Im Winter hat man Äpfel noch wunderbar vertragen, im Frühjahr auf einmal nicht mehr. Der Grund dafür liegt in einer sogenannten Kreuzallergie. Dabei verwechselt das Immunsystem aufgenommene Eiweiße der Nahrung mit den Allergenen von Pollen. Hat man beispielsweise eine Pollenallergie, kann der Körper ähnlich aufgebaute Proteine als Bedrohung einstufen – mit unangenehmen Folgen!

Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien sind als Orales Allergie-Syndrom (OAS) bekannt. Bei dieser Allergievariante reagiert das Immunsystem auf bestimmte Proteine in Lebensmitteln, die den Allergenen von Pollen ähneln. Solche Kreuzreaktionen treten daher primär bei Menschen auf, die bereits unter Heuschnupfen oder anderen Pollenallergien leiden.

Diese Kreuzreaktionen gibt es bei Allergikern

Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst liefert eine eindeutige Übersicht, welche Nahrungsmittel-Kreuzallergien bei Baum- und Birkenpollen, Gräserpollen und Kräuterpollen zu erwarten sind.

  • Birkenpollen: Reaktion auf Äpfel, Kirschen, Haselnüsse, Karotten, Sellerie
  • Gräserpollen: Unverträglichkeit gegenüber Getreide, Hülsenfrüchten, Soja und Erdbeeren
  • Beißfußpollen: Beschwerden nach dem Verzehr von Sellerie, Fenchel, Gewürzen wie Anis, Paprika und Ingwer

Allergien gab es bereits im alten Ägypten

Allergien sind generell keine Erscheinung der Neuzeit. Es gab im alten Ägypten bereits Hinweise darauf, dass Menschen auf Pflanzen oder Bienenstiche allergisch reagierten. So soll Pharao Menes um 2641 v. Chr. nach einem Wespenstich gestorben sein, was als die erste dokumentierte allergische Reaktion überhaupt gilt.

Die erste medizinische Dokumentation einer Nahrungsmittelallergie hingegen stammt aus dem Jahr 1912. Der amerikanische Kinderarzt Oscar Menderson Schloss beschrieb damals eine allergische Reaktion auf Kuhmilch. Die systematische Erforschung von Kreuzallergien begann erst in den vergangenen Jahrzehnten.

Welche Symptome treten bei einer Allergie im Mund auf? 

Die typischen Beschwerden treten meist direkt nach dem Essen auf und können unterschiedlich stark ausfallen:

  • Juckreiz oder ein pelziges Gefühl im Mund- und Rachenraum
  • Schwellungen der Lippen oder Zunge
  • Tränende Augen oder laufende Nase
  • In schweren Fällen Magen-Darm-Beschwerden und Atemnot

Bei starken Allergien und großer Verzehrmenge können anaphylaktische Reaktionen auftreten, bei denen sofortige medizinische Hilfe erforderlich ist.

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Verschiedene Arten der Allergene: So verläuft die Diagnose

Zur Diagnose identifiziert ein Allergologe zunächst die zu Grunde liegende Pollenallergie. Mithilfe der molekularen Allergiediagnostik ist es dann möglich zu differenzieren, ob eine Sensibilisierung gegenüber hitze- und verdauungsstabilen Speicher- oder Lipid-Transferproteinen der Nahrungsmittel vorliegt, oder ob es sich um eine Kreuzallergie gegenüber den weniger stabilen PR-10-Proteinen handelt – was eine wichtige Information für die Ernährung im Alltag ist.

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PR-10 Proteine kommen in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Sie sind strukturell den Hauptallergenen der Birkenpollen ähnlich und lösen die Symptome des OAS aus. Klassische Lebensmittel sind Kern- und Steinobstsorten, Hülsenfrüchte, Nüsse und Gemüse. Da PR-10-Proteine hitzelabil sind, ist die Erhitzung der Speisen eine gute Selbsthilfemaßnahme, da sie durch Kochen oder Backen ihre Wirkung verlieren.

Speicherproteine haben das höhere Risiko, denn sie sind gegenüber Verdauungsenzymen und Hitze stabil. Bei den Samen und Hülsenfrüchten sind es Sesam, Linsen und Bohnen, die dieser Gruppe zuzuordnen sind. Bei den Getreidearten sind es Roggen, Weizen und Gerste. Wer unter einer Sensibilisierung gegenüber Speicherproteinen leidet, muss die Lebensmittel komplett meiden, da selbst geringe Menge schwere Reaktionen hervorrufen können.

Bei starken Beschwerden: Hyposensibilisierung kann Kreuzallergien abschwächen

Bemerkt man nach bestimmten Nahrungsmitteln Beschwerden, kann der Arzt zwei bewährte Tests durchführen. Zum einen einen Hauttest (Pricktest), bei dem Allergene direkt auf die Haut aufgetragen werden, um die Reaktion zu beobachten; und zum anderen einen Bluttest, bei dem nach spezifischen Antikörpern gesucht wird, die eine allergische Reaktion anzeigen.

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Bei stärkeren Beschwerden oder einer Pollenallergie mit Kreuzreaktionen kann eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) helfen. Sie reduziert die Empfindlichkeit gegenüber Pollen und kann langfristig auch Kreuzallergien abschwächen. Die Behandlung erstreckt sich allerdings über mehrere Jahre.