Ein Ausflug ins Freiluftkino ist für viele Paare ein schöner Anlass, den Sommer zu genießen. Doch ist dann oft die Frage: Was schauen wir uns an? Den neuesten Action-Blockbuster oder doch lieber eine kritische Naturdokumentation? Als goldene Mitte gilt dann eine romantische Komödie. Aber was haben solche Filme mit der Realität zu tun und belebt die Liebe auf dem Großbildschirm wirklich die eigene Partnerschaft?

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Psychologin und Love Coachin Stella Schultner unterstreicht die positive Wirkung eines solchen Erlebnisses: „Wenn ich mir etwas anschaue, was mit unserer Partnerschaft zu tun hat, kann das etwas sehr Schönes sein.“ Doch können nach einem Liebesfilm auch Zweifel an der eigenen Beziehung aufkommen. Was Paare über die Leinwandromantik wissen sollten.

Romantik in Filmen: Funktioniert das Konzept aus Hollywood auch im echten Leben?

Neben der „Quality Time“, die gemeinsames Filmeschauen zweifellos bietet, können Liebesfilme auch Druck erzeugen, indem sie Partner dazu anregen, über die Schwachpunkte der Beziehung nachzudenken. Viele bekannte Liebesfilme würden dazu neigen, unrealistische Erwartungen zu wecken: „Es wird entweder eine sehr schöne Beziehung dargestellt, oder toxische Beziehungen und Kennenlernphasen als etwas Erstrebenswertes gezeigt“, erklärt Schultner. Der Beziehungsalltag, mit all seinen Herausforderungen und Unvollkommenheiten, komme in diesen Filmen jedoch selten zur Sprache.

Häufig würden die Protagonisten in den romantischen Filmen ein Katz-und-Maus-Spiel spielen, bei dem es ein permanentes Auf und Ab der Gefühle gibt. Ein Happy End, wie es in solchen Filmen oft gezeigt wird, ist im echten Leben eher die Ausnahme. Viel häufiger endet es laut der Psychologin so, dass der eine Partner irgendwann keine Lust mehr auf das Spiel hat und der andere klammert. „Am Ende hat einer Liebeskummer – das ist die harte Realität“, so Schultner.

Die romantisierte Darstellung von Liebe in Filmen könne die eigene Beziehung stark beeinflussen. Die Love Coachin erklärt, dass viele Menschen aus Filmen den Eindruck mitnehmen, dass Liebe und Partnerschaft immer aufregend und leidenschaftlich sein müssen. Doch sie warnt: „Unsicherheit, Lust und Leidenschaft hängen ganz nah zusammen.“ Diese Leidenschaft wird oft dann entfacht, wenn man die Person nicht sofort haben kann. Schultner fügt hinzu: „Sicherheit ist ein Killer der Leidenschaft.“

Stella Schultner
Stella Schultner hat an der LMU München Psychologie studiert und arbeitet heute als selbstständiger Love Coach.© privat | Privat

Allerdings steht Unsicherheit einer gesunden Beziehung oft im Weg. Wie die Expertin betont: „Wenn ich Spielchen spielen muss, um jemanden für mich zu gewinnen, habe ich vermutlich eine Partnerschaft, die keine echte Nähe zulässt.“ In Langzeitbeziehungen seien vor allem Verlässlichkeit, Verbundenheit und gemeinsame Erlebnisse entscheidend. In vielen Liebesfilmen wird zudem vermittelt, dass Partner ständig Lust auf Sex haben. Wenn es in der eigenen Beziehung nicht der Fall ist, würden sich Partner oft fragen, ob etwas mit ihnen und ihrer Beziehung nicht stimmt, so Schultner.

Außerdem wird in diesen Filmen häufig erwartet, dass Gedankenlesen statt Kommunikation stattfindet: „Ich äußere meine Bedürfnisse nicht und erwarte, dass der andere sie errät. In der Realität wären das nur Missverständnisse, die meist dazu führen würden, dass sich Menschen nie wieder sehen.“ In Filmen hingegen treffen sich die Protagonisten oft zufällig auf der Straße und erkennen plötzlich, wie sehr sie sich lieben – ein Szenario, das die Love Coachin als unrealistisch kritisiert.

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Vorstellungen von Partnerschaft: Wann die Ideale der Liebesfilme gefährlich werden können

Neben Katz-und-Maus-Spielen vermitteln Liebesfilme auch häufiger die Idee, dass es „den einen“ oder „die eine“ gibt, erzählt Schultner. Die falschen Vorstellungen und die vermeintliche Perfektion der Protagonisten können sich durchaus negativ auf die eigene Partnerschaft auswirken: „Vielleicht suche ich dann nach ähnlicher Perfektion im echten Leben und bin wegen dieser Erwartungen sehr unzufrieden mit meiner aktuellen Beziehung“, so die Psychologin.

Doch ob das gemeinsame Filmeschauen positive oder weniger positive Nebeneffekte hat, hänge oft von den eigenen Erfahrungen ab: „Wenn ich zu Hause gesehen habe, dass meine Eltern echte Probleme hatten und diese lösen konnten, dann lache ich wahrscheinlich über so einen Film: Meine Eltern haben eine gute Partnerschaft – aber die haben das anders gemacht als die Protagonisten im Film“, erklärt die Psychologin. 

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Hingegen würden Menschen, die im Elternhaus keine harmonische Beziehung vorgelebt bekommen haben, eher unrealistische Erwartungen entwickeln: „Dann gehe ich eher davon aus, dass Beziehungen so wie in Liebesfilmen aussehen müssen.“ Zudem würden sie oft glauben, dass Konflikte etwas Schlechtes sind. „Eine der schwierigsten Herausforderungen in Partnerschaften ist es, dass wir uns erlauben, Konflikte zu haben: Es kommt darauf an, wie wir mit ihnen umgehen, nicht, dass wir welche haben. Und das wird in vielen Filmen nicht gezeigt“, betont Schultner.

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Expertin klärt auf: Diese Vorteile können Liebesfilme für die Beziehung bringen

Wie Menschen mit der in Liebesfilmen gezeigten Romantik umgehen, ist stark von den eigenen Erfahrungen abhängig. Laut der Expertin können Partner, die sich dessen bewusst sind, sogar von romantischen Filmen profitieren: „Liebesfilme können positiv dazu beitragen, dass Menschen ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche in einer Beziehung äußern.“ Manchmal erkenne man darin Verhaltensweisen oder Lösungsansätze, die einem zuvor gar nicht bekannt waren – ein wertvoller Impuls für die eigene Beziehung.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Berliner Morgenpost.