An diesem Dienstag landet der russische Präsident Wladimir Putin in Peking zu einem zweitägigen Besuch. Warum kommt der Kremlchef jetzt – und was will er erreichen? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Alle pilgern nach Peking: Was steckt hinter dem Besuchskarussell?

Die chinesische Hauptstadt ist zum neuen Wallfahrtsort der internationalen Politik geworden. Chinas Staatschef Xi Jinping agiert als Dreh- und Angelpunkt der globalen Diplomatie. Nicht nur US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin, die Führer der beiden größten Atommächte, pilgern nach Peking. Seit Dezember machten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premier Keir Starmer, Bundeskanzler Friedrich Merz und vergangene Woche auch Trump ihre Aufwartung. Die an diesem Dienstag beginnende zweitägige Visite von Putin rundet den hochkarätigen Besuchsreigen ab.

Der Grund: Peking wird in der geopolitischen Arena immer wichtiger. Die Volksrepublik betrachtet sich nicht mehr nur als zweite Macht hinter den Vereinigten Staaten. Sie sieht sich politisch und wirtschaftlich auf Augenhöhe. In einer Zeit, in der die Weltordnung aus den Fugen gerät, traditionelle Bündnisse erodieren und Kriege zu einer neuen Normalität werden, strebt China die Rolle als Stabilitätsfaktor an. Aufgrund des zunehmenden Gewichts seines Landes wird Xi von den USA ebenso umworben wie von Europa und Russland. Die Europäer wollen, dass Xi Druck auf Putin ausübt, um Verhandlungen über eine Beendigung des Ukraine-Krieges aufzunehmen. Trump will, dass China das iranische Regime zur Öffnung der Straße von Hormus bewegt.

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Chinas Präsident scheut Konfrontationen und Waffengänge, weil sie der chinesischen Exportmaschinerie schaden. Zoll- und Handelskriege sind für ihn kontraproduktiv. Xi verfolgt den strategischen Plan, sein Land in Schlüsselbranchen wie Robotik, erneuerbaren Energien oder Luft- und Raumfahrt zum Weltmarktführer aufzubauen. Die Erhaltung von alten und die Suche nach neuen Absatzmärkten definieren sein Verhältnis zu ökonomischen Konkurrenten wie Amerika oder Europa. Um dieses Ziel zu erreichen, ist Xi zu Teil-Konzessionen bereit.

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Warum schlägt Putin kurz nach Trump in China auf?

Putins Besuch in Peking ist nicht frei von Eitelkeiten und Eifersüchteleien. Russland sieht sich als privilegierter Partner der Volksrepublik. Eine Annäherung zwischen den USA und China – den beiden größten Volkswirtschaften der Welt – würde in Moskau die Befürchtung wecken, ausgegrenzt zu werden. Der Kreml habe Trumps Besuch in Peking genau beobachtet, betonte Putins Sprecher Dmitri Peskow.

Der russische Präsident erhofft sich in Peking genaue Informationen über das, was Trump Xi gesagt hat. Das betrifft Sanktionen gegen Russland ebenso wie möglichen Druck auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj oder eventuelle weitere US-Militäraktionen gegen Iran. Putin will zudem abklopfen, ob der Chinese Trump irgendetwas versprochen hat. Dabei ist auch ein Quantum Misstrauen im Spiel. Sollte sich Xi zum Beispiel verpflichten, Russland weniger Dual-Use-Güter für den Ukraine-Krieg zu liefern, um sich amerikanische Hochleistungschips zu sichern, würde Putin versuchen zu intervenieren.

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Xi hatte Trump mit großem Pomp empfangen, um den Egomanen aus Washington milde zu stimmen und mögliche Zollkriegsfantasien gar nicht erst aufkommen zu lassen. Der Putin-Besuch wird auf Routinemaß heruntergedimmt. Das ist kein Affront, sondern unterstreicht die strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern. Xi und Putin haben sich bereits mehr als 40-mal getroffen. China und Russland trommeln gemeinsam für eine multipolare Welt, in der allerdings die Großmächte ihre Interessenssphären markieren. Sie machen Front gegen den Westen, dem sie Hegemonialstreben und doppelte Moral bei Menschenrechten vorwerfen. Seit Russlands internationaler Isolierung im Zuge des Ukraine-Krieges ist der Schulterschluss zwischen Moskau und Peking noch enger geworden. Bei jedem Gipfel wird die „felsenfeste Freundschaft“ beschworen.

Dennoch verfolgt China keine ideologisch festbetonierte Politik. Wenn es dem nationalen Interesse dient, gibt es Raum für pragmatische Lösungen. „Für China sind die Stabilisierung der Beziehungen zu den USA und die Vertiefung der strategischen Zusammenarbeit mit Russland keine einander ausschließenden Optionen. Beides ist Teil der Aufrechterhaltung der allgemeinen Stabilität in den Beziehungen zwischen den Großmächten“, betont Zhao Long von der Denkfabrik Shanghai Institutes for International Studies.

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Warum braucht Russland China?

Die Volksrepublik ist der weltweit größte Abnehmer von russischem Öl und Gas. Mehr als ein Drittel aller russischen Importe kommt aus China, vor allem Autos, Maschinen und Elektronik. Über ein Viertel der russischen Exporte landet im Reich der Mitte. Dennoch ist der ökonomische Größenunterschied gigantisch. Russland macht nur vier Prozent von Chinas internationalem Handel aus – das ist ein kleinerer Anteil als der Vietnams. Putin würde gern noch mehr Rohstoffe ausführen. Seit Jahren versucht er, eine Gas-Pipeline von Sibirien durch die Mongolei nach China zu bauen. Bislang war Peking zurückhaltend: Es wollte nicht zu abhängig von einem Anbieter werden. Das Zauberwort heißt Diversifizierung.

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Im Ukraine-Krieg gibt China Russland in mehrfacher Hinsicht Flankenschutz. Es liefert nach Einschätzung westlicher Geheimdienste Dual-Use-Güter wie Elektronikbauteile für Raketen und Drohnen. Politisch bezeichnet sich die Volksrepublik zwar offiziell als neutral. Sie hat jedoch den russischen Einmarsch in die Ukraine nie verurteilt. Sie pocht auf die Erhaltung der territorialen Integrität, was auch für die Ukraine gelten soll. Doch dahinter steckt kein Bekenntnis zum Völkerrecht. Schwerer wiegt in Peking der Hinweis, dass Russlands „legitime Sicherheitsinteressen“ gewahrt werden müssten. In Wahrheit deckt China das Kremlnarrativ.

Warum braucht China Russland?

China ist mit rund 553 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr der weltweit größte Ölimporteur. Mehr als 17 Prozent davon kommen aus Russland, dem wichtigsten Lieferanten. Wegen der westlichen Sanktionen gegen Moskau muss Putin zu verbilligten Preisen liefern, was der energiehungrigen chinesischen Wirtschaft nutzt. Das russische Öl-Kontingent könnte weiter wachsen, da die Straße von Hormus de facto blockiert ist. China bezieht rund 50 Prozent seines Ölbedarfs aus dem Nahen Osten. Ein Großteil wird durch die Meerenge transportiert. In der Vergangenheit stammten rund zehn Prozent von Chinas Ölimporten aus dem Iran.

Auch in politischer Hinsicht braucht China Russland als Bundesgenossen. Beide Länder sind vom Niedergang des Westens überzeugt und setzen auf eine multipolare Weltordnung. Die Volksrepublik will eine Niederlage Russlands im Ukraine-Krieg unter allen Umständen verhindern. Instabilität im riesigen Nachbarland oder gar ein Zerfall von Putins Reich gilt in Peking als Albtraum. Klar ist aber auch: Im weltpolitischen Auftritt sieht China Russland nur als Juniorpartner. Es betrachtet nur sich als Alpha-Macht, auf einer Stufe mit Amerika.