- Vor dem Kauf gilt es, die Grundvoraussetzungen für ein Balkonkraftwerk zu prüfen.
- Produkttest können bei der Orientierung helfen, aber nicht jeder Test ist gut.
- Technik-Redakteurin Dr. Lotta Kinitz von IMTEST gibt wichtige Tipps.
Vom Einsteiger-Paket mit 600 Watt Einspeiseleistung bis zum Kraftpaket mit 800 Watt und extra Stromspeicher – der Markt für Balkonkraftwerke ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Neben spezialisierten Online-Shops bieten mittlerweile auch Händler wie Aldi oder Lidl entsprechende Anlagen an. Produkttests können bei der Orientierung helfen. Doch was macht einen guten Test aus?
Darüber haben wir mit Lotta Kinitz gesprochen. Die TÜV-geprüfte Elektrofachkraft und Technik-Redakteurin testet regelmäßig Balkonkraftwerke für das Verbrauchermagazin IMTEST (gehört zur Funke Mediengruppe) und weiß, worauf es ankommt.

Ich interessiere mich für ein Balkonkraftwerk. Worauf muss ich als Verbraucher achten?
Kinitz: Für das eigene Balkonkraftwerk sind zunächst die Größen-Parameter entscheidend. Als Erstes muss genau überlegt werden, wo die Solarpanels angebracht werden können und wie viel Platz dort zur Verfügung steht. Entscheidend ist außerdem, ob klassische Module aus Glas oder flexible Solarpanels bevorzugt werden. Bei ersteren gibt es meist höhere Leistungswerte pro Quadratmeter, letztere sind dafür wesentlich leichter und ermöglichen eine einfache Montage.
Welche Wattzahl passt und wie sehr sich ein Speicher finanziell lohnen kann, lässt sich vorab beispielsweise mit dem Stecker-Solar-Simulator der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) ermitteln. Dort kann man auch den Preis des infrage kommenden Modells hinterlegen, um zu berechnen, wie schnell sich das Balkonkraftwerk amortisieren wird.
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Balkonkraftwerk mit 2000 Watt + Anker-Speicher
Dann geht es an die Recherche. Wie aussagekräftig sind Tests zu Balkonkraftwerken?
Kinitz: Richtig, wer diese Vorab-Entscheidungen ausgelotet hat, kann sich an die Recherche nach einem geeigneten Balkonkraftwerk machen. Hier kann man allerdings leicht den Überblick verlieren, da das Angebot auf dem deutschen Markt wirklich riesig ist. Produkttests können daher auf jeden Fall bei der Auswahl helfen. Worauf man dabei allerdings achten sollte: besonders hilfreich sind vor allem Tests – also Artikel, für die die zuständige Redakteurin oder der Redakteur die Balkonkraftwerke tatsächlich in der Hand hatte.
- Von HTW Berlin: Rechner zeigt mögliche Ersparnis mit Balkonkraftwerk
- Kraftpakete: Insider-Tipps zum Balkonkraftwerk mit 2000 Watt
- Brandgefahr: Ist ein Balkonkraftwerk im Altbau ein Risiko?
- Großer Check: Stiftung Warentest prüft Balkonkraftwerke
- Zuschüsse: So viel Förderung ist für ein Balkonkraftwerk möglich
- Online möglich: Wie Sie ein Balkonkraftwerk anmelden
Wie habt ihr die Balkonkraftwerke bei IMTEST getestet?
Kinitz: Viele Seiten vergleichen nur die Herstellerangaben miteinander, was im ersten Schritt ebenfalls hilfreich sein kann, aber weniger praktische Tipps beinhaltet. Bei IMTEST konzentrieren wir uns im Test von Balkonkraftwerken vor allem auf die Montage und die Wertigkeit der Produktbestandteile. Schließlich soll das Balkonkraftwerk sicher zu montieren sein und möglichst lange halten. Wir schauen uns auch die zugehörigen Apps an. So können wir beurteilen, wie hilfreich die gebotenen Informationen sind und wie übersichtlich die Smartphone-Anwendungen zu bedienen sind.
Was macht einen guten Balkonkraftwerk-Test aus?
Kinitz: Was IMTEST bisher nicht abdeckt, sind tatsächliche Leistungstests für die Solarmodule sowie Lebensdauer-Tests. Diese können ebenfalls sehr hilfreich sein – etwa um die Herstellerangaben zur Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Langzeit-Tests geben zudem Aufschluss darüber, wie beständig die Bauteile eines Balkonkraftwerks auch unter Witterungseinfluss sind. Hier muss die reale Nutzung allerdings im Labor so simuliert werden, dass ein Test nur wenige Tage oder Wochen dauert, aber dennoch eine Aussage über die Lebensdauer in Jahren geben kann. Der direkte Vergleich zwischen verschiedenen Modellen kann hier Schwachstellen aufzeigen. Die tatsächliche Lebensdauer auf dem eigenen Balkon wird allerdings auch bei der besten Simulation nicht exakt voraussagbar sein.
- IMTEST: Kleines Kraftwerk im Test – lohnt sich das Balkonkraftwerk?
- Stiftung Warentest und Co.: Die Testsieger-Balkonkraftwerke im Vergleich
- Kraftpakete: Diese Balkonkraftwerke mit 2000 Watt sind im Angebot
- Komplettsets: Balkonkraftwerke mit 800 Watt für unter 500 Euro
- Anker und Co.: Beste Speicher für Balkonkraftwerke im Vergleich
- Preistipps: Balkonkraftwerke mit 600 Watt für kleine Balkone
Können Sie konkrete Punkte nennen, auf die unsere Leser achten sollten?
Kinitz: Ja, Lesende sollten bei der Beurteilung von Produkttests vor allem auf folgende Punkte achten:
- Wurde für den Vergleich tatsächlich getestet oder werden „nur“ Herstellerdaten aufgelistet?
- Welche Bewertungskriterien und Testpunkte fließen in die Endnote ein? Sind alle davon für die eigenen Bedürfnisse relevant oder ist es sinnvoller, auf einzelne Zwischennoten zu achten?
- Voraussagen, etwa über die Lebensdauer, sind immer mit Vorsicht zu genießen. Ein Vergleich zwischen verschiedenen Modellen kann bei der Kaufentscheidung helfen. Eine absolute Aussage darüber, wann das eigene Balkonkraftwerk Leistungseinbußen, Gebrauchsspuren oder Ähnliches aufzeigen wird, kann aber nie getroffen werden.
IMTEST hat Balkonkraftwerke getestet. Was waren wichtige Erkenntnisse für die Redaktion?
Kinitz: Im 10er-Vergleichstest war ein Modell dabei, bei dem der Stecker des Balkonkraftwerks selbst an das dreiphasige Kabel angebaut werden musste. Im besten Fall verstärkt das die DIY-Atmosphäre, im schlimmsten Fall kann der falsche Zusammenbau aber auch zum Sicherheitsrisiko werden.
Ansonsten erwies es sich im Test als sinnvoll, wenn der Wechselrichter eine Anzeigen-Leuchte besitzt. So lässt sich auch ohne App immer leicht überprüfen, ob das Balkonkraftwerk seinen Dienst tut. Eine App zur Nachverfolgung der produzierten Energie ist aber dennoch praktisch. Die meisten Systeme bieten eine solche Anwendung bereits an, bei einigen ist aber auch ein Zusatzkauf für die WLAN-Fähigkeit nötig. Hier sollten Kaufinteressierte aufpassen.
Das DIY-Prinzip bei Balkonkraftwerken
Das DIY-Prinzip (Do It Yourself) spielt eine zentrale Rolle bei Balkonkraftwerken und ermöglicht es Hausbesitzern und Mietern, ihre eigenen kleinen Solaranlagen einfach und kostengünstig selbst zu installieren. Durch das DIY-Prinzip können die Komponenten eines Balkonkraftwerks, wie Solarmodule, Wechselrichter und Montageteile eigenständig zusammengebaut und angeschlossen werden.
Förderung für Balkonkraftwerk bedenken – bis zu 500 Euro möglich
Der Nachteil von günstigen Balkonkraftwerken wie von Lidl oder Netto ist oft die fehlende Halterung. Die Sets beinhalten häufig nur Solarmodule, Wechselrichter und Anschlusskabel. Als Verbraucher muss man entweder selbst kreativ werden oder sich die Halterung und das Montagematerial separat kaufen. Unter Umständen kann ein teureres Set die bessere Option sein. Viele Städte und Gemeinden vergeben für Balkonkraftwerke zudem Förderungen.
In Berlin etwa sind bis zu 500 Euro Zuschuss für ein Balkonkraftwerk möglich. Da die Förderung nicht bundeseinheitlich geregelt ist, müssen sich Verbraucher je nach Wohnort bei ihrer Kommune informieren. Teils unterscheiden sich auch die Voraussetzungen, die für die Förderung gelten. Eine grobe Übersicht über die Förderungen für Balkonkraftwerke in Deutschland bietet unser Ratgeber.




