Die (Erfolgs)-Geschichte beginnt vor 99 Jahren. Damals, 1926, lässt der Schwerter Otto Dahlbüdding neben seinem Ausflugslokal am Stadtwald ein Gewächshaus errichten. Er will darin all den schönen Pflanzen, die seinen florierenden Betrieb in der Sommersaison so üppig dekorieren, eine bestmögliche Überwinterung gönnen. Aus der Idee erwächst schnell ein zweites wirtschaftliches Standbein in Form einer soliden Gärtnerei mit eigenem Zuchtbetrieb für Hortensien, Crysanthemen und andere Blüher.
Die nachfolgende Familiengeneration erweitert und intensiviert diese Palette in den 60er Jahren um ein immer größer werdendes Orchideen-Sortiment. Schließlich übernehmen die Söhne Guido (61) und Volker Schöttler (63) als Inhaber und Geschäftsführer von ihren Eltern eine gut aufgestellte Orchideen-Zucht und machen diese bis heute zu einem weltweit operierenden Unternehmen.
Familienunternehmen liefert weltweit: 150.000 Orchideen-Pflanzen in der Zucht
Auf gut 3000 Quadratmetern ziehen sie in ihren Treibhäusern gleichzeitig annähernd 150.000 Orchideen-Pflanzen der unterschiedlichsten Sorten. „Unser Preisgefüge beginnt bei 7,95 Euro und staffelt sich hoch bis 150 Euro pro Stück“, erklärt Volker Schöttler, der neben seiner Ausbildung als Handelskaufmann auch noch ein Biologiestudium absolviert hat, während sein Bruder Guido als ausgebildeter Gärtner aktiv ist.

Natürlich gebe es auch seltene und entsprechend wertvolle Orchideenzüchtigungen, die auf dem Sammlermarkt schnell mal ein paar tausend Euro kosten, sagt Volker Schöttler, doch in diesem sehr speziellen Top-Preissegment ist der Schwerter Familienbetrieb mit seinem 17 Mitarbeitern ganz bewusst nicht unterwegs. Ohnehin hat das Unternehmen nur durch seine Betriebsstrategie bis in die Gegenwart überleben können: „Wir sind praktisch auf drei parallelen Standbeinen aufgestellt“, so Schöttler. Und die sind der Verkauf direkt vor Ort, die Vermarktung für den Großhandel und schließlich der internationale Online-Verkauf, der seit 2010 eine wichtige Überlebensgröße darstellt.
Sage und schreibe 65.000 Online-Kunden in aller Welt haben die Schöttlers in ihrem Computerbestand und entsprechend gehen tausende Sendungen pro Jahr von Schwerte in viele Länder der Erde. Bis zum Beginn des Ukraine-Krieges bildeten Russland und die Ukraine ganz bedeutende Verkaufsadressen für die Orchideen-Züchter aus Schwerte, doch ist seitdem der Kontakt dorthin praktisch völlig zum Erliegen gekommen. Ähnliches gilt auch für Großbritannien, das nach dem vollzogenen Brexit und einer dadurch überbordenden Zollbürokratie ebenfalls weitestgehend als Partnerland weggebrochen ist.
Dabei ist die heimische Bürokratie mit immer neuen Auflagen allein schon belastend genug. Die Schöttler-Gewächshäuser werden nach wie vor mit Öl, Gas oder Kohle beheizt, andere alternative Energieträger machen technisch und finanziell einfach keinen Sinn: „Für unseren Betrieb benötigen wir zuverlässige Vorlauftemperaturen von 80 Grad“, erklärt Volker Schöttler und gibt sich illusionslos: „Perspektivisch machen wir meines Erachtens noch maximal sieben Jahre, dann müssen wir wohl den Laden zumachen.“ Sollte die EU-weit angestrebte CO2-Besteuerung ab 2027 die Kosten, wie von ihm befürchtet, ins regelrecht Exorbitante steigen lassen, steht die Schwerter Orchideenzucht sogar noch früher vor dem finalen Abverkauf.
Pflanzen werden manuell gepflegt: Digitalisierte Pflanzen-Manufaktur statt Hightech
Anders als die riesigen Orchideen-Plantagen etwa in den Niederlanden, die fast ausschließlich mit Computersteuerungen und Robotern funktionieren, ist der Schwerter Betrieb eine Art digitalisierte Pflanzen-Manufaktur. Sachkundige und gewissenhafte Pflege von Menschenhand sorgt hier für unbedingte und eben auch anerkannte Qualität, die auch höchsten Ansprüchen im globalen Wettbewerb seit Jahrzehnten genügt.

Aber auch bei Schöttlers gibt es natürlich Computer: Alle vorhandenen Züchtlinge sind digital erfasst. Die derartige Katalogisierung gibt innerhalb von Sekunden Auskunft, über das Alter, die Sorte, den Fortschritt des jeweiligen Wachstums und vor allem einen Hinweis zur genauen Auffindposition jeder Orchidee innerhalb der weitläufigen Gewächshäuser.
„Etwa 100.000 verschiedene Orchideen-Arten wachsen verteilt über alle Klimazonen dieser Welt“, erläutert Volker Schöttler: „Von der sibirischen Kälte mit minus 40 Grad über die gemäßigten mitteleuropäischen Temperaturen bis hin zu den tropischen und subtropischen Bedingungen Asiens und Südamerikas. Derartig extreme Klimasituationen können wir bei uns in Schwerte natürlich nicht künstlich nachbilden, und auch für hiesige Sammler und Orchideen-Liebhaber zu Hause ist das äußerst schwierig.“ Also bleibt man im temperierten Mittelmaß und verzichtet auf die exotischsten Sorten im eigenen Gewächshaus-Bestand.
Tipps für die Orchidee im eigenen Heim: Diese Pflanzen sind besonders pflegeleicht
Für Orchideen-Anfänger empfehlen die Schwerter Profis die Phalaenopsis-Orchidee, die als besonders pflegeleicht gilt und dabei dennoch sehr schön blüht. Die Cattleya sieht noch spektakulärer aus, bedarf aber schon etwas mehr Können im privaten Umgang. Die Vanda-Orchidee schließlich braucht viel Licht und Feuchtigkeit, um ihre ganze Schönheit wirkungsvoll zu entfalten. Wer mit diesem Dreischritt mit der Zeit (und den Jahren) Sicherheit und Erfahrung gewonnen hat, wird auch die höhere Schule des Orchideenwissens erreichen.

Eigentlich sei der richtige Umgang mit Orchideen auf der heimischen Fensterbank kein Geheimnis mit sieben Siegeln und schon gar kein mysteriöses Hexenwerk. Die Schwerter Orchideenzüchter geben ihren Kunden jedenfalls gern nützliche Tipps zum richtigen Umgang mit den viel bewunderten Pflanzen. Dazu gehört dann neben dem richtigen Standort, der Raumtemperatur und dem sinnvollen Gießen auch noch ein ordentliches Stück Geduld, denn längst nicht jede Orchideen-Art blüht gleich mehrfach im Jahr.
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„Lebendige Kunstwerke“ nennen die Schöttlers ihre mit Könnerschaft und Herzblut gezüchteten Pflanzen. Und das weltweite Interesse an der Schwerter Pflanzenfarm bestätigt dies immer wieder aufs Neue.
Weitere Infos: Schwerter Orchideenzucht, Bergstr. 8, 58239 Schwerte, Tel. 02304 942500, Mail: info@schwerter-orchideenzucht.de; www.shop.schwerter-orchideenzucht.de


