Innerhalb der SPD-Fraktion war man bemüht, nach dem Rücktritt von Jens Spahn keinen Eindruck einer weiteren Koalitionskrise entstehen zu lassen. Dabei galt zuletzt gerade die Zusammenarbeit des Fraktionschefs der Sozialdemokraten im Bundestag, Matthias Miersch, mit eben Spahn als seinem Counterpart in der Unionsfraktion als Stabilitätsanker der schwarz-roten Koalition. Nach einem ruckeligen Start gaben beide sogar zusammen Interviews, sprachen über ihr Schwulsein, die Zusammenarbeit und ihr persönliches Verhältnis.

Man habe zwar kein Regelbuch geschrieben, sagte Miersch Anfang April der „Zeit“, „aber uns beiden war klar, dass wir ein Vertrauensverhältnis aufbauen müssen, sodass kein Blatt zwischen uns passt und wir uns wirklich vertrauen können. Das haben wir sehr offen besprochen, und das entwickelte sich dann auch.“ Und Spahn ergänzte im gleichen Interview, dass die „zwei, drei anfänglichen Krisen der Koalition, vor allem die Richterwahl, der Streit um die Rente“ dieses Verhältnis – also das zwischen Spahn und Miersch – „geboostert“ hätten. Dass Miersch jetzt ohne Spahn auskommen muss, dürfte also auch innerhalb der Koalition die Statik verändern.

Auch interessant

Spahn und die SPD: Experte sagt, was auf den neuen Fraktionschef zukommt

Miersch äußerte sich in einem ersten Statement nicht direkt zu Spahn und den Vorgängen rund um die Leihmutterschaft, aber er dankte ihm für die Zusammenarbeit. Diese sei „sehr eng und vertrauensvoll“ gewesen. Er wünsche Spahn und seiner Familie für die Zeit nach dem Amt alles Gute und viel Kraft, so Miersch weiter. Mit Blick auf die Koalition sagte er laut Mitteilung: „Die gemeinsame Arbeit geht weiter. Wir stehen vor wichtigen Entscheidungen für die Zukunft unseres Landes im Herbst.“

Auch interessant

Innerhalb der SPD-Fraktion dürfte sich der Blick nun vor allem darauf richten, dass die Koalitionsarbeit trotz des Führungswechsels in der Union ohne größere Reibungsverluste weitergehen kann. Das aber dürfte auch von der Personalentscheidung der Union abhängen. Der Kasseler Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder sieht den künftigen Fraktionschef deshalb in einer Schlüsselrolle. Er müsse zwischen Partei, Kanzleramt und Fraktion vermitteln und zugleich „natürlich als Brücke zur SPD“ wirken, sagte Schroeder dieser Redaktion.