Gesundheitspolitik

Krankenhäuser in NRW wollen sich digitaler aufstellen

Hochauflösende Röntgenbilder müssen gespeichert und versendet werden können – dafür benötigen die Kliniken moderne IT.

Hochauflösende Röntgenbilder müssen gespeichert und versendet werden können – dafür benötigen die Kliniken moderne IT.

Foto: Jochen Lübke

Essen.   Kliniken aus dem Ruhrgebiet appellieren ans Land: Fürs digitale Krankenhaus braucht es eine höhere Förderung. Institut wirbt für „Digital Boost“

Im Jahr 2019 erhält das größte kommunale Krankenhaus Nordrhein- Westfalens kabelloses Internet: Das Klinikum Dortmund rüstet seine Stationen mit über 1400 Betten mit schnellem WLAN aus. Ärzte und Pflegekräfte sollen so künftig von jedem Raum aus auf die Daten ihrer Patienten sicher zugreifen können – ein Fünf-Millionen-Euro-Projekt.

Nur für einen Teil dieser Summe, sagt Sprecher Marc Raschke, reiche die Pauschale, die das Land jährlich für Investitionen bereitstellen muss. Deshalb greift das Haus auf Eigenmittel zurück, Gelder, die es von den Krankenkasse für den laufenden Betrieb erhält. „Die Kliniken kommen immer wieder in die Lage, dass sie Gelder, die für Behandlungen gezahlt werden, für Investitionen nutzen.“

Digitalpakt wie bei den Schulen gefordert

Ein Unding, heißt es aus Kliniken des Ruhrgebiet. Sie schließen sich einer Forderung aus Herne an, dass Bund und Land Fördermittel fürs digitale Krankenhaus bereitstellen müssten. Nötig sei ein „Digitalpakt“, hatten unlängst die Geschäftsführer der St. Elisabeth-Gruppe und die evangelische Krankenhausgemeinschaft gegenüber Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefordert – angelehnt ans gleichnamige Milliardenprogramm für Schulen.

In der Herner St. Elisabethgruppe liegt der Investitionsstau bei drei Millionen Euro. Geschäftsführer Theo Freitag benennt Folgen. So seien bisher keine Mittel dagewesen, um eine digitale Patientenakte umzusetzen. „Eine digitale Kommunikation mit niedergelassenen Ärzten ist damit derzeit nicht möglich“, auch der Service am Patienten werden damit eingeschränkt.

Leistungsstarke IT-Infrastruktur

Einen Schritt weiter geht Frank Mau, Chef der Evang. Kliniken Essen-Mitte. Nötig seien innovative IT-Systeme. Um etwa Krebspatienten bestmöglich zu behandeln, müssten Forschungsergebnisse digital erfasst und einberechnet werden, so Mau. „Dafür brauchen wir eine leistungsstarke IT-Infrastruktur.“ Die Klinikgesellschaft erhalte im Jahr weniger als 2,5 Prozent ihres Umsatzes vom Land als allgemeine Investitionspauschale. In anderen Branchen liege die reine IT-Investitionsquote bei zwei Prozent. „Deswegen sind wir gezwungen, um einen modernen IT-Standard vorzuhalten, Eigenmittel aufzuwenden.“

Unterstützung erhalten die Mediziner vom RWI-Institut in Essen. Die Investitionsmittel des Landes reichten nicht aus, sagt Gesundheitsökonom Boris Augurzky. Die Häuser stellten daher oft die Digitalisierung hintenan, um die bauliche Substanz zu verbessern. „Die größte Baustelle der Kliniken ist inzwischen, die internen Prozesse zu digitalisieren“, so Augurzky. Er wirbt für einen bundesweiten „Digital Boost“, eine Anschubfinanzierung für die Digitalisierung: Acht Jahre lang sollten gezielt jedes Jahr 510 Millionen Euro zusätzlich in Auf- und Ausbau der digitalen Infrastruktur fließen.

Marc Raschke vom Dortmunder Klinikums sieht auch die Häuser selbst in der Pflicht. „Sie freuen sich über einen neuen Anbau, aber keiner lädt zum Festakt, wenn neue Server aufgestellt werden.“ Nötig sei ein Umdenken. Das viertgrößte kommunalen Krankenhaus in Deutschland will jetzt mit einem neugegründeten Expertengremium digitale Strategien in Medizin und Pflege vorantreiben.

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