Als im vergangenen November die Klimakonferenz im brasilianischen Belém zu Ende ging, war die Enttäuschung bei den Vertretern vieler Staaten groß: Auf einen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas hatte sich die Konferenz nicht einigen können, und das trotz dringlicher Warnungen aus der Wissenschaft vor den Folgen fossiler Energienutzung.
Seitdem ist nicht einmal ein halbes Jahr vergangen – doch die Vorzeichen für die Abkehr von fossilen Brennstoffen haben sich grundlegend geändert. Denn der Krieg im Iran könnte schaffen, was jahrzehntelange Klimadiplomatie bisher nur unzureichend vermocht hat, und der globalen Energiewende den entscheidenden Schub geben.
Mit der Blockade der Straße von Hormus wurde über Nacht eine Hauptschlagader der globalen fossilen Energieversorgung abgeklemmt. Weltweit ringen Regierungen seitdem darum, wie sie mit Preisanstiegen und oft auch Knappheiten bei Öl und Gas umgehen sollen. Bei der fieberhaften Suche nach Alternativen wenden sich viele jetzt verstärkt erneuerbaren Energien zu. Denn Photovoltaik, Windkraft und andere Erneuerbare versprechen Unabhängigkeit von wackelig gewordenen Importen, vor allem in Kombination mit E-Autos und der Elektrifizierung von Heizungen.
Dieser Schwung wird auch beim Petersberger Klimadialog am Dienstag und Mittwoch eine große Rolle spielen. Das Treffen auf Einladung der Bundesregierung gilt als wichtiger Termin im Kalender internationaler Klimapolitik. Erwartet werden Vertreter zahlreicher Staaten sowie UN-Klimachef Simon Stiell, aber auch Gäste aus Wirtschaft und Wissenschaft. Für Deutschland werden unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sprechen.
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Iran-Krieg könnte Wechsel zu Erneuerbaren beschleunigen
Tatsächlich gebe es erste Anzeichen, dass der Iran-Krieg den Wechsel hin zu erneuerbaren Energien weltweit beschleunigt, sagt Ole Adolphsen, Experte für Internationale Klimapolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. „In Australien steigt die Nachfrage nach E-Autos, im Vereinigten Königreich nach Wärmepumpen, Indonesien will seinen Verkehrssektor elektrifizieren und hat angekündigt, innerhalb von zwei Jahren seine Solar-Kapazität von 11 auf 100 GW zu erhöhen“, sagt er. Wie viel davon tatsächlich umgesetzt wird, müsse man abwarten, aber es seien Indikatoren für eine Verschiebung.
Befürchtungen, das deutlich geschrumpfte globale Angebot an Öl und Gas könnte zu einer Renaissance der Kohleverstromung führen, haben sich dagegen bis jetzt nicht bewahrheitet. Nach Daten der finnischen Denkfabrik Center for Research on Energy and Clean Air (CREA) fiel die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen im März, dem ersten Monat nach der Schließung der Straße von Hormus Ende Februar. Außerhalb Chinas wurden demnach 3,5 Prozent weniger Kohlestrom und 4 Prozent weniger Strom aus Erdgas produziert. In China selbst legte Kohlestrom im Vergleich zum Vorjahr zwar um 2 Prozent zu, lag aber laut CREA trotzdem deutlich unter dem Niveau von 2024.
„Ein solcher Schock ist auch eine große Chance“, sagt Adolphsen. Inwieweit diese Chance tatsächlich genutzt werden wird, hänge aber unter anderem davon ab, wie sich der Konflikt entwickelt. Denn steigende Preise für Öl und Gas und in der Folge drohende Inflation können für viele Länder Schwierigkeiten bedeuten, wenn es darum geht, jetzt Geld für Investitionen in erneuerbare Energien aufzutreiben.

Öl exportierende Staaten bremsen Umstieg auf erneuerbare Energien
Dazu kommt: Jene Staaten, die Geld mit Öl und Gas verdienen, haben kein Interesse daran, dass der Rest der Welt diese zunehmend durch andere Energiequellen ersetzt. US-Präsident Donald Trump, der sein Land seit Beginn seiner zweiten Amtszeit erneut aus dem Pariser Klimaabkommen herausgeführt hat und die USA als Gegner von erneuerbaren Energien positioniert, verkauft die Situation als Chance für die amerikanische Öl- und Gasindustrie. Auch Russland spülen die höheren Preise für fossile Brennstoffe große Summen in die Kriegskasse.
Schon bei der Klimakonferenz in Brasilien Ende 2025 habe man beobachten können, wie die USA, Russland, Saudi-Arabien und andere Staaten, die viel Gas und Öl exportieren, die Gespräche bremsten, sagt Lutz Weischer, der für die Nichtregierungsorganisation Germanwatch internationale Klimadiplomatie verfolgt. Beim Petersberger Klimadialog müsse es deshalb darum gehen, wie die große Mehrheit der Staaten weiterkommt, ohne das in Formaten wie der Klimakonferenz machen zu müssen, wo man den Konsens aller Staaten braucht.
„Wir erwarten ein deutlich sichtbares Signal, dass eine große Gruppe von verschiedenen Ländern sich hinter den Zielen der vergangenen Klimakonferenzen zu erneuerbarer Energie und Elektrifizierung versammelt“, sagt Weischer. Und er fordert „Richtlinienklarheit“ von Bundeskanzler Friedrich Merz: „Alles, was Katherina Reiche macht, zielt darauf, die Energiewende zu verlangsamen“, sagt Weischer über die CDU-Bundeswirtschaftsministerin. „Das passt nicht damit zusammen, dass man Gastgeber ist bei einem Klimadialog, der auf Beschleunigung aus ist.“
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Wichtig sei außerdem Unterstützung für kleine Länder, die gern wegwollen von fossiler Energie, aber nicht immer die Möglichkeiten haben, sagt Weischer. Gerade diese bräuchten Unterstützung. „Das muss nicht über Zuschüsse gehen, schon Risikogarantien können dafür sorgen, dass Projekte bessere Finanzierungsbedingungen bekommen und tatsächlich gebaut werden.“







