Treffer zum 6:0 dann selbst. „Tore werfen macht sehr viel Spaß“, sagte die 1,81 Meter große deutsche Nummer eins. Sie wolle das aber künftig wieder qualifizierteren Kräften überlassen. „Drei aus drei – so eine gute Quote habe ich sonst nicht.“ Später fischte sie einen Ball wie beim Football rückwärts durch ihre Beine von der Torlinie. Ob sie hielt oder traf: Die Fans flippten aus. „Dafür spielen wir Handball, dafür sind wir hier“, sagte sie zur Begeisterung auf den Rängen. „Es freut mich, dass so viele für uns in die Halle kommen, dass wir diese Bühne bekommen.“

Nach 20 Minuten und der ersten Zehn-Tore-Führung war die Partie quasi entschieden. Gaugisch nutzte dies, um allen seinen Spielerinnen Einsatzzeit zu geben. „Ich bin stolz auf diese Mannschaft“, sagte Filter. „Dass wir mit dieser Ruhe durchgespielt haben, abgezockt waren, die Breite genutzt haben.“ Die Höhe des Sieges solle nicht darüber hinwegtäuschen, dass man es mit einem guten Gegner zu tun hatte. Aber: „Wir haben einfach nichts zugelassen.“ So ausgelassen Katharina Filter ihre eigenen Glanztaten auf der Platte feiert, so sehr freut sie sich für ihre Kolleginnen: „Alles, was kein Tor ist, ist ein guter Job von uns. Am Ende sind wir ein Team.“
Spanienspiel am Samstag in Dortmund ist ausverkauft
Auch wenn dessen Konzentration nun zunächst dem Spanienspiel gilt („Wir haben eine ausverkaufte Halle, der wollen wir was bieten“), so geht der Blick natürlich Richtung Viertelfinale. „Das Spiel, von dem alle die ganze Zeit reden, ist jetzt fast da“, sagte Filter und betonte: „Egal, wer da kommt: Ich denke, wir können jeden schlagen.“ Die wahrscheinlichsten Gegner heißen Brasilien oder Schweden.

Bislang hatte Katharina Filter vor jedem WM-Spiel ein gutes Gefühl, „ich vertraue der Mannschaft so sehr“. Ihre Mitspielerinnen wiederum schätzen sie als „absoluten Rückhalt“, verrät Abwehrchefin Xenia Smits. Und: „Sie ist unser Sonnenschein, immer am Strahlen, immer positiv.“

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Ihr sonniges Gemüt ist es vielleicht auch, was Katharina Filter immer wieder an den Strand, oder zumindest in den Sand lockt. Wäre sie nicht Handballerin, so verriet sie neulich, wäre sie wohl Beachvolleyballerin geworden. Passend: Mit den Beachhandballerinnen wurde Katharina Filter schon Europameisterin, Weltmeisterin und World-Games-Siegerin. Was ihr fehlt, ist ein Titel in der Halle. Sie wird alles dafür geben, dies zu ändern. Mit Paraden. Mit Toren.






