Der Zeitpunkt für ein Balkonkraftwerk ist gerade günstig. Steuervorteile, Förderprogramme und das breite Angebot drücken die Anschaffungskosten. Dazu kommt, dass sich ein Balkonkraftwerk über die Jahre amortisiert. Davon profitieren aktuell besonders Betreiber mit einem alten Ferraris-Stromzähler, auch Drehstromzähler genannt. Diese gehören allerdings bald der Vergangenheit an, denn der Gesetzgeber sieht eine Tauschfrist vor.

Balkonkraftwerk: Stromzähler läuft rückwärts – aber warum?

Grundsätzlich wird zwischen alten Drehstromzählern und neuen digitalen Zählern unterschieden. Der markanteste Unterschied ist die Messrichtung. Während moderne Stromzähler Verbrauch und Einspeisung erfassen, registrieren die alten Ferraris-Zähler nur den Stromverbrauch. Das führt dazu, dass der Drehstromzähler rückwärts läuft, wenn ein Haushalt Strom aus seinem Balkonkraftwerk ins öffentliche Netz einspeist.

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Anlagenbesitzer bekommen dadurch den vollen Strompreis für den unverbrauchten Strom gutgeschrieben: Im Jahr 2024 waren das durchschnittlich etwa 40,22 Cent je Kilowattstunde. Für Kraftwerk-Eigentümer mit Drehstromzählern ist das äußerst lukrativ, denn ohne Drehstromzähler bekämen sie für die Einspeisung nur eine Vergütung von rund acht Cent pro Kilowattstunde. Das regelt die sogenannte Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Haushalte mit Drehstromzählern nehmen damit viel mehr Geld fürs Einspeisen ihres Solarstroms ein als Betreiber mit digitalen Zählern. Dem Gesetzgeber zufolge sollen daher alle Haushalte mit Photovoltaikanlagen auf letztere umsteigen. Dem Bundesverband der Energiemarktdienstleister (BEMD) zufolge gilt für den Austausch der Drehzähler eine Frist von vier Monaten ab der Anmeldung des Balkonkraftwerks im Markstammregister. Doch wer muss sich um die Änderung kümmern?

DrehstromzählerDigitale Stromzähler
MessrichtungEin-Richtungszähler (nur Verbrauch)Zwei-Richtungszähler (Verbrauch und Einspeisung)
AnzeigeAnaloge DrehscheibeDigitale Anzeige, teils mit Verbrauchshistorie und App-Anbindung
Reaktion auf EinspeisungLäuft rückwärts (verfälscht Verbrauchswerte)Erfasst Einspeisung separat
ZukunftsfähigkeitVeraltet, wird ersetztZukunftssicher, gesetzlich vorgeschrieben

Tausch alter Stromzähler: Örtliche Stadtwerke sind in der Pflicht

Seit Inkrafttreten des Solarpakets der damaligen Bundesregierung reicht es, sein Balkonkraftwerk im Marktstammregister der Bundesnetzagentur anzumelden. Eine separate Meldung an den Netzbetreiber ist nicht mehr erforderlich. Wer sein Balkonkraftwerk angemeldet hat, kann sich zurücklehnen und den alten Stromzähler laufen lassen. Denn es liegt an den örtlichen Stadtwerken sowie den Messstellenbetreibern, auf die Verbraucher zuzukommen.

Das bedeutet für Haushalte mit Photovoltaik-Anlagen: In der Übergangsphase dürfen sie ihr Balkonkraftwerk mit ihrem bisherigen Ferraris-Zähler nutzen – auch wenn dieser rückwärts läuft. Das zahlt sich zum Beispiel dann aus, wenn das Balkonkraftwerk tagsüber mehr Strom erzeugt als der Haushalt verbraucht.

Ein Elektriker montiert einen digitalen Stromzähler mit einem Smart-Meter-Gateway zur Datenübertragung.
Für den Tausch alter Stromzähler gegen neue digitale Messer sind die Energieversorger oder die Messstellenbetreiber zuständig.© DPA Images | Markus Scholz

Vielzahl an Balkonkraftwerken macht Tauschfrist zur Herausforderung

Medienberichten zufolge können die Energieversorger die Austauschfrist von vier Monaten nicht immer einhalten. Je nach Auslastung und Region könne der Tausch auch länger als sechs Monate dauern, heißt es in einem Beitrag von „NTV“. Zudem müssen die Versorger einen Termin mit dem Haushalt vereinbaren – auch hier können Wochen vergehen.

Die Masse an neuen Balkonkraftwerken macht die Herausforderung für die Energieversorger noch größer: Allein im vergangenen Jahr hat sich die Anzahl der angemeldeten Balkonkraftwerke verdoppelt. Einer Umfrage von Verivox zufolge betreiben rund neun Prozent der Bundesbürger ein Balkonkraftwerk, 17 Prozent planen die Anschaffung.

Dass viele Kommunen ihre Förderungen für Balkonkraftwerke senken, könnte den Anschaffungsboom allerdings vorerst stoppen: In Berlin etwa gibt es statt 500 Euro beispielsweise nur noch maximal 250 Euro Zuschuss. Eine Chance für die Netzbetreiber, die Tauschfrist flächendeckender einzuhalten.

Stromzähler rückwärts laufen lassen und Geld sparen – ein Fazit

Sein Balkonkraftwerk online im Marktstammregister anzumelden ist Pflicht. Um den Tausch eines alten Ferraris-Zählers müssen sich Betreiber allerdings nicht kümmern. Daher ist es völlig legitim, diesen Bonus so lange mitzunehmen, bis sich der Energieversorger für einen Termin meldet. Günstige Angebote und Förderungen machen die Investition in ein Balkonkraftwerk zusätzlich attraktiv. Ein 800-Watt-Balkonkraftwerk gibt es etwa schon für unter 500 Euro.

Ist der Stromzähler einmal ausgetauscht, kann ein Stromspeicher zum Balkonkraftwerk die Eigenverbrauchsquote erhöhen. Der Speicher sammelt den am Tag überschüssigen Strom und gibt diesen über Nacht ab. Er ist also vor allem dann sinnvoll, wenn ein Haushalt deutlich mehr Strom produziert, als er verbraucht. Auch nach einem Zählertausch gibt es also immer noch Wege, ungenutzten Strom effizient zu nutzen und die Amortisationszeit eines Balkonkraftwerks zu verkürzen.