Kampf gegen die Staus

Experte: Ruhrgebiet muss Modellregion für Verkehr werden

NRW gilt als Stauland Nummer eins. Der ADAC zählte im vergangenen Jahr 486.000 Kilometer Stau auf Autobahnen.

NRW gilt als Stauland Nummer eins. Der ADAC zählte im vergangenen Jahr 486.000 Kilometer Stau auf Autobahnen.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Essen.   Aus Sicht des Bochumer Forschers Justin Geistefeldt braucht das Revier ein zentrales Verkehrsmanagement. Ein Ende der Staus sieht er indes nicht.

Staus und stockender Verkehr werden nach Ansicht des Bochumer Verkehrsforschers Justin Geistefeldt auch künftig das Bild auf den Straßen des Ruhrgebiets bestimmten. „Auf absehbare Zeit ist nicht damit zu rechnen, dass wir weniger Staus bekommen“, sagte Geistefeldt dieser Redaktion. Der Professor für Verkehrswesen an der Bochumer Ruhr-Universität fordert deshalb ein zentrales Verkehrsmanagement für die Region. Er rät dazu, das Revier verkehrstechnisch als zusammengehörigen Raum zu denken.

Der Forscher, der im Rahmen der Ruhrkonferenz „Themenverantwortlicher“ für den Bereich Intelligente Verkehrssteuerung ist, plädiert daher für innovative Verkehrsmodelle etwa im Bereich des automatisierten Fahrens sowie eine stärkere Vernetzung der Kommunen bei Baustellenkoordination und Alternativroutensteuerung. Hier könne das Ruhrgebiet sogar zur „Modellregion“ werden, so Geistefeldt. Gerade auf dem Gebiet des automatisierten Fahrens seien große Veränderungen für die Verkehrssystem zu erwarten. Diese Entwicklung könne das Revier aktiv mitgestalten.

„Straßenverkehr nimmt weiter zu“

Geistefeldt geht davon aus, dass der Straßenverkehr weiter zunimmt, „besonders wenn die Konjunktur weiter so gut läuft“. Aufgrund der Siedlungsstruktur werde der motorisierte Individualverkehr daher auch künftig das Rückgrat der Mobilität im Revier bleiben – „mit allen Konsequenzen für die Auslastung der Verkehrswege“, so Geistefeldt.

Zwar werde der Pkw-Verkehr insgesamt künftig eher stagnieren. In wachstumsschwächeren Regionen, beispielsweise im nördlichen Ruhrgebiet, könne der Autoverkehr sogar perspektivisch abnehmen. Weiter wachsen werde indes der Schwerlastverkehr. Wegen ihrer Bedeutung als Transitstrecken seien im besonderen Maße die Revierautobahnen von zunehmenden Lkw-Fahrten betroffen. Innenstädte müssten mit immer mehr Touren der Liefer- und Paketdienste rechnen.

Die oft erwähnten Effekte zur Entlastung der Straßen durch mehr Radwege oder die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene hält Geistefeldt für überbewertet. „Ich finde alle Maßnahmen begrüßenswert, die das Radfahren in der Region attraktiver machen und die Schiene stärken“, sagte der Wissenschaftler. Das Rad bleibe jedoch als „Schönwetter-Verkehrsmittel“ im Berufsverkehr marginal. Und die Bahn verfüge gar nicht über die Kapazitäten, den Gütertransport über die Straße spürbar entlasten zu können. Geistefeldt: „Das ist eine Illusion“.

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