Zusammenfassung
- Am Sonntag wird in Baden-Württemberg und Bayern gewählt.
- Kurz vor der Entscheidung geraten CDU, SPD und FDP durch neue Umfragen stark unter Druck.
- Was heißt das für die Parteien in Berlin – und vor allem für Kanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil?
Am Sonntag wird gewählt in Süddeutschland: In Baden-Württemberg wird der Landtag neu bestimmt, in Bayern finden Kommunalwahlen statt. Es ist der Auftakt zum Superwahljahr mit fünf Landtagswahlen. Die Wahlergebnisse könnten zum politischen Zittern in den Parteizentralen in Berlin führen.
Jüngste Umfragen sendeten Schockwellen vor allem ins Konrad-Adenauer-Haus der CDU. Denn im konservativ geprägten Baden-Württemberg haben die Grünen eine gigantische Aufholjagd vorgeführt. Von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ist die Rede. Es geht um die Nachfolge des einzigen Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Der tritt nicht mehr an. Noch im Herbst 2025 lag die CDU mit ihrem Spitzenmann Manuel Hagel in Umfragen 14 Prozentpunkte vor den Grünen mit Cem Özdemir. Die Rückkehr an die Macht schien für die CDU „ein gemähtes Wiesle“ zu sein, wie man im Schwäbischen sagt.
Landtagswahlen 2026 – spannende Hintergründe
CDU und Grüne Kopf an Kopf: Umfragen setzen Merz unter Druck
Aber in den vier jüngsten Umfragen schmolz der Abstand dahin. CDU und Grüne hätten mit je 28 Prozent einen Gleichstand, meldete jetzt die Forschungsgruppe Wahlen. Für Kanzler Friedrich Merz muss dies ein Alarmsignal sein. Eine Wahlniederlage in einem als „sicher“ geglaubten westdeutschen Bundesland wäre für ihn eine politische Katastrophe. Auch persönlich.

Merz hatte beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart große Siegesgewissheit ausgestrahlt. Er hatte fünf Wahlkampfauftritte im Südwesten gehabt, auch war viel Unions-Prominenz von Markus Söder aus Bayern bis Daniel Günther aus Schleswig-Holstein im Ländle unterwegs. „Wir wollen gewinnen und wir werden gewinnen“, hatte Merz gerufen.
Merz hatte nicht nur auf die Signalwirkung aus Stuttgart für die noch kommenden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen. Auch 2027 steht wieder ein Superwahljahr mit fünf Landtagswahlen an, darunter ist Nordrhein-Westfalen. Zieht eine mögliche Wahlschlappe die CDU nun weiter herunter? Fraglich ist, ob die von der Union angezettelte Debatte über Lifestyle-Teilzeit und Zahnbehandlungen ihr nicht geschadet hat. Von „Schnapsideen“ hatte der CDU-Kandidat Hagel gesprochen, das klingt nach Gegenwind von der CDU im Bund.
Alarmstimmung wohl auch im Willy-Brandt-Haus
Auch im Willy-Brandt-Haus schalten die Alarmlampen jetzt auf Rot. Trotz Wahlkampfhilfe einiger SPD-Minister in Baden-Württemberg bewegt sich die SPD Südwest laut Umfragen zwischen sieben und neun Prozent. Dass die Genossen in diesem Industrieland in Richtung Fünf-Prozent-Hürde rutschen, wird SPD-Parteichef Lars Klingbeil erklären müssen.
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Der Aufstieg der SPD-Wähler abgreifenden Linken – die es mit einem frischen Haustürwahlkampf erstmals in den Landtag schaffen könnte – wird als Begründung nicht ausreichen. Der sich abzeichnende Dämpfer für CDU und SPD wird beide Regierungsparteien dazu verleiten, ihr Profil zu schärfen. Mit negativen Folgen fürs Betriebsklima in der Koalition.

Cem Özdemir punktet ohne Unterstützung der Bundesgrünen im Wahlkampf
Lachende Dritte gibt es nur bei den Grünen. Aber auch bei den Bundesgrünen dürfte eine gewisse Nachdenklichkeit einsetzen: Wieso hat ein im Wahlkampf weitgehend von der Bundespartei abgenabelter Cem Özdemir die Grünen aus dem Umfragekeller geholt? Fragt man die Südwest-Grünen, warum weder Parteichef Felix Banaszak, noch die Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann im Wahlkampf auftraten, verweisen die auf ihre Eigenständigkeit. Özdemir und Kretschmann stünden für alles, was Grüne in Baden-Württemberg ausmache: „Sie haben das Ganze im Blick, suchen den Ausgleich und versöhnen Ökonomie und Ökologie.“ Tun die Bundesgrünen das nicht? Sollte der Realo Özdemir den Wahlsieg schaffen, könnten die Gewichte in der Partei neu austariert werden.

Auch für die AfD sind Wahlen in Westdeutschland wichtig. Sie will demonstrieren, dass sie nicht nur eine Ost-Klientel-Partei ist. Baden-Württemberg ist zudem die politische Heimat von Chefin Alice Weidel. Markus Frohnmaier, der AfD-Spitzenkandidat, ist einer ihrer engsten Vertrauten. Dass die radikal Rechte im „Ländle“ bei knapp 20 Prozent steht, ist ein Erfolg. Zugleich bedeutet es mal wieder: keine Option auf Regierungsmacht. Und: Es wäre mehr drin gewesen – doch die AfD ist verstrickt in interne Machtkämpfe und Vetternwirtschaft-Vorwürfe. Auch Frohnmaier ist im Fokus der Debatte. Das schadet der AfD. Und kann ihr den Wahlerfolg kosten.
FDP spricht von „Mutter aller Wahlen“
Für noch eine Partei steht viel auf dem Spiel: die FDP. Die Liberalen im Südwesten sind die einzigen in der Republik, die noch nie aus einem Landtag geflogen sind. Umfragen sehen sie zwischen 5,5 und sechs Prozent – die Gefahr, dass sie erstmals in ihrem Stammland aus dem Parlament fliegen, ist also nicht gebannt. Der baden-württembergische FDP-Chef Hans-Ulrich Rülke spricht deshalb auch von der „Mutter aller Wahlen“. Wenn die FDP es im Südwesten nicht schaffe, schaffe sie es auch anderswo nicht, davon ist er überzeugt. Für Parteichef FDP Christian Dürr ist das eine unangenehme Analyse; letztes Jahr flog seine Partei aus dem Bundestag.
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Und dann ist da ja noch Bayern. Auch für CSU-Chef Söder geht es bei der Kommunalwahl um einiges: Jüngste Umfragen sehen die CSU nur noch bei 33 Prozent, anderthalb Prozent weniger als 2020. Obwohl Söder bundespolitisch gern auftrumpft, stellen Beobachter in München eine Entfremdung des Ministerpräsidenten von seiner eigenen Partei fest. Die CSU hatte einst Wahlerfolge von über 60 Prozent. Davon ist sie heute weit entfernt.






