Die Westfalenhalle verdunkelt sich, ein dumpfer Bass rollt durch die Reihen. Sekundenlang herrscht gespannte Stille – dann bricht das Riff los. „Ich will…“ dröhnt es aus den Lautsprechern, hart, fordernd, kompromisslos. Im selben Moment ruft Philip Brzezinski, der Master of Ceremonies, den Namen von Martin Schindler aus. Als er die Treppe raufgeht, heizt er per Geste die Fans an. Passender könnte die Worte „Ich versteh‘ euch nicht“ im Lied von Rammstein nicht aus den Boxen ertönen. Es sollte ein besonderer Abend für Schindler bei der European Darts Championship in Dortmund werden.

+++ Darts-EM: Schindler bricht EM-Fluch! Nerven-Drama in Dortmund +++

Immer und immer wieder hallte es „Martin Schindler Olé“ im Chor von den Rängen, schon bevor der erste Pfeil des 29-Jährigen in seiner Partie gegen den Engländer Dave Chisnall flog. Als dieser dann wenig später in der Triple 20 landete, war das Publikum voll da – bereit für den ersten EM-Sieg überhaupt von Deutschlands bestem Spieler. Gebremst wurde die Euphorie der Fans von einem zwischenzeitlichen 0:3 aus Sicht des Straußbergers.

Schindler wird nach Mega-Comeback von Dortmunder Publikum gefeiert

Doch dann drehte Schindler auf: Zwei Elf-Darter, einmal mit 14 Pfeilen ins Glück. Plötzlich stand es 3:3 – und die Zuschauer längst auf den Bierbänken im Innenraum der Westfalenhalle. Mit jeder guten Aufnahme des Deutschen wurde es lauter, die Hoffnung beim Nerven-Krimi lebte bis zu letzten Sekunde. „Es gab viele Gesänge, leider auch viele Buh-Rufe und Pfiffe – so ist das halt. Aber es war trotzdem viel Unterstützung da, das hat mich sehr gefreut“, sagte Schindler. Auch mithilfe der Fans machte er im Decider per 6:5 alles klar.

GER, PDC European Championship 2025
Martin Schindler ließ seinen Emotionen nach dem dramatischen Sieg bei der EM in Dortmund freien Lauf.© IMAGO/Nordphoto | IMAGO/nordphoto GmbH / Christian Schulze

Wie ein Flummi trieb es Schindler nach seinem entscheidenden Treffer auf der Doppel 20 über die Bühne. Ausgelassen feierte das Publikum ihren heimischen Helden. „Ich freue mich auf die nächsten Tage, wo es noch voll wird. Selbst das heute war schon gut, aber ich glaube, da war trotzdem noch mehr Luft und Potenzial hinter“, so Schindler. Etwas hat das Publikum gebraucht, um sich am Donnerstagabend in Dortmund in die passende Laune zu singen.

Ich freue mich auf die nächsten Tage, wo es noch voll wird. Selbst das heute war schon gut, aber ich glaube, da war trotzdem noch mehr Luft und Potenzial hinter.

Martin Schindler

Vor allem ein Spieler kurbelte die Fans mit seinem Walk-On an. Der Australier Damon Heta, Publikumsliebling und Spaßvogel, ist ohnehin dafür bekannt, den Zuschauern auf internationalem Boden abseits von England mit lokalen Hits entgegenzukommen. Beim Song „Links Rechts“ von den Snollebollekes wussten alle, was sie zu tun hatten. Auch „The Heat“ sprang mit seinem unverkennbaren Feuerhut im Takt zur Seite.

Ex-Weltmeister sorgen für Stimmung: 33.000 Zuschauer beim Darts-Wochenende

Ähnlich sah es auch beim Schotten Peter Wright aus. Auch er zündete zu „Don‘t Stop the Party“ von Pitbull wie gewohnt mit seinen Side-Steps von der einen zur anderen Seite der Bühne die Menge an. Einige Herzen wurde anschließend aber gebrochen, denn „Snakebite“ verlor mit 2:6 gegen den Engländer Ross Smith. 2023 konnte der Schotte das Turnier in Dortmund noch gewinnen. Nachdem er bereits im Vorjahr mit 0:6 gegen den Niederländer Jermaine Wattimena in seinem Auftakt-Match rausflog, war nun erneut in Runde eins Schluss. Nach abfallenden Leistungen in den vergangenen zwei Jahren und nun dieser Niederlage rutscht der zweifache Weltmeister auf Rang 30 der Weltrangliste ab.

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Auch als der dreifache Weltmeister Michael van Gerwen dann an der Reihe war, wurde es zu den White Stripes gewohnt laut. Zur Melodie dröhnte der Name des Niederländers durch die Halle. Er gewann seinen Auftakt gegen Landsmann Wessel Nijman wie Schindler mit 6:5 im Decider.

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Nicht nur akustisch, sondern auch optisch waren die Darts-Fans in Dortmund am Donnerstag wie so oft gut aufgelegt. Gruppen in Lorax-Kostümen, wandelnde Biergläser, Männer in Prinzessinnen-Kleidern oder die schlichte Afro-Perrücke – alles war zwischen und auf den Bänken zu sehen. Der erste EM-Tag hat Lust auf mehr gemacht. Mehr Zuschauer wird es in jedem Fall geben. Rund 3000 waren es zum Start. In den verbleibenden fünf Sessions wird die Zahl insgesamt auf über 33.000 ansteigen. Es ist mal wieder ein neuer Rekord in Dortmund. Klar ist: Wenn die beiden übrigen Deutschen Niko Springer und Ricardo Pietreczko am Freitag auflaufen, wird die Westfalenhalle sich wieder von seiner lautesten Seite zeigen.