Können Giraffen lachen? Im Zoo sah ich das noch nie, aber vielleicht ist es in freier Wildbahn lustiger. Ob die „KI“ Bescheid weiß? Tatsächlich, sie teilt mir mit, dass die langhalsigen Tiere primär über Infraschall kommunizieren – ein Brummen unterhalb unserer Hörgrenze. Deshalb galten Giraffen lange Zeit als stumm. Sie brummen, schnauben oder grunzen vor allem nachts; und Emotionen wie Freude äußern sie nicht durch Lachen, sondern durch ihr Verhalten. Sind sie beunruhigt, prusten, zischen oder knurren sie. Wieder was gelernt.

Seit einiger Zeit stelle ich der Künstlichen Intelligenz gern Fragen, auf die ich selbst nie gekommen wäre – einfach, um zu sehen, was sie daraus macht. Und damit bin ich nicht allein. Millionen Deutsche nutzen täglich KI-Chatbots als Informationsquellen – auch für ernsthafte Anliegen und Fragen. Für viele ersetzen sie bereits die klassische Google-Suche.

Zweiter Versuch: Was haben Giraffen mit Affen gemeinsam? Immerhin teilen sie die meisten Buchstaben. Die Auskunft fällt kurz aus: Beide sind Säugetiere. Also gab es nie ein Tier namens Gir, das sich mit einem Affen paarte und kleine Giraffen großzog.  

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„Haben Spanier Toaster?“

Vom Tier zum Toast: Neulich bezeichnete „Let's-Dance“-Juror Joachim Llambi eine Tanzdarbietung als so schlaff wie sein Toastbrot vom Vortag. Diese garstige Kritik des halbspanischen Bankkaufmanns (ja, auch das hat er gelernt) aus Duisburg inspirierte mich zur nächsten Frage: „Haben Spanier Toaster?“ Laut KI stehen in vielen spanischen Haushalten tatsächlich Toaster – klassische Schlitz-Toaster ebenso wie Sandwichgeräte. Dass senkrechte Röstgeräte „Schlitz-Toaster“ heißen, wusste ich noch gar nicht. Sind Schlitze nicht eigentlich schmaler? Egal.

Ich lerne des Weiteren von der KI, dass spanische Menschen „typischerweise zum Frühstück eher geröstetes Baguette (Tostada) mit Tomate, Olivenöl und Salz oder mit Butter und Marmelade“ essen als verpacktes Toastbrot. Aber die Plastikpackung isst man doch hier auch nicht mit. Im südeuropäischen Land sind zudem „Torrijas“ beliebt, „eine Art armer Ritter“, meist in der Pfanne zubereitet, verkündet die KI. Da hat das „übliche Haushaltsgerät“ Toaster dann Pause.

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Immer auskunftsbereit: KI-Chatbots beantworten heute Millionen Fragen täglich – von ernsthaften Wissensfragen bis zu kuriosen Alltagsrätseln.© Getty Images | wenich-mit

Apropos Marmelade: Schmeckt der süße Fruchtaufstrich auch zu, sagen wir, Blumenkohl? Dieses weiße Knubbelgemüse gilt ja eher als schlaff schmeckend und wird vielfach von Kindern verabscheut. Ob Marmelade den Blumenkohl leckerer macht? Oder mundet er mit Erdbeerkonfitüre-Topping erst recht schlecht? Die KI ist der Ansicht, dass der Kohl „sehr gut mit süßlichen Komponenten wie Marmelade, Chutneys oder Konfitüren“ schmeckt. Und warum? „Sein mildes, leicht nussiges Aroma bildet einen perfekten Kontrast zu süß-sauren Noten.“ Ach so! Der künstliche Gourmet wartet auch gleich mit einer „speziellen Empfehlung“ auf: gerösteter Blumenkohl mit Hagebutten-Chutney. Selbiger „harmoniert auch hervorragend“ mit Zwiebelmarmelade, oft serviert mit „herzhaftem Hähnchen“. Da ist für alle was dabei, von der Veganerin bis zu Markus Söder. Mahlzeit!

Pizza mit Spaghetti als kulinarischer Trend

In der Speisekarte einer Pizzeria entdecke ich später „Pizza mit Spaghetti“ und bekomme spontan ein Völlegefühl. Die KI hält diese Kohlenhydrate-Anhäufung für einen „kulinarischen Trend, der zwei beliebte italienische Gerichte vereint“, zumal mit „cremiger Sauce“ vollendet. Da hätte man beide Geschmacksrichtungen gleichzeitig. Klasse Idee. Warum nicht auch noch Gnocchi und Tiramisu draufschichten? Viva Italia!

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Ob Giraffenbrummen oder Spaghetti-Pizza: Künstliche Intelligenz liefert Antworten auf fast alles – auch dann, wenn die Fragen ungewöhnlich sind.© Getty Images | useng

Als Hauptgründe für Pizza mit Spaghetti kennt die KI „Resteverwertung“, „Food-Trend & Neugier“ sowie „Kulinarische Fusion“: Der essende Mensch müsse sich nicht zwischen Pizza und Pasta entscheiden, sondern könne die Kombination aus weichen Nudeln und knusprigem Pizzateig genießen. Ja, das leuchtet mir ein. Wer will schon kalorienarm essen, wenn man ihm solche Spezialitäten anbietet? Bolognese oder Trüffelsoße können übrigens auch auf dem Teiggebirge thronen, teilt mir die KI mit. Schlabber, lecker, rülps …

Warum Menschen fünf Finger und Zehen besitzen

Nach so viel Essens-Philosophie denke ich an den berühmten Italiener Luciano Pavarotti, der deutliche Rundungen in der Körpermitte aufwies. Konnte der Startenor besser singen als Madonna Louise Ciccone, eher bekannt als Madonna? Die KI bleibt diplomatisch: unterschiedliche Genres, unterschiedliche stimmliche Ziele. Pavarotti gelte als einer der bedeutendsten Tenöre des 20. Jahrhunderts, bekannt für seine immense stimmliche Kraft, technische Präzision, Klangfarbe und sein Volumen. Madonna hingegen sei eine „Pop-Ikone, deren Stimme stilistisch auf Popularmusik, Tanzbarkeit und Ausdruck ausgelegt ist“. Ihre Stärken lägen im Entertainment, der Performance und der künstlerischen Wandelbarkeit. Ja, da kann ich zustimmen. Das Fazit der KI: „Pavarotti ist überlegen, da er eine klassische Gesangsausbildung auf höchstem Niveau genoss. Madonna ist eine Meisterin ihres Genres.“ Das sei ein Vergleich zwischen „Äpfeln und Birnen“. Damit kann ich leben.

Zum Schluss noch etwas Anatomie: Warum haben wir an Händen und Füßen je fünf Zehen und Finger? Weshalb nicht sechs oder vier? Auch hier hat die KI den Durchblick. Ich erfahre, dass sich „dieser Bauplan vor etwa 360 Millionen Jahren bei den ersten Landwirbeltieren (vierfüßigen Vorfahren) als stabiler Standard durchgesetzt hat“. Ganz schön lange her … Fünf Zehen und Finger hätten sich als optimale Anpassung an das Leben an Land entwickelt. Der „Bauplan“ blieb so, weil unseren „frühen fischartigen Vorfahren“, die an Land gingen, Gliedmaßen mit fünf Zehen und Fingern wuchsen. Diese Struktur funktionierte so gut, dass sie bei fast allen Landwirbeltieren erhalten blieb. Fünf Zehen bieten nämlich, so die KI, „eine ideale Balance zwischen Stabilität und Flexibilität“. Mehr als fünf Zehen brächten kaum funktionale Vorteile. Schwer zu überprüfen, da ich als Nachfahrin fischartiger Ahnen nun mal keine Extra-Zehen habe.

KI bleibt Werkzeug

So könnte das endlos weitergehen. Viele Antworten klingen einleuchtend. Aber ob immer alles stimmt, ist zu bezweifeln. Das Vertrauen in die Chatbots ist riskant, wie eine Studie der Europäischen Rundfunkunion (EBU) im vergangenen Jahr zeigte, bei der die Zuverlässigkeit der populärsten KI-Systeme getestet wurde. Das Ergebnis war beunruhigend: ChatGPT, Gemini und Co. erfinden bis zu 40 Prozent ihrer Antworten und stellen sie als Fakten dar.

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Und trotzdem: KI bietet reichlich Stoff zum Ausprobieren, Nachdenken und Weiterforschen: Warum halten wir Tiere für stumm, nur weil unsere Ohren ihre Sprache nicht hören? Und wann beschlossen unsere Vorfahren eigentlich, das Wasser zu verlassen?

Zu bedenken ist jedoch stets, dass Künstliche Intelligenz nicht intelligent im menschlichen Sinne ist. Sie kann zwar spezifische Aufgaben schneller und genauer lösen, folgt jedoch programmierten Algorithmen. Der entscheidende Unterschied zu unserem Denken besteht darin, dass KI nicht selbst reflektieren kann und kein echtes Verständnis aufbringt. KI kann Wahrscheinlichkeiten berechnen und Probleme lösen, trifft aber keine Entscheidungen im menschlichen Sinne.

Ihre „Intelligenz“ ist nur eine Metapher. Sind die Daten und die Programmierung schlecht, sind ihre Ergebnisse unzuverlässig. Außerdem verfügt sie nicht über individuelle, authentische Erfahrungen. Die KI kann nicht ersetzen, was die Evolution über viele Millionen Jahre hervorgebracht hat. Das freut mich.