Viele Frauen um die 40 kennen das: Die Periode kommt noch halbwegs pünktlich, aber der Körper fühlt sich plötzlich „anders“ an. Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Brainfog, stärkere Blutungen, Wortfindungsstörungen – ist das Stress, Mental Load der Mutterschaft, Rushhour des Lebens? Oder sind das schon die Wechseljahre, genauer: die Perimenopause?

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Die Verunsicherung ist groß, gerade weil klassische Lehrbuchsymptome wie eine länger ausbleibende Regel oder heftige Hitzewallungen oft noch fehlen. Frauenärztin Dr. Agnes Jacobs vom Menopause-Zentrum Frankfurt betont: „Wechseljahre“ sei eigentlich nur der Überbegriff – fachlich wird in Phasen wie späte reproduktive Phase, frühe und späte Perimenopause sowie Postmenopause unterschieden. Sie erklärt, ab wann Frauen genauer hinschauen sollten – und warum eine Analyse der Blutwerte alleine nicht reicht.

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Was bedeutet Perimenopause – und wann beginnt sie?

Perimenopause meint die Übergangszeit, in der die Eierstöcke unzuverlässiger werden, bevor die Menopause erreicht, sprich die Regelblutung ein Jahr ausgeblieben ist. Die Follikel altern mit uns, die Eizellqualität nimmt ab, und vor allem nach dem Eisprung wird Progesteron oft nicht mehr so zuverlässig gebildet. Das führt zu einer Östrogendominanz: Die Gebärmutterschleimhaut wächst stärker, Blutungen werden kräftiger, oft auch häufiger. Wichtig: Der Zyklus kann dabei laut der Expertin zunächst noch recht regelmäßig bleiben – typische Frühzeichen können „nur“ stärkere Blutungen oder leichtere Zyklusverkürzungen sein.

Gynäkologin Dr. Jacobs achtet bei ihren Patientinnen besonders auf diese acht Beschwerden:

  • Schlafstörungen und Ein-/Durchschlafprobleme – häufig Ausdruck eines Progesteronmangels, denn Progesteron wirkt beruhigend und schlaffördernd
  • Innere Unruhe, Nervosität, Gereiztheit – oft zyklusabhängig
  • Konzentrationsstörungen und Wortfindungsprobleme – gerne unter „Brainfog“ zusammengefasst
  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche, teils mit nachfolgendem Frösteln. Sie können schon bei noch regelmäßigen Zyklen auftreten und 7 bis 15 Jahre anhalten
  • Diffuse Gelenk- und Muskelschmerzen, beispielsweise in Füßen, Händen oder Rücken, durch weniger „Gelenkschmiere“ bei Östrogenmangel
  • Probleme mit dem Blutdruck
  • Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Sex
  • wiederkehrende Blaseninfekte

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„Nicht jede Frau hat alle Symptome, und nicht jede nimmt sie gleich stark wahr“, erklärt Jacobs. „Entscheidend ist, wie sehr sie die betroffene Frau im Alltag einschränken. Nicht jede Frau braucht sofort Hormone.“ Eine Hormonersatztherapie werde vor allem dann Thema, wenn die Beschwerden die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

Frühe Menopause: Wann eine Hormonersatztherapie sinnvoll ist

Eine wichtige Ausnahme: Tritt die Menopause bereits vor dem 40. Lebensjahr ein oder bleibt die Blutung mit Anfang 40 komplett aus, sollte laut der auf die Menopause spezialisierten Fachärztin aus medizinischen Gründen über eine Hormonersatztherapie nachgedacht werden – „zum Schutz von Knochen, Herz-Kreislauf-System und wahrscheinlich auch Hirnleistung und Demenzrisiko“.

Unerwartete Begleiterscheinungen der Menopause

Vermutet man, in die Wechseljahre zu kommen, sollten Frauen drei konkrete erste Schritte gehen, rät die Spezialistin:

  • Symptome dokumentieren
  • Zyklus tracken – mindestens einige Monate lang
  • Termin beim Arzt machen

Die erste Anlaufstelle ist die eigene Gynäkologin oder der Gynäkologe. Viele Praxen sind allerdings eng getaktet. Dr. Jacobs berichtet von rund zehn Minuten pro Patientin in der Kassenpraxis. Da bleibt kaum Raum für ein ausführliches Wechseljahresgespräch. Hat man das Gefühl, nicht weiterzukommen, können spezialisierte Menopause-Zentren eine Option sein. „Wir sehen hier bei den Frauen einen enormen Leidensdruck“, so Jacobs. Wegen der hohen Nachfrage würden daher neben Frankfurt und München nun auch Standorte in Hamburg und Berlin eröffnet.

Selbsttest - Wie weiß ich, ob ich bereits in der Perimenopause bin
Dr. Agnes Jacobs ist Fachärztin für Frauenheilkunde und hat sich auf die Wechseljahre spezialisiert. Im Menopause-Zentrum Frankfurt trifft sie immer wieder auf verunsicherte Frauen, die sich Unterstützung und Hilfe wünschen.© Alex Kraus | Alex Kraus

Wechseljahre: Welche Untersuchungen sind sinnvoll?

Bei ihrer Arbeit beginnt Dr. Jacobs nicht mit Hormonen, sondern mit einem ausführlichen Gespräch und einem systematischen Symptomfragebogen. Parallel empfiehlt sie, immer folgende Faktoren zu prüfen:

  • Zyklus: Dauer, Schwankungen von mehr als sieben Tagen als Zeichen früher Perimenopause, Blutungsstärke
  • Hormonstatus (FSH, LH, Estradiol, Progesteron, ggf. Androgene) als Momentaufnahme, die im Kontext der Beschwerden bewertet wird
  • Schilddrüsenwerte, da Autoimmunerkrankungen im Alter zwischen 40 und 50 häufig neu auftreten
  • Eisenstatus inkl. Ferritin und Transferrinsättigung, da bei starken oder häufigeren Blutungen Eisenmangel typisch ist
  • Nährstoffhaushalt samt Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Zink – denn Mängel sind häufig und können Müdigkeit, Erschöpfung, Haut- und Immunsystemprobleme verstärken
  • Blutzucker (HbA1c) und Blutfette, um Diabetes oder zu hohe Cholesterinwerte zu erkennen

All diese Faktoren verstärken laut Jacobs die Beschwerden, sind aber behandelbar – unabhängig von oder ergänzend zu einer Hormonersatztherapie.

Behandlung beim Arzt: Was kostet die Untersuchung – und was zahlt die Kasse?

Im Menopause-Zentrum, in dem Jacobs arbeitet, werden Leistungen privat abgerechnet. Eine Mitarbeiterin schildert, dass ein umfassendes Erstpaket mit ausführlicher Anamnese, Blutentnahme, Ultraschall, Wechseljahresberatung und Therapieplan bei ihr rund 1000 Euro kostete – viele private Krankenversicherungen übernehmen die Summe bei akuten Beschwerden jedoch im Nachhinein bei positiven Befunden komplett.

Für gesetzlich Versicherte kann es sinnvoll sein, Laborwerte (inkl. Standard-Hormone) beim Haus- oder Frauenarzt bestimmen zu lassen; das Zentrum stellt dafür eine Standardliste zur Verfügung. Auch Hormonersatzpräparate selbst sind grundsätzlich Kassenleistungen – sie müssen nur auf einem Kassenrezept verordnet werden, etwa durch eine gynäkologische oder hausärztliche Praxis. Aber das Allerwichtigste ist für Dr. Jacobs: „Keine Frau sollte sich mit ihren Beschwerden einfach alleine abfinden.“