Es gibt Themen, die kommen auf den ersten Blick eher staatstragend, ja sperrig daher. Die Pressefreiheit gehört dazu. Brauchen wir die Pressefreiheit überhaupt noch? Sehr viele Menschen würden diese Frage weiterhin mit Ja beantworten, auch wenn es zuletzt immer wieder Phasen gab, in denen die Arbeit von Medien kritisch beäugt wurde.

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Das ist erstmal nicht negativ, denn in einer funktionierenden Demokratie gehören Kritik und Zweifel dazu. Medien schauen den Mächtigen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und anderen Bereichen des Lebens kritisch auf die Finger, Leserinnen und Leser hinterfragen kritisch die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten. Das ist in Ordnung, das müssen sich Medien gefallen lassen. Und in der Regel macht das ihre Arbeit besser, weil sie sich immer wieder neu beweisen müssen.

Presse- und Meinungsfreiheit ist eine wichtige Säule der Demokratie

Doch es sollte weiterhin einen Grundkonsens geben: Die Presse- und Meinungsfreiheit ist eine wichtige Säule der Demokratie. Aktuell gibt es auf der Welt zahlreiche erschreckende Beispiele, was eine Aushöhlung solcher Grundrechte mit einer Gesellschaft, konkret mit dem Alltag der Menschen macht. Es beginnt mit Einschüchterungen bei der Arbeit, beim Einkauf oder im Bekanntenkreis und endet mit sozialen oder beruflichen Benachteiligungen, mit Ausgrenzung oder gar Verhaftungen.

Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, das es zu schützen gilt. Diese Aussage hören wir in Fest- und Sonntagsreden häufig. Dann wird oft das Wohl der Allgemeinheit erwähnt. Doch wer definiert das Wohl der Republik, des Landes, der Stadt, der Menschen? Der Bundeskanzler, der Ministerpräsident, die Oberbürgermeisterin, die Dezernentin, der Abgeordnete?

Die Menschen haben ein Recht auf Wahrheit, auf Transparenz, auf Einordnung

Richtig ist: Die Menschen haben ein Recht auf Wahrheit, auf Transparenz, auf Einordnung. Und die Medien haben die Pflicht, täglich ihren Beitrag zu leisten. Indem sie Wissen schaffen und zur Meinungsbildung beitragen, indem sie sich nicht von lauten Drohungen oder leisen Einflüsterungen beeindrucken lassen.

Dass Kinder im Dortmunder Norden ihre Körper verkaufen müssen, dass sie auf die Straße geschickt und sich widerwärtigen Handlungen unterziehen müssen, dass täglich Kinderseelen sterben, ist in der Stadt bekannt, im Rathaus, in Jugendämtern, in Sicherheitsbehörden. Dies alles muss an die Öffentlichkeit. Ebenso wie viele andere Schattenseiten in diesem Land. Nur eine informierte Gesellschaft ist eine mündige Gesellschaft.

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„Geben Sie Orientierung. Halten Sie uns neugierig. Klären Sie uns auf“, hatte der frühere Bundespräsident Horst Köhler einst den Journalisten zugerufen und hinzugefügt: „Ich bin sicher: Diese Aufgabe lohnt sich. Und sie bleibt.“ Genau das treibt viele Journalistinnen und Journalisten an jedem Tag, in jeder Woche an. Das motiviert sie – ebenso wie die Vergabe des deutschen Wächterpreises.