Einsamkeit ist für viele Jugendliche in Deutschland längst kein Randthema mehr. Fast die Hälfte der 14- bis 20-Jährigen gibt an, sich häufig oder gelegentlich einsam zu fühlen – und greift dann vor allem auf Social-Media-Plattformen zurück, um dem Gefühl zu entkommen.

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Doch die Wirkung ist ambivalent: Wer besonders intensiv online ist, berichtet zugleich von stärkeren Einsamkeitsgefühlen. Das zeigt die neue Studie „Generation einsam? Social Media, Einsamkeit und Bewältigungsstrategien im Leben junger Menschen“, die das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Auftrag der Vodafone Stiftung durchgeführt hat. Befragt wurden im Mai 2025 insgesamt 1.046 Jugendliche und junge Erwachsene.

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Digital vernetzt, aber nicht verbunden

„Einsamkeit unter jungen Menschen ist kein individuelles Randphänomen, sondern Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels“, erklärt Matthias Graf von Kielmansegg, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung. Laut der Studie sehen die Jugendlichen Einsamkeit ähnlich belastend wie Schulstress, Zukunftsängste oder mentale Erschöpfung. Besonders betroffen sind junge Frauen. „Wenn intensive digitale Vernetzung nicht automatisch mehr soziale Verbundenheit schafft, müssen wir gezielt unterstützen – etwa durch Schulen, die Räume für Zugehörigkeit, gemeinsames Erleben und persönliche Bindungen schaffen“, so Graf von Kielmansegg weiter.

Die Studie zeigt: Soziale Medien werden zwar oft gezielt genutzt, um sich weniger einsam zu fühlen, können aber bei intensiver Nutzung paradoxerweise die Einsamkeit verstärken. Jugendliche mit ausgeprägten Einsamkeitsgefühlen greifen überdurchschnittlich häufig auf digitale Angebote zurück – und geraten so in eine Art Teufelskreis.

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Schule als zentraler Ort der Unterstützung

Die Jugendlichen sehen in Schulen und Ausbildungsstätten eine wichtige Rolle im Umgang mit Einsamkeit: 84 Prozent halten entsprechende Angebote für „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Viele wünschen sich, dass soziale und emotionale Themen stärker in den Unterricht integriert werden und Räume für persönliche Begegnungen geschaffen werden.

„Aus der Studienlage ergeben sich klare Implikationen für die Bildungspolitik“, sagt Steffen Freiberg, Bildungsminister in Brandenburg. „Gerade in der Jugendphase sind Peer-Beziehungen, gemeinsames Erleben und außerunterrichtliche Angebote essenziell – nicht nur fürs Lernen, sondern vor allem für die psychosoziale Entwicklung. Prävention und Mitgestaltung durch Kinder und Jugendliche sollten stärker ermöglicht werden. Die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz wäre hierfür ein wichtiger Schritt.“

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Bewältigungsstrategien: Analog ist oft effektiver

Die Befragten gaben an, dass analoge soziale Kontakte – Treffen mit Freunden, gemeinsame Aktivitäten – am wirksamsten sind, um Einsamkeit zu lindern. Sport, Hobbys und kreative Beschäftigungen helfen ebenfalls, während digitale Angebote nur für eine Minderheit effektiv sind. Melanie Eckert, Co-CEO von Krisenchat, einer bundesweiten Online-Plattform für psychosoziale Beratung, bestätigt: „Einsamkeit ist ein großes Thema, besonders im Zusammenhang mit Social Media. Jugendliche berichten häufig über Einsamkeit neben familiären Problemen, Depressionen oder Liebeskummer.“