Schon zehn Tage vor seinem Rücktritt hatte der Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) den Kanzler über die Geburt seines Kindes durch eine Leihmutter in den USA informiert. Im Sommerinterview des ZDF am Sonntag hat Diana Zimmermann den im Sauerland weilenden Kanzler nach seinen Gefühlen bei diesem wichtigen Telefonat gefragt: Er habe zunächst ans Wohl des Kindes gedacht, sagte Merz, und er habe ihm „viel Glück“ gewünscht.
Über Spahn habe er gedacht: „Hoffentlich geht er kommunikativ gut mit der Sache um und erklärt es auch gut.“ Aber einen Ratschlag habe er ihm in der Sache nicht gegeben, dazu sei keine Zeit gewesen. Die einsetzende Empörungswelle nach der am vergangenen Mittwoch erfolgten Bekanntgabe der in Deutschland verbotenen Leihmutterschaft habe er „in diesem Umfang nicht erwartet“, sagte Merz. Die habe vielleicht etwas „mit seiner Person und seiner Kommunikation“ zu tun.
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Spahn-Rücktritt: Schaden für die Union wurde Merz „überdeutlich“
Erst am Samstag sei ihm „im Laufe des Tages“ überdeutlich geworden, so Merz, welchen Schaden Spahns Verhalten für die Glaubwürdigkeit der Union bedeuten könnte. Deshalb habe man dann auch „rasch gehandelt“. Zimmermann wies darauf hin, dass sich Spahn erst im Mai 2025 mit großer Mehrheit zum Fraktionschef habe wählen lassen, ohne über seine Absicht zu informieren. „Partei und Fraktion sind sehr spät informiert worden“, räumte Merz ein. Er selbst habe mit der Kommunikation nichts zu tun gehabt und habe auch niemanden in der Partei über Spahns Vaterschaft informiert. „Ich bin seinem Wunsch gefolgt und habe ihm die Kommunikation überlassen.“
Auf die Frage von Zimmermann, ob er sich von Spahn hintergangen fühle, antwortete er ausweichend: „Das möchte ich öffentlich nicht bewerten. Der Vorgang ist abgeschlossen.“ Er danke Spahn für seine Arbeit, die beschlossenen Reformen trügen seine Handschrift und es sei sein Verdienst, dass sie durch den Bundestag gegangen seien. Über die Nachfolge von Spahn sollen laut Merz die Parteigremien in den nächsten Tagen entscheiden, aber die Zeit dränge nicht. Auch eine Neuaufstellung der Bundesregierung sei denkbar, sagte Merz, nachdem ihn Zimmermann darauf hingewiesen hatte, dass Kanzleramtschef Thorsten Frei als neuer Fraktionschef gehandelt werde.
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Merz sieht „Vertrauenskrise“ durch rüden Ton
„Sie sind gut gelaunt“, attestierte Zimmermann dem Kanzler, um ihn gleichwohl nach der Glaubwürdigkeit der Union und seinem „barschen Auftreten“ zu befragen. Merz skizzierte die schwierigen Rahmenbedingungen seiner Regierung – Ukraine-Krieg, USA-Verhältnis, Energiekrise. Es seien diese Bedingungen, die dazu geführt hätten, dass sich die Zusage des Einhaltens der Schuldenbremse nach der Wahl nicht halten ließ. „Es ist die hohe Verschuldung, die auch mich beschwert.“ Er setze aber auf schnelle Investitionen und eine Entlastung der Bürger durch die geplanten Reformen.
Merz sieht eine „Vertrauenskrise“ nicht bei der Union, sondern eher durch die rüde Tonlage in der letzten Sitzungswoche des Bundestages. Deswegen sei er „besorgt“ nach Hause in die Sommerpause gefahren. So wie die AfD, die Linken und neuerdings auch die Grünen mit „persönlichen Herabsetzungen“ aufträten, schade das der Demokratie. Das sei alles „derselbe Sound“ gewesen.
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Dass laut Zimmermann 81 Prozent der Bürger die Belastung durch die Reformen für „nicht richtig verteilt“ ansehen, ficht Merz nicht an: „Wir müssen den drohenden Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge stoppen.“
Merz: „Bin die ewige Nörgelei leid“
Er trete in seiner Kommunikation relativ barsch auf, hielt die Journalistin dem Kanzler vor: „Warum so ruppig im Ton?“, fragte sie und brachte seinen jüngst geäußerten Satz, wonach Nöler, Nörgler und Berufskritiker „wegtreten sollten“. Das sei aus dem Kontext gerissen, antwortete Merz. Es sei die Umkehr eines Zitates von George Bernard Shaw gewesen. Er sei aber die „ewige Nörgelei“ leid, und dass das Land ständig „schlecht und kaputtgeredet“ werde. Deutschland habe starke Chancen, die Zahl der Unternehmensgründungen steige.
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Für seine freimütigen Äußerungen – etwa zu den kleinen Pascha, dem Stadtbild oder dem hohen Krankenstand in Deutschland – bekomme er viel Zuspruch. Immer wieder höre er: „Genauso ist es, wie der Friedrich Merz das gesagt hat.“ Aber die Medien würden nur über diejenigen berichten, „die Kritik an mir äußern“, klagt der Kanzler. Er habe in der Leistungsdebatte in Deutschland auch niemandem persönlich „Faulheit“ unterstellt. Tatsache aber sei, dass in der Schweiz 200 Stunden im Jahr länger gearbeitet werde als hierzulande und die Produktivität und Leistung in Deutschland gesteigert werden müsse. Seinem Redestil will er treu bleiben: „Ich kann doch nicht gesund beten, was nicht gesund ist.“
Das Interview liegt der Redaktion bereits vor, es wird am Sonntag um 19.10 Uhr im ZDF in der Sendung „Berlin direkt“ ausgestrahlt.






![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


