Bauen an der Schiene

NRW hofft auf zigtausende Wohnungen in Bahnhofsnähe

Ina Scharrenbach (CDU), NRW-Bauministerin, und Thomas Lennertz (r), Geschäftsführer der BahnflächenEntwicklungsGesellschaft NRW stellen die Initiative „Bauland an der Schiene" vor.

Ina Scharrenbach (CDU), NRW-Bauministerin, und Thomas Lennertz (r), Geschäftsführer der BahnflächenEntwicklungsGesellschaft NRW stellen die Initiative „Bauland an der Schiene" vor.

Foto: Roland Weihrauch/dpa

Düsseldorf.   Vielerorts herrscht Wohnungsnot. Daher will NRW mehr „an der Schiene“ bauen lassen. Wie das geht, zeigt ein Projekt in Duisburg-Wedau.

Viele Städte und Gemeinden scheinen sich angesichts der Wohnungsnot im Land um neue Bauflächen in der Nähe von Bahnhöfen und Schienen kümmern zu wollen. Laut NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) wurden bisher schon 2525 Hektar Flächen im engen Umkreis von 95 Bahnhöfen gefunden, die für die neue Landesinitiative „Bauland an der Schiene“ in Frage kommen.

73 von 254 eingeladenen Kommunen seien bisher der Einladung der Landesregierung zu Gesprächen über Wohnungsbau mit Bahnanschluss gefolgt. 47 „Baulandgespräche“ wurden bisher geführt, zum Beispiel mit Bochum, Unna, Kamen, Velbert und Düsseldorf. Dortmund, Essen, Mülheim, Castrop-Rauxel, Hagen und Lünen wollen sich noch informieren lassen. Besonders in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln soll die Nachfrage wegen der dort besonders angespannten Wohnungsmärkte groß sein.

Nicht jeder Hektar kann bebaut werden

Etwa 60 Wohneinheiten pro Hektar Fläche – Mietwohnungen und Einfamilienhäuser – sind theoretisch denkbar, erklärte Thomas Lennertz von der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft NRW am Donnerstag im Bauministerium. Aber das bedeutet nicht, dass tatsächlich auf all diesen gleisnahen Flächen zeitnah gebaut werden wird. Es geht zunächst nur darum, die Flächen als Bauland in die Stadt- und Regionalplanung aufzunehmen. Viele dieser Grundstücke sind in Privatbesitz, zum Beispiel von Landwirten, andere sind öffentlich.

Für Ministerin Scharrenbach ist die Planungs-Freigabe solcher Flächen für den Wohnungsbau dennoch ein enorm wichtiger Schritt. „Der Mangel an tatsächlich verfügbarem Bauland ist die größte Herausforderung beim Wohnungsbau“, sagte sie. Das Land NRW werde die erforderlichen Planungskosten der Städte zu 50 Prozent übernehmen. Wer sich schnell melde, erhalte rasch Unterstützung. „Das ist wie Mikado, nur umgekehrt. Wer sich zuerst bewegt, gewinnt“, so Scharrenbach. In den Regionalplan Düsseldorf könnten die neuen Flächen schon im kommenden Jahr eingearbeitet werden.

„Sechs Seen Wedau“ ist das Vorbild

Eines der Vorbilder für „Bauland an der Schiene“ ist das Projekt „Sechs Seen Wedau“ in Duisburg. Dort entsteht auf 60 Hektar nicht mehr benötigten Bahnflächen ein neuer Stadtteil mit bis zu 3000 Wohneinheiten. Baubeginn ist schon im Jahr 2020, in sieben Jahren könnte der Stadtteil fertig sein“, sagte Thomas Lennertz. Bei allen künftigen Projekten in der Landesinitiative werde von Anfang an auf eine Top-Nahverkehrsanbindung gedacht, versprach Lennertz. Heißt: Nähe zu modernen und ausgebauten Bahnhöfen, moderne Radwege, gute Busverbindungen, Abstellplätze für Fahrzeuge, Car-Sharing. Die Wohnungen sollen höchstens drei Kilometer von Bahnhöfen entfernt liegen.

Im April hatte ein breites Bündnis in NRW für mehr bezahlbaren Wohnraum demonstriert.

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