Camping-Missbrauch

Lügde: Polizei-Gewerkschaft attackiert Innenminister

Nach zahlreichen Pannen in der Kreisbehörde Lippe hat das Polizeipräsidium Bielefeld die Ermittlungen im Missbrauchsskandal in Lüdge übernommen.

Nach zahlreichen Pannen in der Kreisbehörde Lippe hat das Polizeipräsidium Bielefeld die Ermittlungen im Missbrauchsskandal in Lüdge übernommen.

Foto: Ralf Rottmann

Düsseldorf   Im Missbrauchsskandal von Lügde hat die Polizei dem Innenminister vorgeworfen, mit seiner Öffentlichkeitsarbeit die Ermittlungen zu gefährden.

Im Skandal um den jahrelangen massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde verhärten sich zwischen NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) und der Polizei die Fronten. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens, warf Reul am Montag sogar vor, mit seiner Öffentlichkeitsarbeit die Ermittlungen zu gefährden.

„Dass in den vergangenen Tagen wiederholt einzelne Ermittlungsergebnisse an die Medien durchgestochen worden sind, trägt nicht zur Wahrheitsfindung bei, sondern gefährdet den Erfolg des Verfahrens“, sagte Mertens. Zugleich warnte er davor, den Eindruck zu erwecken, in der Polizeibehörde Lippe werde insgesamt schlechte Arbeit geleistet. „Das hat mit der Realität nichts zu tun“, so Mertens.

Auch der GdP-Bezirksvorsitzende, Michael Schröter, warf seinem Dienstvorgesetzten Reul im „Westfalen-Blatt“ eine „unerträgliche Generalverurteilung“ der lippischen Polizei vor. Dass der Innenminister seit Wochen von beispiellosem Polizeiversagen spreche, sei „ein Schlag ins Gesicht aller lippischen Polizisten“, so der GdP-Bezirksvorstand.

Die lokalen Gewerkschaftsfunktionäre nannten es dem Bericht zufolge auch höchst unseriös, zurückliegende Fälle einzelner Beamter mit den Missbrauchs-Ermittlungen in Lügde in Zusammenhang zu bringen. Es gebe „keine Ermittlungstabus“ und bislang auch keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Beweismittel vorsätzlich beiseite geschafft worden sein könnten.

Polizist wegen Kinderpornografie verurteilt

Am Wochenende war bekannt geworden, dass ein in Lippe eingesetzter Polizist 2012 wegen Besitzes von Kinderpornografie zu einer Geldstrafe von 3200 Euro verurteilt wurde. Da er damit nicht als vorbestraft gilt, konnte er weiter als Polizist arbeiten. Ein von Reul entsandter Sonderermittler aus dem Landeskriminalamt (LKA) war auf den Fall gestoßen. Außerdem fand er heraus, dass ein anderer Beamter vor acht Jahren in seinem privaten Badezimmer heimliche eine Videokamera installiert hatte. Zudem wurde ein Vorgang aus 2013 öffentlich, bei dem ein Tutor eine Kommissarsanwärterin belästigt hatte.

Die Polizei in Lippe wehrt sich auch gegen Gerüchte, es könnte Bekanntschaftsverhältnisse zwischen Beamten und dem Hauptbeschuldigten von Lügde, Andreas V. (56), gegeben haben. Ende Februar hatte Innenminister Reul bekannt gegeben, dass aus einen Auswerteraum der Kreispolizei Lippe ein Alukoffer und eine Mappe mit 155 DVDs und CDs verschwunden sind. Die Asservate vom Campingplatz waren weder ordnungsgemäß registriert noch entsprechend gesichert.

Reul sprach früh von Behördenversagen

Auf Anordnung des NRW-Innenministeriums hat Ende Januar die Bielefelder Polizei die Ermittlungen im Fall Lügde an sich gezogen. Zudem hat Reul ein internes Ermittlerteam zur Aufarbeitung von Polizei-Pannen nach Detmold entsandt. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen auf dem Campingplatz in Lügde über Jahre mindestens 31 Kinder in mehr als 1000 Fällen sexuell missbraucht worden sein. Reul hatte früh von „Behördenversagen an allen Ecken und Kanten“ gesprochen und im Landtag gesagt, selbst „meine Omma“ hätte gemerkt, dass auf der schmuddeligen Camping-Parzelle etwas nicht stimme.

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