Der Pfiff an der Baustelle, die Hand, die etwas zu tief den Rücken herunterwandert oder der vermeintlich harmlose Witz – Alltagssexismus wird häufig bagatellisiert. Doch unterschwellige Herabwürdigungen und strukturelle Benachteiligungen können weitreichende Folgen haben – möglicherweise sogar im Gehirn selbst. Das legen neue internationale Forschungsergebnisse nahe.

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Eine groß angelegte Untersuchung, veröffentlicht in den „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ (PNAS), hat nun erstmals messbare Veränderungen im Gehirn von Frauen dokumentiert. Analysiert wurden mehr als 7800 Gehirnscans aus 29 Ländern. Das Ergebnis: In Staaten mit hoher Geschlechterungleichheit wiesen Frauen eine geringere kortikale Dicke in Hirnarealen auf, die für emotionale Regulation, Resilienz und stressassoziierte Störungen wie Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen entscheidend sind.
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Die Forschenden sprechen von einer „Narbe im Gehirn“, die gesellschaftliche Ungleichheit hinterlasse. Diese Veränderungen stehen im Zusammenhang mit der sogenannten Plastizität des Gehirns – der Fähigkeit, sich an Erfahrungen anzupassen. Dauerhafte Benachteiligung und chronischer Stress können diese Anpassungsprozesse beeinträchtigen. Interessant ist, dass die Unterschiede in sozial gerechteren Ländern deutlich geringer ausfielen. Bei Männern zeigten sich ähnliche Veränderungen im Gehirn nur in den extrem ungleichen Gesellschaften.
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Weitere Studien bestätigen die Befunde – Auch Männer leiden unter Rollenklischees
Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich, erschienen in der Fachzeitschrift „Health Psychology“, ergab zudem, dass Frauen, die Sexismus erlebt hatten, noch vier Jahre später eine schlechtere psychische Gesundheit und eine geringere Lebenszufriedenheit berichteten. In Beziehungen oder Gesellschaften mit höherer Gleichstellung treten hingegen nachweislich weniger depressive Symptome auf.
Die Forschung zeigt zudem, dass die klassische Vorstellung, Männer seien von patriarchalen Strukturen primär begünstigt, nur einen Teil der Wahrheit erfasst. Zwar profitieren viele Männer von höheren Einkommen oder geringerer unbezahlter Sorgearbeit, doch traditionelle Männlichkeitsnormen können ebenfalls Schaden zufügen. Sie fördern riskantes Verhalten, Gewalt, Substanzmissbrauch und die Tendenz, medizinische oder psychologische Hilfe zu vermeiden.
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Eine, im „Sage Journals“ veröffentlichte, Meta-Analyse mit über 19.000 Männern zeigt: Wer stark auf Dominanz, Statusorientierung und hypersexualisierte Rollenbilder setzt, entwickelt häufiger psychische Probleme. Sexistische Überzeugungen seien daher, wie die Forschenden schreiben, „nicht nur eine gesellschaftliche Ungerechtigkeit“, sondern schadeten „auch der psychischen Gesundheit derjenigen, die sie vertreten“.







