Als der Mann, der Bayer Leverkusen vom Vize-Fluch erlöste, noch in den Katakomben stand, ertönte sein Name bereits durch die BayArena. „Xaaaaaabi! Xaaaaaabi!“ Immer und immer wieder. Auf Alonso, 43, schauten am Sonntagnachmittag alle. Nach Double-Sieg in der vergangenen Saison und fast drei Jahren im Rausch wird der Spanier weiterziehen. Real Madrid, darauf deutet alles hin, wird sein neuer Verein.

Wöchentlich

Sport-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Mit unserem täglichen Newsletter verpassen Sie nichts, was die Sport-Welt bewegt.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Er müsste schon das Bernabeu versetzen, um für die Königlichen das zu werden, was er für Bayer Leverkusen ist. Vor seinem letzten Heimspiel als Werkself-Trainer bekam er ein Straßenschild mit der Aufschrift Xabi-Alonso-Allee geschenkt. Schon da, währenddessen und vor allem danach bekam er grenzenlose Zuneigung. Gegen Herzschmerz hilft nicht mal Aspirin.

Bayer-Trainer Xabi Alonso musste im letzten Heimspiel eine Niederlage hinnehmen.
Bayer-Trainer Xabi Alonso musste im letzten Heimspiel eine Niederlage hinnehmen.© Jan Fromme/firo Sportphoto | Jan Fromme

BVB hat nur einen Punkt Rückstand auf SC Freiburg

Die 2:4 (1:2)-Niederlage gegen Borussia Dortmund war da am Sonntagnachmittag letztlich nur ein größerer Schönheitsfehler. Für die Gäste aus dem Ruhrgebiet aber könnten die drei Punkte nach Toren von Julian Brandt (33.), Julian Ryerson (43.), Karim Adeyemi (73.) und Serho Guirassy (77.) – für Leverkusen trafen Jeremie Frimpong (31.) und Jonas Hofmann (90.) – die wichtigsten der Saison gewesen sein. Vor dem letzten Spieltag, vor der Partie gegen Absteiger Holstein Kiel, fehlt weiterhin nur ein Punkt auf einen Champions-League-Platz. Die Tordifferenz spricht im Fernduell mit dem SC Freiburg für Schwarz-Gelb.

Der Abschied Alonsos „wird einen Extra-Push geben“, hatte Sebastian Kehl vor Anpfiff befürchtet. Und Dortmunds Sportdirektor sollte recht behalten. Die Feierlichkeiten eröffneten eine absurde erste Hälfte. Denn die Leverkusener, sie spielten in bester Alonso-Manier auf. Als ob der bereits feststehende Vize-Meister selbst noch Punkte sammeln müssten, um sich für die Champions League zu qualifizieren. Angriff um Angriff rollte auf das BVB-Tor zu. Die Dortmunder ließen es an vielen Stellen vermissen. Sie kamen nicht in die Zweikämpfe, boten Räume, liefen meist hinterher, zogen im Wettstreit um die zweiten Bälle häufiger den Kürzeren. Florian Wirtz machte was er wollte. Nur eben kein Tor schießen, weil der herausragende Torwart Gregor Kobel alle Versuche parierte. Mit dem Fuß, mit dem Arm. Der Schweizer Krake, die sich beim Latten-Kopfball von Amine Adli in der Nachspielzeit noch auf sein Glück verlassen konnte.

BVB gegen Leverkusen: Frimpong bringt Bayer in Führung

Und das führte dazu, dass der völlig unterlegene BVB zur Pause mit 2:1 führte. Ein Spielverlauf, der zu dieser merkwürdigen Saison passte. Einmal hatten die Leverkusener Kobel bezwungen. Julian Brandt und Daniel Svensson ließen Wirtz gewähren. Der legte ab auf Jeremie Frimpong – 1:0 (31.), dank eines Schlenzers in den Winkel.

Auch interessant

Der BVB war nicht gebrochen, im Gegenteil: Plötzlich spielten die Gäste, die im Vergleich zum 4:0 gegen den VfL Wolfsburg in der Vorwoche unverändert blieben, mit. Pascal Groß spielte in die Schnittstelle zu Karim Adeyemi, der spielte in den Rückraum auf Brandt – der Ausgleich. Zehn Minuten später ergrätschte Ramy Bensebaini den Ball. Über Brandt und Groß landete die Kugel bei Julian Ryerson. Der Norweger hatte genügend Zeit, um den Ball in der linken Ecke zu versenken. Auch Nationalspieler Jonathan Tah, der Leverkusen verlassen wird und ebenfalls verabschiedet wurde, konnte das nicht verhindern.

BVB gegen Leverkusen: Adeyemi und Guirassy sorgen für Entscheidung

BVB-Trainer Niko Kovac nahm in der Halbzeit einen Wechsel vor. Marcel Sabitzer kam für den gelb-vorbelasteten Felix Nmecha. Beinahe hätte der Österreicher gleich ein Tor auf dem Rasen mit bejubeln dürfen. Svensson war die linke Seite entlang geschickt worden, Adeyemi fehlten bei der Hereingabe in der Mitte nur wenige Zentimeter Schuhgröße, um das dritte Dortmunder Tor zu schießen (53.).

Karim Adeyemi (r.) entkommt Leverkusens Jonathan Tah und trifft zum 3:1 für den BVB.
Karim Adeyemi (r.) entkommt Leverkusens Jonathan Tah und trifft zum 3:1 für den BVB.© Jan Fromme/firo Sportphoto | Jan Fromme

Das Tempo ließ nun nach, die Partie wurde zu einem lauen Sommerkick. Erst in den letzten 20 Minuten gab es Strafraumszenen. Edmond Tapsoba und Piero Hincapie rutschten an einer Grimaldo-Flanke vorbei (72.). Und im Gegenzug sorgte Adeyemi nach einem Konter und Zuspiel von Brandt für die Entscheidung (73.). Serhou Guirassy legte das vierte Tor nach (77.), der eingewechselte Jonas Hofmann brachte Leverkusen noch einmal heran – zu spät (90.). 4:2, ein Ergebnis, das die Spielanteile konterkarierte. Das allerdings interessierte am Ende weder Dortmunder Königsklassen-Jäger noch Leverkusener Alonso-Jünger.