Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten (39) und sein Verlobter Nicolás Keenan (29) werden Väter. Das verkündete das Paar am Montag auf Instagram. Auf einem gemeinsamen Foto halten die beiden Männer ein Ultraschallbild in die Kamera. Dazu schreiben sie: „Jemand ganz Besonderes ist unterwegs. Bis 2027, Kleines.“

Möglich wird ihr Kinderwunsch durch eine Eizellenspenderin und eine Leihmutter namens Lisa, die das Kind austrägt. Beiden Frauen und ihren Familien dankt das Paar ausdrücklich. „Ohne euch wäre das alles nicht möglich“, schreiben Jetten und Keenan. Weitere Einzelheiten zur Schwangerschaft, etwa den genauen Geburtstermin oder das Land, in dem das Kind zur Welt kommen soll, ließen sie zunächst offen.

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Rob Jetten und Nicolás Keenan: Der lange Weg zum eigenen Kind

Für Jetten geht damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Wie schwierig der Weg zur Vaterschaft für ihn und seinen Partner war, hatte der Politiker bereits im Januar 2025 in der niederländischen Fernsehsendung „Casa di Beau“ auf RTL 4 geschildert. Im Gespräch mit Moderator Beau van Erven Dorens erklärte er, dass eine Adoption wegen früherer Missstände bei internationalen Adoptionsverfahren kaum noch infrage komme.

Auch eine Leihmutterschaft sei mit erheblichen finanziellen Hürden verbunden. In den USA könne sie rund 150.000 Dollar, umgerechnet etwa 145.000 Euro, kosten. Das sei ein „absurder Betrag“, sagte Jetten damals. In den Niederlanden wiederum sei die öffentliche Suche nach einer Leihmutter nicht erlaubt. Man müsse darauf hoffen, dass sich eine Frau freiwillig dazu bereit erkläre. Inzwischen hat das Paar offenbar genau diesen Weg gefunden: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sind sowohl die Eizellenspenderin als auch die Leihmutter Freundinnen der beiden Männer. Eine Vergütung erhalten sie nicht.

Hochzeit von Rob Jetten: Warum der Premier seine Pläne verschob

Während Jetten und Keenan nun ein Kind erwarten, steht ein anderes gemeinsames Vorhaben weiterhin aus: ihre Hochzeit. Die beiden sind seit 2022 ein Paar und seit November 2024 verlobt. Keenan, der zehn Jahre jüngere Partner des Premiers, stammt aus Argentinien und spielt professionell Hockey, auch für die argentinische Nationalmannschaft.

Eigentlich wollten sie noch in diesem Jahr heiraten. Die Feier war nach der Hockey-Weltmeisterschaft geplant, wenn Keenans Familie aus Argentinien ohnehin in Europa sein würde. Doch Jettens politische Karriere kam dazwischen.

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Seit dem 23. Februar 2026 regiert der Politiker der linksliberalen Partei D66 die Niederlande. Mit damals 38 Jahren wurde er zum jüngsten Ministerpräsidenten in der Geschichte des Landes und zum ersten offen homosexuellen Regierungschef. Seine Koalition aus D66, VVD und CDA verfügt über keine eigene Parlamentsmehrheit. Für politische Entscheidungen muss Jetten deshalb immer wieder Mehrheiten mit der Opposition aushandeln.

Für die Hochzeitsplanung blieb offenbar wenig Zeit. Im August erklärte Jetten gegenüber dem niederländischen Fernsehsender RTL Boulevard, dass sich eine Feier im September angesichts seiner neuen Aufgaben kaum organisieren lasse. Nun soll die Trauung möglichst 2027 stattfinden.

Niederländischer Premier: Trotz täglicher Drohungen zeigt er sein Privatleben

Die Nachricht von der bevorstehenden Vaterschaft stößt auf Instagram auf zahlreiche Glückwünsche. Doch Jettens offen gelebte Homosexualität macht ihn seit Jahren auch zur Zielscheibe von Hass und Drohungen. „Seit zehn Jahren bin ich mit massivem Hass gegen Homosexuelle konfrontiert“, sagte der Regierungschef Ende Februar auf einer Pressekonferenz. Inzwischen erhalte er täglich Drohungen und erstatte jede Woche Strafanzeige.

Sein Privatleben deshalb aus der Öffentlichkeit herauszuhalten, kommt für Jetten dennoch nicht infrage. Er habe sich bewusst entschieden, auch persönliche Momente in den sozialen Netzwerken zu teilen. „Ich lasse mich von diesen Hassern nicht kleinkriegen“, erklärte er. Ihm selbst machten die Angriffe inzwischen weniger aus. Doch er wisse, dass viele andere Menschen unter solchen Anfeindungen litten. Gerade ihnen wolle er zeigen, dass sie ihre sexuelle Orientierung nicht verstecken müssten.

Während Jetten und Keenan ihren Kinderwunsch in den Niederlanden verwirklichen konnten, hatte eine ähnliche Entscheidung in Deutschland erst wenige Monate zuvor eine politische Kontroverse ausgelöst. Denn anders als in den Niederlanden ist Leihmutterschaft in Deutschland verboten.

Im Juli hatten der CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke bekannt gegeben, dass sie mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden waren. Die Nachricht sorgte allerdings nicht allein wegen der deutschen Rechtslage für Aufsehen. Für Kritik sorgte vor allem, dass Spahn als früherer Gesundheitsminister selbst eine Lockerung des Verbots abgelehnt hatte. Auch seine Partei hatte sich noch im Februar 2026 ausdrücklich gegen eine Legalisierung ausgesprochen.