Ohne Anzeichen auf einen belastbaren Kompromiss gingen die USA und der Iran am Dienstag in Genf in weitere Gespräche, um ihren langjährigen Atomstreit zu befrieden. 

Während die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, sich mit Teherans Delegation unter Außenminister Abbas Araghtschi an den Tisch setzten, mehrten sich die Indizien für einen Militärschlag der USA auf das Mullah-Regime, für den Fall, dass die Verhandlungen in der Schweiz für gescheitert erklärt werden sollten. Witkoff und Kushner hatten das Zustandekommen eines Deals zwischenzeitlich als „sehr schwierig bis unmöglich“ bezeichnet.

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Grund dafür ist dem Vernehmen nach, dass der Iran zwar bereit ist, unter Auflagen (Sanktionsrücknahme) über sein Atomprogramm zu verhandeln, nicht aber darüber, was Israels Premierminister Benjamin Netanjahu für unabdingbar hält: die Reduzierung des ballistischen Raketenbestands des Iran. Und die finanzielle Trockenlegung von Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah. 

USA verlegen zweiten Flugzeugträger in den Nahen Osten

Sollte Teheran nicht einlenken, stehen die Zeichen auf Eskalation. Indiz: Trump hat Netanjahu intern signalisiert, dass er israelische Angriffe auf das iranische Raketenprogramm unterstützen und militärisch flankieren würde (Luftbetankung für israelische Flugzeuge etc.), wenn keine Einigung zwischen Washington und Teheran erzielt werden kann. Das berichten US-Medien wie der Sender CBS. Das Weiße Haus hat bislang nicht dementiert.

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Auch der US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford, hier beim Start einer Boeing F/A-18E/F Super Hornet, ist in den Nahen Osten abkommandiert worden. Trump will damit den Druck auf Teheran erhöhen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Trump sagte am Montag an Bord der Air Force One, er werde „indirekt“ an den Gesprächen in Genf beteiligt sein. Er betonte, dass der Iran ein Abkommen schließen wolle, da er die Folgen eines Scheiterns nicht in Kauf nehmen wolle. 

Anrainer fürchten Vergeltung und Flächenbrand

Um die Drohkulisse zu verstärken, haben die USA nach der USS Abraham Lincoln mit der USS Gerald R. Ford einen zweiten Flugzeugträgerverband samt Kriegsschiffen in den Nahen Osten verlegt, wodurch spätestens Mitte März eine massive Feuerkraft in Reichweite des Iran zur Verfügung stehen würde. Trump spielt mit der Option. Er bevorzuge zwar eine diplomatische Lösung, sagte der 79-Jährige gegenüber Reportern, aber wenn es keinen Deal gebe, „müssen wir einfach abwarten, wie das Ergebnis aussehen wird“. Irans Außenminister Araghtschi erklärte in sozialen Medien, er sei in Genf, „um mit konkreten Ideen für eine faire und gerechte Einigung zu kommen“. Was für ihn nicht zur Debatte stehe: „Unterwerfung vor Drohungen“.

„Gerald R. Ford“: So sieht es an Bord des US-Flugzeugträgers aus

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Der US-Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ war bis Freitag in der Nordsee an einer „Aktivität“ der Nato beteiligt.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Soldaten der Trägerdeck-Gruppe beladen einen Kampfjet.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Ein Pilot besteigt seinen Jet.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Auf dem Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ sind unter anderem der Kampfjet F35, das auf elektronische Kriegsführung spezialisierte EA-18-Flugzeug, das Frühwarnflugzeug E2D sowie die Helikopterflugzeuge MH-60 „Romeo“ und MH-60 „Sierra“ im Einsatz. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy rollt über das Flugdeck.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Fluglotsen und Piloten kommunizieren vor allem durch Handzeichen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy startet vom Flugdeck, nachdem sie durch ein elektromagnetisches Katapult beschleunigt wurde.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Zahlreiche Fluglotsen, Mechaniker und Sicherheitsleute arbeiten an Deck des Flugzeugträgers.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Hinter den Jets werden vor dem Start Klappen hochgefahren.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Soldaten der Trägerdeck-Gruppe in feuerfesten Anzügen laufen über das Flugdeck.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy im Landeanflug auf den Flugzeugträger. Das Deck ist 337 Meter lang. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Mit dem Fanghaken ihres Flugzeugs steuern Piloten eines von mehreren quer auf Deck liegenden Stahlseilen an. Nach rund 100 Metern kommt das Flugzeug zum Stehen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Formation aus vier dänischen Lockheed F35-Kampfflugzeugen, vier Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy, zwei General Dynamics F-16 Fighting Falcon und ein Grumman E-2 Hawkeye der Navy überfliegen den Träger.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Dänische Lockheed F35-Kampfflugzeuge überfliegen den US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Der Kommandant des Carrier Air Wing Eight, Captain David J. Dartez, ist für die Luftstreitkräfte an Bord zuständig.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Im Hangardeck werden die Flugzeuge geparkt und gewartet. Hier das Frühwarnflugzeug Grumman E-2 Hawkeye.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Kommandeur David W. Skarosi im Hangardeck des Flugzeugträgers.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
An Bord lebt die Hündin „Captain Sage". Sie ist ein Expeditionshund, der eine dreijährige Ausbildung abgeschlossen hat.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Die Aufgaben der flauschigen Mitarbeiterin: Seeleuten und Marinesoldaten während ihrer Einsätze bei der emotionalen Regulierung helfen, Stress abbauen und moralische Unterstützung bieten.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Die Brücke des Flugzeugträgers liegt 34 Meter über dem Flugdeck. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Kommandeur David W. Skarosi, auf die Frage ob die Provokationen durch Russland Spuren an Bord hinterlassen: „Angst herrscht hier jedenfalls nicht, falls Sie das fragen.“© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Mechaniker arbeiten im Hangardeck. Hier werden die Flugzeuge geparkt und gewartet.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Der US-Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ ist nicht mehr lange in der Nordsee vor Norwegen. Der nächste Einsatzort ist unbekannt.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

In der Region haben die Äußerungen des US-Präsidenten die latente Alarmbereitschaft weiter verschärft. Etliche Anrainerstaaten des Iran befürchten, dass ein möglicher amerikanischer Angriff und iranische Vergeltungsmaßnahmen, die Israel mit hineinziehen würden, den gesamten Nahen Osten destabilisieren und die Verbündeten der USA in der arabischen Welt, die Tausende amerikanische Soldaten beherbergen, akut gefährden könnten. 

US-Präsident Trump
Macht weiter massiven Druck auf Teheran: US-Präsident Donald Trump am Montag an Bord der Air Force One vor Reportern.© Matt Rourke/AP/dpa | Matt Rourke

Dazu passt, dass die Islamische Revolutionsgarde – ein mächtiger Zweig der iranischen Streitkräfte – Kriegsspiele der Marine in der für die Öl-Exportrouten der internationalen Seeschifffahrt wichtigen Straße von Hormus durchführt. Eine Geste, die Stärke und Widerstandsgeist demonstrieren soll. Dahinter steht die Drohung Teherans, im Falle eines Falles die Straße von Hormus zu blockieren, was die Weltwirtschaft schnell einem Stresstest unterziehen würde.

Tarnkappenbomber zielte auf drei Atomstandorte

Dennoch steht die iranische Regierung nach Einschätzung von Analysten in Washington wie im Nahen Osten unter erheblichem Druck, einem von den USA diktierten Abkommen zuzustimmen. Die iranische Wirtschaft leidet stark unter lähmenden internationalen Sanktionen, die zur jüngsten Welle von Protesten gegen die autoritäre Regierung des Landes beigetragen haben. 

Irans ballistische Raketen sind Israel wie den USA ein Dorn im Auge. Ihr Abbau soll Teil des Verhandlungspakets werden. Teheran sagt bisher: Nein.
Irans ballistische Raketen sind Israel wie den USA ein Dorn im Auge. Ihr Abbau soll Teil des Verhandlungspakets werden. Teheran sagt bisher: Nein.© AFP | -

2025 versuchten US-amerikanische und iranische Regierungsvertreter, einen „Deal“ über das iranische Atomprogramm auszuhandeln, der die Sanktionen im Austausch für ein Ende der iranischen Uran-Anreicherung beenden sollte. Die Gespräche blieben erfolglos. 

Stattdessen startete Israel eine Militäraktion gegen das iranische Atomprogramm, die zu einem zwölftägigen Krieg zwischen den beiden Ländern führte. Später schlossen sich US-Tarnkappenbomber dem israelischen Angriff an und griffen drei iranische Nuklearstandorte an. Trump erklärte damals zunächst, dass die US-Bombardements das iranische Atomprogramm komplett ausgelöscht hätten. Später stellte der amerikanische Geheimdienst CIA fest, dass das Programm schwer beschädigt, aber nicht völlig zerstört sei.

„Ausgang der Krise ist unvorhersehbar“

Heute geht Trump davon aus, dass der Iran die Möglichkeit einer friedlichen Verständigung über das Atomprogramm nicht verstreichen lässt. Wie Pentagon-Insider US-Medien berichteten, bereitet sich das US-Militär auf die Option einer wochenlangen Operation gegen den Iran vor, sollte Trump einen Angriff tatsächlich befehlen. Wird er es tun?

Die Revolutionsgarde hat am Montag demonstrativ Militärmanöver in der Straße von Hormus abgehalten. Im Falle eines US-Angriffs würde die Seestraße eine zentrale Rolle spielen.
Die Revolutionsgarde hat am Montag demonstrativ Militärmanöver in der Straße von Hormus abgehalten. Im Falle eines US-Angriffs würde die Seestraße eine zentrale Rolle spielen.© AFP | -

„Der Ausgang der Krise ist unvorhersehbar“, konstatiert ein Leitartikler im konservativen „Wall Street Journal“. „Donald Trump selbst weiß wahrscheinlich nicht, was er letztendlich tun wird.“ Gegenwärtig befinde sich der US-Präsident in einer günstigen Lage. „Er hat im Iran freie Hand und kann sich in jede Richtung bewegen. Er kann auf einen Regimewechsel drängen. Er kann einen schwachen Deal mit Teheran eingehen und den Sieg für sich beanspruchen. Er kann sich zurücklehnen, während Israel den Großteil der Arbeit übernimmt, wie er es im zwölftägigen Krieg im Juni getan hat, und am Ende einschreiten, um sich den Sieg anzurechnen. Er kann den Mullahs eine neue Chance geben.“ Oder auch nicht.